Die Freude war ihr ins Gesicht geschrieben: Als Jana Neubert am Freitagabend ihr erstes Fass Meisterbier anstach, strahlte die 24-Jährige. Sie setzte den Zapfhahn an und trieb ihn zielsicher mit einem Schlag ins Spundloch: "O'zapft is'!", verkündete die gebürtige Sonthofenerin ihren Gästen, für die sie das rot schimmernde Märzen in die Gläser fließen ließ.

Übers ganze Gesicht strahlte auch Senior-Braumeister Reinhold Reblitz, der seiner künftigen Schwiegertochter eine ganz besondere Ehre angedeihen ließ: Er überreichte ihr als Zeichen der Würde und Privileg ihres Meisterstandes einen Zwickelschlüssel am Kettchen, den er ihr zeremoniell um den Hals hängte. Dieses Ritual ist so etwas wie der Ritterschlag unter Brauern. Allein ein/e Braumeister/in darf diesen Schlüssel tragen, denn er/sie besitzt besondere Befugnisse - etwa das Entnehmen der Proben an den Fässern im Gärkeller. Jana freute sich darüber sehr: "Ich darf nun endlich auch selber zwickeln."

Warum "Rote Berta"?

Es war eine nicht alltägliche Feier in Nedensdorf. Denn es ist schon noch etwas Besonderes, wenn eine junge Frau das Handwerk des Brauers erlernt und in eine Männerdomäne vordringt. Jana Neubert stellte mit wohl formulierten Sätzen ihr Meisterinnenbier vor, die "Rote Berta". Der Name sei abgeleitet von der roten Farbe, in der das Märzen funkelt, wenn man das gefüllte Glas gegen das Licht hält - und die "Berta" sei vom Familiennamen Neubert abgeleitet. Stolz auf die Leistung seiner Tochter hatte Vater Alexander Neubert ihr mit der Motorsäge eine Rote Berta aus Holz geschnitzt. Diese Figur ziert nun die Wirtsstube.

"Ich hab' das Bier so eingebraut, dass der süße Malz-Karamel-Geschmack im Vordergrund ist", sagte Jana bei der Vorstellung des Märzenbiers, "denn ich möchte die Süße spüren, erfrischt werden vom Hopfen".

Dass ihr das gelungen ist, beweisen die fachkundigen Urteile der Männer am Stammtisch: "Es ist nicht zu süß", sagte einer, "toll im Antrunk". Ein anderer: "Etwas herb, aber nicht zu herb." Ein Dritter der Nedensdorfer Expertenrunde: "Gelungen, gelungen, gelungen!"

Hans Hofmann vom Obst- und Gartenbauverein Unnersdorf stellte die Braumeisterin mit launigen Worten vor. Bei diesem Bier schlage das Herz eines Bierkenners gleich höher, es sei "ein absoluter Clou". Denn: "Unser' tägliches Bier möchten wir Franken nicht missen." Aus diesem Grund ernannte Hans Hofmann die Allgäuerin zur "BBB" - zur "Botschafterin Bayerischen Biers". Dass sie unlängst bei der Wahl zur Bayerischen Bierkönigin nur auf dem dritten Platz landete, sieht Jana selbst als nicht tragisch an.

Zum Abschluss der heiteren Feier, zu der die vier fränkischen Blasmusiker Andreas, Michael, Klaus und Peter aufspielten, überreichte Reinhold Reblitz der jungen Kollegin zudem eine flauschige Braumeisterinnenjacke - damit sie im Gärkeller nie mehr frieren muss.