Im Landkreis ist der Rehwildbestand in den meisten Hegegemeinschaften zu hoch. Das zumindest ist die Einschätzung von Forstdirektor Oliver Kröner, der am Montag bei der Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV-Kreisverband in der Gaststätte "Zum Löwen" in Oberlangheim das so genannte Verbissgutachten vorstellte.
"Die Abschussquoten von Rehwild wurden nicht erreicht", sagte Kröner. Doch gehe es beim "Forstlichen Gutachten zum Zustand der Waldverjüngung", das alle drei Jahre erstellt werde, um weit mehr als nur um angeknabberte junge Bäumchen. Es gehe um den Anteil der für den Waldumbau besonders wichtigen Baumarten wie Buche, Eiche, Edellaubhölzer und Tanne.
Förster der bayerischen Forstverwaltung untersuchen stichprobenhaft in den einzelnen Hegegemeinschaften, also den Zusammenschlüssen von jeweils 15 bis 20 Jagdrevieren, wie viele junge Bäume bis zu rund 120 Zentimetern Höhe von Rehen angefressen wurden. Je mehr geschädigte Pflanzen, desto mehr Tiere im Revier, desto höher die Abschussempfehlungen an die jeweiligen Landratsämter, um den Wäldern die Möglichkeit der Verjüngung zu geben.


Zu viele Rehe im Lautergrund

Die Bewertung der Verbissbelastung stufte Kröner in den sechs Hegegemeinschaften verschieden ein. Deutlich zu hoch sei sie im Lautergrund. Dort empfahl er, den Abschuss von Rehen deutlich zu erhöhen. In den Gemeinschaften Maintal Nord, Oberes Maintal und Banzgau müsse der Abschuss erhöht werden, während die Schäden im Maintal Süd und Hochjura tragbar seien und der Abschuss beibehalten werden könne. Bei dem Gutachten seien auch die revierweisen Aussagen berücksichtigt worden, machte er deutlich.
Er bedauerte, dass nur in acht der 63 Jagdreviere im Landkreis Jagdrevierbegänge stattgefunden hätten. Er wünschte sich mehr Informationen, damit diese im Abschussplan des Landratsamtes berücksichtigt werden können.


Klare Vorgaben

Sandra Groß von der Unteren Jagdbehörde stellte fest: "Anders als in den letzten zwei Planperioden wurden aufgrund der allgemeinen Verschlechterung der Verjüngungssituation in Bayern durch das Ministerium und die Regierung von Oberfranken klare Vorgaben im Hinblick auf die Würdigung der einzelnen Abschussvorschläge durch die Jagdbehörden gemacht." Grundlage sei nach wie vor der Ist-Abschuss in der letzten Planperiode und der diesbezügliche Soll-Ist-Vergleich, die gutachterliche Aussage für die Hegegemeinschaft und, sofern vorhanden, die revierweise Aussage. Sofern aufgrund der revierweisen Aussage oder der Empfehlung für die Hegegemeinschaft eine zu hohe Verbissbelastung vorliege, sei der betroffene Ist-Abschuss um mindestens zehn Prozent zu erhöhen. Gestalte sich die Verbissbelastung als deutlich zu hoch, sei eine Erhöhung des Abschusses um mindestens 20 Prozent unumgänglich.
Das betreffe insbesondere Reviere, die in Hegegemeinschaften liegen, in denen bereits seit zwölf Jahren eine zu hohe Verbissbelastung festgestellt werden musste. "Durch diese konkreten Erhöhungsvorgaben ist der Gestaltungs- und Handlungsspielraum des Jagdbeirates und der Unteren Jagdbehörde sehr eingeschränkt, weswegen alle Beteiligten gefordert sind, bereits in der Phase der Abschussvorschläge diese Vorgaben zu berücksichtigen und umzusetzen", unterstrich die Behördenleiterin.
Jagdfachberater Wolfgang Jakob gab zu bedenken, dass sich die Verbissbelastungen in den Hegegemeinschaften verändert hätten. Er plädierte für eine bessere Kommunikation zwischen Förstern und Jagdgenossenschaften. Er machte darauf aufmerksam, dass für jeden, der mit dem Gutachten nicht einverstanden sei, der Rechtsweg offen stehe.
Der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins von Lichtenfels, Michael Ament, war der Meinung, dass forstliche Gutachten eine Frage der Auslegung sei. Es liege immer an den Personen, die das Gutachten erstellen. "Wenn geschützte Flächen von Waldbauern nicht betreut werden, können wir Jäger bei Schäden nicht verantwortlich gemacht werden", sagte er.
BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein plädierte für die Aufhebung der Schonzeiten für nicht führende Bachen und Keiler. Einen entsprechenden Antrag sollten die Jagdgenossenschaften an die Untere Jagdbehörde stellen. "Alle Möglichkeiten zur Reduzierung des Schwarzwildes sind ausgeschöpft und trotzdem nehmen die Schäden weiter zu", sagte er. Wegen des fehlenden Schnees war die Bejagung schwierig und revierübergreifende Drückjagden brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Behörde könne die Schonzeit aufheben, wenn keine andere Möglichkeit mehr besteht, der zunehmenden Wildschadenssituation Herr zu werden. Michael Ament berichtete in diesem Zusammenhang von engagierten privaten Jägern, die einen "Riesenaufwand" in ihren Revieren betrieben. Seine Kritik galt den Staatsforsten, die zwar große Jagden veranstalteten, aber auf kleine und öftere Jagden verzichteten. Für die privaten Jäger sei überdies die Vermarktung von Wildschweinfleisch schwierig, da das Fleisch von den Staatsforsten zu Dumpingpreisen verkauft werde.