Bei schönem Wetter am See zu sitzen, die Angel auszuwerfen und die Stille zu genießen, ist für Michael Grimm wundervoll. Der 37-Jährige, der als Verkaufsmetzger in einem Scheßlitzer Supermarkt arbeitet, liebt den Angelsport unter anderem wegen dieser Momente der Ruhe.

Der elf Hektar große Angel- und Badesee, das Vereinsgewässer des Angelsportvereins Ebensfeld, ist ideal zum Entspannen, findet er. "Ich bin ein Schönwetter-Angler", bekennt er. Ihm sei nicht so wichtig, etwas zu fangen. Wenn er allein am See sitzt, komme er zur Ruhe, könne durchatmen - "man wird entschleunigt." Was er dabei genießt, formuliert er so: "Wenn du so am See sitzt, hörst du den Wind in den Bäumen säuseln, die Vögel zwitschern, das Wasser plätschern - da kommst du raus aus dem Alltag, raus aus dem Stress."

Die magische Zeit am Morgen

Zu diesem Hobby kam Michael Grimm, weil ihn sein Vater, der Angler war, bereits als kleinen Junge mitgenommen hat. "Am schönsten ist es im Sommer um 4 Uhr am See, das ist eine magische Zeit, wenn alles voller Tau ist und die Sonne noch hinterm Horizont steckt. Der Sonnenaufgang ist ein Schauspiel", schwärmt er. "Allein zu angeln, schließt Geselligkeit nicht aus", fährt er fort. Im Angelsportverein Ebensfeld mit rund 150 Mitgliedern ist immer etwas geboten, gerade auch für Kinder und Jugendliche, die Michael Grimm als Erster Jugendleiter betreut.

Die Geräuschkulisse ändert sich

Michael Hagel aus Dittersbrunn ist mit Leib und Seele Jäger. "Die Ruhe am Ansitz ist einer der Hauptgründe, warum ich zur Jagd gehe", sagt er. "Das Erlegen von Wild ist rein prozentual gesehen ein winziger Zeitanteil. Die meiste Zeit verbringt man mit dem Beobachten von Wild, oder besser gesagt der Natur. Die schönste Zeit ist jeweils der Sonnenuntergang beziehungsweise der Sonnenaufgang, weil sich da die Geräuschkulisse komplett ändert", sagt er. Abends werde es plötzlich ruhig - und noch viel besser sei es am Morgen: "Nachdem man im Dunkeln in aller Stille noch auf den Hochsitz ging, erwacht bei Dämmerung die Natur. Vögel beginnen zu singen, Insekten werden aktiv und dann kommt der Sonnenaufgang, wunderbar! Dann ist es für mich wichtig, auch mal allein zu sein. Ohne Arbeit und ohne Familie. Einfach hinsetzen und die Gedanken schweifen lassen. Dabei versuche ich, vom Alltagsstress ein bisschen runterzukommen. Ich denke darüber nach, was noch zu tun ist und mache mir Gedanken zu privaten und beruflichen Themen."

Werner Freitag aus Stadel ist begeisterter Leichtathlet: "Als Läufer bin ich viel im Banzer Wald unterwegs und schätze das Rauschen der Blätter und den Rhythmus der Natur", sagt er. Im Frühling liebt er das frische Grün und das Zwitschern der Vögel, im Sommer den Schatten und die Kühle beim Laufen. Im Herbst das Rascheln des Laubes unter den Füßen. "Wenn ich dann im Winter früh in der Dunkelheit im Schnee die ersten Spuren trete, hat das für mich etwas Magisches. Da ist es wirklich still und dabei fühle ich mich ganz geborgen."

Lieblingswege im Banzer Wald

"Als Christ", ergänzt Werner Freitag, "sehe ich mich dem Heiligen Franziskus verbunden und nehme den Wald als Besinnungsort wahr. Hier kann ich beten, meine Gedanken sortieren, Aufwühlendes loslassen - und ich werde gelassener. Einsame Wege wie den Karlspfad oder rauf zur Steglitz empfinde ich als besonders wohltuend. Das Laufen im Takt der Natur gibt mir wieder Kraft für den Alltag."