"Wenn man so 20 bis 30 Feuerwehrautos hat, dann kann man eines schon verleihen. Aber wir haben nur eines." Bastian Müller, seit ewigen Zeiten Feuerwehranwärter bei der Reundorfer Wehr versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich müssten sie zum Einsatz ausrücken, aber ihr einziges Löschfahrzeug dient einem Landwirt aus dem Dorf als Zugmaschine. Wenn das der Kreisbrandrat wüsste und seine Katastrophenschutzbeauftragte, dann stünde massiver Ärger ins Feuerwehrhaus.

Seit Mai geprobt

Mit der feurigen und spritzigen Feuerwehrsatire "Der Grillclub mit dem roten Auto" starteten am Freitag die Theatertage. Mit dem Vierakter von Carsten Lögering wurde die Maintalhalle in Reundorf wieder einmal zur großen Theaterbühne. Seit Mai hatte die Theatergruppe "Lach a moll" fleißig geprobt, das Bühnenbild erstellt und auch sonst wieder jede Menge Arbeit in ein Theatervergnügen investiert, das wieder einmal beim Publikum ankam.

Ein Hinweis vorneweg: "Was Sie heute sehen, hat mit der Reundorfer Feuerwehr rein gar nichts zu tun", erklärte Klaus Fischer, Vorsitzender der "Maapiraten" schmunzelnd. Nachdem Kommandant Schmierlapp das Zeitliche segnete, gehörten zur nunmehr führungslosen Truppe Horst Biesenecker (Markus Fischer), Harry Zünder (Andre Roder) und Bastian Müller (Jan Haffner). Oberlöschmeister Horst Biesenecker erklärt sich kurzerhand zum neuen Kommandanten der Wehr. Da taucht Dorfpolizist Otti Becker (Christian Schedel) auf der Bildfläche auf. Die Polizei hatte das Feuerwehrauto geblitzt, mit Harry Zünder am Steuer. Allerdings nicht beim Einsatz, sondern bei der Besorgung von 20 Kästen Bier (Kasten zu 8,88 Euro, da muss man doch zugreifen).

Blitzer-Fotos verschwinden

Nicht das erste Mal, denn Harry ist nicht nur Getränkewart, sondern auch dafür zuständig, dass immer ein ordentliches Stück Fleisch auf dem Grill liegt. Außer Bier trinken und Fleisch grillen bringt die Truppe nichts auf die Reihe. Dorfpolizist Otti Becker sollte noch mehrmals auftauchen, und immer einen ordentlichen Reibach machen, dafür dass er Blitzer-Fotos verschwinden lässt. Als Kreisbrandrat Alfons Spritz (Edmund Welsch) und seine leicht lispelnde Mitarbeiterin aus dem Katastrophenschutz Ilse Wills (Manuela Fischer) feststellen, dass diese Situation "slimm, slimm, slimm" ist (also sehr schlimm), hat der Spaß ein Ende. "Die Feuerwehr ist eine einzige Schand", schimpft der Kreisbrandrat und droht mit der Auflösung der Truppe.

Mit Ina Scharf (Melanie Franke) wird eine neue junge Feuerwehrkommandantin eingesetzt, die zu allen Überfluss auch noch Vegetarierin ist und Alkohol meidet. Ein Kulturschock für die Männer, die Frauen nur zum Putzen des Feuerwehrhauses und nach Grillfeten einsetzten. Jedenfalls räumt die Kommandantin den Laden erst mal richtig auf. Statt mit Bier und Schnaps wird der Kühlschrank mit Saft und Wasser gefüllt und die Grillecke wird zur Pausenecke.

Erst als Ina Scharf auch noch die Ehefrauen von Horst und Harry, Helga (Susanne Seubert) und Frieda (Sabine Göbel), in die Feuerwehr aufnimmt, rebellieren die Männer. Es kommt zum Wettkampf, bei der die Dorftratschen Hilde Drunk (Christine Dinkel) als Schiedsrichterin fungieren soll. Bei der Feuerwehrolympiade geht es um Geschicklichkeit, Ausdauer, Konzentration, Koordination, Wissen, Kraft und Teamwork.

Der Geschlechterkampf im dritten Akt gestaltete sich als Zerreißprobe für die Männer, für die Zuschauer wird es ein Angriff auf ihre Lachmuskeln. Es geht Schlag auf Schlag, eine furiose Szene jagt die nächste. Auch wenn es zunächst so ausschaut, als ob die Unparteiische bestechlich wäre ("Ich bin nicht die Fifa, ich lass mich nicht bestechen"), greift Hilde Drunk doch hart durch.

Am Ende muss sie ins Dorf gehen und vom Ausgang des Wettkampfs berichten.

Über jeden Zweifel erhaben sind die Leistungen der Schauspieler, die grandios spielten. Ein unbeschwertes Theatervergnügen, wofür alle Akteure einen begeisterten Applaus erhielten. Für die kommenden Aufführungen der "Reundorfer Theatertage 2019" gibt es allerdings keine Karten mehr, da schon ausverkauft.