Mit einem ungewöhnlichen Thema beschäftigte sich der Fränkische Theatersommer am Samstag auf der Seebühne in Bad Staffelstein. "Wenn wir über die Schatten tanzen" war eine Stepptanz-Theater-Collage, in der Alexander von Hugo und Michaela Duhme das Trauma der Kriegskinder von einst darstellen. In Zeiten von Krieg und Terrorismus, Flucht und Vertreibung gaben die beiden Schauspieler die Todesangst, Verzweiflung, Gewalt und Hunger der Eltern und Großeltern wieder. Das Publikum war betroffen, wurden doch die Beschreibungen der Kriegskinder deutlich, die viele von ihnen geprägt hatten.

Das Drehbuch schrieben alte Menschen in Altersheimen und caritativen Einrichtungen. Von Hugo und Duhme stellten ihnen immer die gleichen Fragen, die sie dann auf der Bühne beantworteten.
Musik der Jugendzeit ihrer Gesprächspartner, die sie selbst erwähnten oder die beiden beeindruckten war der Soundtrack des einstündigen Bühnenstücks. Deutlich spürten die Zuschauer: Die beiden Künstler wollten mit dieser Bühnencollage der Nachkriegsgeneration eine Stimme geben, auf sie zugehen und die Hand reichen.


Tanz, Dialoge und Gesang

Auf der Bühne standen nur ein Tisch, zwei Stühle und ein altes Röhrenradio, aus dem je nach Sender O-Töne der Befragten oder Musik der 50er Jahre schallte. Fließend wechselten die Schauspieler das Genre, zwischen Stepptanz, Dialogen und Gesang erinnerten sie an die Zeit der Fünfziger Jahre. Dazwischen das Kinderlied "Schlaf, Kindchen schlaf", das von Hugo sogar auf der Klarinette spielte. Das mehrstrophige Lied, wurde Kindern vor dem Einschlafen zur Beruhigung gesungen. Allerdings dichteten die Kriegskinder den Vers um. Darin heißt es: "Maikäfer flieg / der Papa ist im Krieg / die Mama ist in Pommernland / Pommernland ist abgebrannt / Maikäfer flieg".

Ein swingender Stepptanz folgte einer Tanzstunde mit heißem Tango bei dem die Partner nicht gegenüber, sondern hintereinander tanzten und dabei die Arme skurril verdrehten. Die Zuschauer lachten, doch alles war kein bisschen albern. Die damaligen Modetänze, schmissigen oder wehmütigen Schlager waren nicht alberner als die heutigen.

Bei den gespielten todtraurigen Szenen aus Erich Kästners "Romanze" oder Wolfgang Borchers "Das Brot" stahlen sich vereinzelt Tränen aus den Augen der Zuschauer. Die Bühnenschau "Wenn wir über die Schatten tanzen" war keineswegs kitschig, eine äußerst kurzweilig Stück, das keine Angst vor großen Gefühlen hatte.