Die Flure hell und gelb gestrichen, die Minen zuversichtlich: Als sich Landrat Christian Meißner (CSU) und Toni Spitzenpfeil, Leiter der Hauptverwaltung des Landratsamtes, am Freitagmittag ein Bild vom Stand der Arbeiten am künftigen Impfzentrum machen, ist zwar vieles noch vage. Dass das Haus Gabelsbergerstraße 22 bis zum geplanten Termin 15. Dezember für seine wichtige Funktion bereit sein wird, daran bestehen jedoch keine Zweifel. Ebenerdig auf 400 Quadratmetern soll dort ein Großteil der Landkreisbevölkerung den ersehnten Schutz vor dem tückischen Coronavirus erhalten. Ab wann und wie genau das geschehen wird, steht indes in den Sternen. Der Impfstoff muss ja erst noch zugelassen und dann ausgeliefert werden. Um keine Zeit zu verlieren, haben die Ministerien in der zweiten Novemberwoche den Startschuss zum Aufbau der Impfzentren gegeben: eines in jedem Landkreis beziehungsweise in jeder kreisfreien Stadt.

Warum dieser Standort gewählt wurde

Warum man seitens der Kreisverwaltung nicht etwa das alte Krankenhaus, wo bereits das Testzentrum untergebracht ist, als Standort gewählt hat, erklärt Pressesprecher Andreas Grosch vor allem mit der dortigen Parkplatzsituation. Kurzzeitstellplätze sind knapp. Und die Aufenthaltsdauer für eine Impfung sei, bedingt durch das nötige ärztliche Aufklärungsgespräch, größer anzusetzen als für einen Corona-Abstrich. Mit etwa 30 Minuten müsse man rechnen. Man habe vermeiden wollen, dass Fahrzeuge womöglich in der Zufahrt zur Notaufnahme des neuen Klinikums abgestellt werden. In der Straße hinter dem Finanzamt bestehen solche Sorgen nicht. Direkt an dem gelben Bungalow, in dem sich bis vor kurzem die Verwaltung des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) der Caritas befand, gibt es zwölf Stellplätze. Weitere 32 werden gerade seitlich entlang der Straße angelegt. Den dazu nötigen Grundstücksstreifen hat die Stadt Lichtenfels zur Verfügung gestellt.

Auch das Gesundheitsamt wird umziehen

Die HPZ-Mitarbeiter haben ihre Büros jetzt in Michelau, im Gewerbepark Bahnhofstraße 21. Auch das Schulamt, bisher direkter Nachbar in der Gabelsbergerstraße 24, ist - zum zweiten Mal binnen zwei Jahren - umgezogen. Es befindet sich nun in der Kronacher Straße 13, gegenüber dem Amtsgericht. In dem nun leeren Mehrfamilienwohnhaus in der Gabelsbergerstraße ist bereits der Umbau und Einbau eines Aufzugs im Gange. Ab dem Frühjahr soll es dauerhaft eine Außenstelle des Landratsamtes werden, mit dem Sitz von Gesundheits- und Veterinäramt. Die räumlichen Veränderungen werden bereits im Hinblick auf die schon vor längerer Zeit ins Auge gefasste Generalsanierung des Landratsamtes vorgenommen.

Im künftigen Impfzentrum wird aktuell noch gestrichen und die EDV eingerichtet. Verwendung finden soll hier eine gängige Praxissoftware. Wer daran arbeiten wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Der Landkreis hatte mehrmals Stellenanzeigen geschaltet, um medizinisches Fachpersonal zu finden. Von einem Bedarf von zehn Stellen, zunächst für die Dauer von sechs Monaten, wird ausgegangen.

