In den vergangenen Wochen häuften sich die Meldungen über Entlassungen bei Firmen im Landkreis, die über Jahre hinweg als stabil bis sogar prosperierend galten. Die Ursachen sind ähnlich, aber doch unterschiedlich. Bei Concept Laser/GE Additive fallen 90 Stellen im Unternehmen weg - etwa 20 Prozent der Arbeitsplätze dort. Dabei haftete dem Aufstieg des Unternehmens etwas scheinbar Unaufhaltsames an, doch die Krise in der Luftfahrtindustrie in Corona-Zeiten hinterließ hier tiefe Spuren.

Sie traf auch die Firma Robert Hofmann in Schney, die als Serienzulieferer für die Luftfahrt tätig ist. "Unsere Umsätze in dem Bereich gingen auf teilweise zehn Prozent des Vorjahres zurück", sagt Geschäftsführer Oliver Hofmann. Doch im Prinzip seien schon die vergangenen Jahre eine harte Zeit gewesen. Der 33-Jährige steht seit zwei Jahren mit einem weiteren Geschäftsführer außerhalb der Familie an der Spitze, ist praktisch im Betrieb aufgewachsen.

Kerngeschäft von Robert Hofmann ist die Unterstützung der Hersteller in der Autoentwicklung und dem Prototypenbau. Aber hier sei die Nachfrage stark zurückgegangen. Es werde weniger entwickelt, die Hersteller lasteten ihre eigenen Abteilungen erst einmal aus. Die Umsätze, die einst bei bis zu 50 Millionen Euro lagen, bewegen sich seit längerem bei 30 Millionen Euro. Man musste Personal abbauen: 2019 waren es 25 Arbeitsplätze, vor kurzem noch einmal 13. Doch reicht das in Verbindung mit den Sparmaßnahmen, läuft es 2021 besser?

Hofmann geht nicht davon aus. "Wir hatten schon Eigenmittel zurückgelegt, weil wir auch mit schlechteren Zeiten gerechnet haben." Doch damit, so erwartet man, kommt man aktuell nicht aus. Um im kommenden Jahr keine weiteren Kündigen aussprechen zu müssen, ging man jetzt einen Sonderweg, den der Tarifvertrag des bayerischen Metallhandwerkes ermöglicht: Man schloss ein so genanntes "betriebliches Bündnis für Arbeit". Im kommenden Jahr verzichten die Mitarbeiter auf 7,9 Prozent ihres Jahresgehaltes, dafür sind Entlassungen in dieser Zeit ausgeschlossen. "Die Auszubildenden haben wir herausgenommen, die verfügen ohnehin nur über ein geringes Einkommen." Und auch die außerhalb des Tarif Beschäftigten, meist Führungspersonal, verzichten auf die selbe Prozentsumme. Dafür mussten zwei Drittel der Beschäftigten zustimmen, die Quote unter den Wahlberechtigten lag bei 70 Prozent. Die Wahlbeteiligung bewegte sich bei 100 Prozent. Aktuell arbeiten bei Robert Hofmann insgesamt 252 Personen.

Die Unternehmen, die stärker an Branchen wie der Autoindustrie als Zulieferer in der Serie hängen, wie etwa SMIA in Michelau, spüren den rauen Wind schon etwas länger. Hier werden in der kommenden Zeit 300 der 1500 Arbeitsplätze wegfallen. Auch sie geraten immer stärker unter Druck und das nicht, weil sich in der jüngeren Vergangenheit eine Diskussion aufgebaut hat, ob Verbrennungsmotoren noch eine Zukunft besitzen und man komplett auf Elektromobilität umschwenken soll. Die Probleme kommen auf andere Art und Weise zustande: Auch deutsche Autohersteller haben nur eine begrenzte so genannte Fertigungstiefe. Mit Fertigungstiefe sind die Teile gemeint, die das Unternehmen auch tatsächlich selber herstellt. Dieser Anteil ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Richard Tauber, Sprecher des Fachverbandes Bayern Metall, der Interessensvertretung der handwerklichen Betriebe, ordnet ihn bei um die 30 Prozent ein. Das heißt: 70 Prozent der Teile stellen Zulieferer her. Hier findet ein starker Verdrängungswettbewerb statt. China hat als Autoexportland in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung zugenommen, doch kommen von dort auch immer mehr Teile. Denn die Chinesen wollen ja nicht nur Autos importieren, sondern auch ihre Wirtschaft in dieses Geschäft mit einbinden. Zusätzlich setzt man mit günstigen Preisen die etablierten europäischen Lieferanten unter Druck.