Derzeit finden Einstellungsgespräche statt

Mittlerweile liegen laut Andreas Grosch etwa dreimal so viele Bewerbungen vor. Gerade wegen der Befristung ist davon auszugehen, dass unter den Interessenten Halbtagsaufstocker, Ruheständler und auch Minijobber sein werden. Mit einem deutlichen finanziellen Anreiz wie im Land Baden-Württemberg, wo für den befristeten Einsatz in einem Impfzentrum ein etwa doppelt so hoher Verdienst wie normalerweise in dieser Berufsgruppe üblich in Aussicht gestellt wurde, wurden die hiesigen Bewerber nicht gelockt. "Ich gehe davon aus, dass eine von der Qualifikation abhängige Bezahlung nach dem Tarif im öffentlichen Dienst vorgesehen ist", sagt der Pressesprecher dazu. Grosch merkt an, dass man sich bewusst gegen eine Vergabe an einen externen Betreiber entschieden habe. Sollten Probleme auftreten, wolle man auch in der Lage sein, deren Lösung in die Hand zu nehmen.

Wer kommt zuerst dran?

Zum praktischen Betrieb gibt es etliche Überlegungen. Beispielsweise, dass man schon im Wartebereich ein Video laufen lassen möchte, um Grundinformationen über die Impfung zu vermitteln. Das Arztgespräch kann sich dann auf Detailfragen konzentrieren. Auf diese Weise sollen die Frequenz erhöht und Wartezeiten verkürzt werden. Entscheidend wird aber sein, wann und wie viele Impfdosen in Lichtenfels ankommen und wie die konkrete Vorgabe zur Priorisierung letztlich aussehen wird. Wenn ein Team in Pflegeheime geschickt wird, bedarf dies auch eines gewissen Vorlaufs, wie Grosch erklärt. Denn entsprechend dem Prinzip der Freiwilligkeit gelte es zunächst die Bewohner, gegebenenfalls Angehörige oder Betreuer zu fragen. Beim Einteilen der Impfstoffkapazitäten muss auch daran gedacht werden, genügend Dosen für eine eventuell in einem gesetzten Zeitfenster erforderliche Zweitimpfung zurückzuhalten. Es macht daher keinen Sinn, wenn Bürger sich jetzt schon für die Impfung vormerken lassen wollen. Einige solcher Anfragen seien bereits bei der Hotline des Landkreises eingegangen, berichtet Andreas Grosch. Doch er kann hier nur um Geduld bitten. "Wir gehen das besonnen an." Es seien noch einige Fragen offen. Er gehe davon aus, dass erste Impfungen erst nach Weihnachten stattfinden werden. Dann wolle man das Pensum, abhängig von den verfügbaren Dosen, kontinuierlich steigern. Eventuell sogar auf sieben Tage die Woche. Über die weiteren Modalitäten werde die Bevölkerung noch informiert, heißt es auch auf der Homepage des Landratsamtes. Für allgemeine Fragen wird auf die Veröffentlichungen des bayerischen Gesundheitsministeriums verwiesen (https://www.stmgp.bayern.de/coronavirus/haeufig-gestellte-fragen/).

Dr. Murmann als Koordinator

Die Ärzte des Gesundheitsamtes werden übrigens nicht mit dem Impfen befasst sein, sondern weiterhin mit den Corona-Tests und der Nachverfolgung der Infektionsketten zu tun haben. Als ärztlicher Koordinator in dem neuen Zentrum wird Dr. Jürgen Murmann fungieren, der bereits während des Katastrophenfalls im Frühjahr als Versorgungsarzt eingesetzt war. Weitere Ärzte werden von der KVB (Kassenärztliche Vereinigung Bayerns) eingeteilt.

Spezialkühlschrank wird dieser Tage geliefert

Die Kosten für das Impfzentrum werden aus dem Staatshaushalt bestritten. Was die Einrichtung betrifft, wird der Landkreis Lichtenfels wohl keine große Rechnung weitergeben: Es wird Mobiliar wie Schreibtische, Liegen und eine Theke aus dem alten Klinikum verwendet. Eine ganz wichtiger Ausstattungsgegenstand wird dieser Tage geliefert: ein 406-Liter-Ultratiefkühlschrank, der die nötige Aufbewahrungstemperatur von um Minus 70 Grad für die Covid-19-Impfstoffe gewährleistet.