Eine rote Diesellok mit zwei gelben und ein paar roten Wagen tuckert über die Gleise. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch für die Region um Bad Staffelstein ist das etwas Besonderes. Denn der Zug wurde auf der Neubaustrecke zwischen Wiesen und dem Eierberg-Tunnel gesehen.

Das kann doch eigentlich gar nicht sein - oder doch? "Das war der erste Messzug von Erfurt nach Wiesen", sagt Frank Kniestedt, Pressesprecher des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8, kurz VDE 8. Er misst die Funkausleuchtung der Masten. Denn für die neue Technik, die auf dieser Strecke eingesetzt wird, sei das extrem wichtig. "Auf der gesamten Strecke verzichten wir auf Signalanlagen. Das heißt: Hier wird man keine roten, gelben oder grünen Ampeln sehen", sagt Kniestedt. Im Dezember ging die gleiche Technik zwischen Halle und Leipzig in Betrieb - das erste Mal in ganz Deutschland. Und das funktioniere laut Kniestedt gut. Künftig sei das auch der europäische Standard. Denn die Signale kommen direkt per Funk zum Zugführer. Dafür entstehen entlang der Strecken viele neue Funkmasten.

Der Messzug misst, inwiefern beispielsweise Handy-Masten den Kanal für die Zugsteuerung beeinflussen könnten. "Mich hat gestern aber auch schon jemand aus der Gegend angerufen und gefragt, ob auf der Strecke wirklich schon wieder Züge fahren. Da musste ich ihn leider enttäuschen", sagt Kniestedt und lacht. So schnell gehe es dann doch nicht. Im September sollen jedoch schon die ersten Züge auf der Strecke fahren - zwar nur auf zwei Gleisen, dennoch ist das ein strenger Zeitplan, wenn man sich die ganze Strecke betrachtet. Im Bereich rund um Wiesen werden momentan die Schallschutzwände gesetzt. "Für die blauen Bogenbrücken hat ein Gestaltungsbüro extra transparente Schallschutzwände angedacht",sagt Kniestedt.


Größte Bahnbaustelle Bayerns

Von Ebensfeld bis Breitengüßbach ist es eine einzige riesige Baustelle, fährt er fort. 400 bis 500 Leute arbeiten auf insgesamt rund 22 Kilometern Strecke. "Das ist die größte Bahnbaustelle Bayerns, wenn nicht sogar Deutschlands." Auf der gesamten Strecke werden alle Haltepunkte neu gebaut, immer im gleichen Schema: In der Mitte ist der Bahnsteig und links und rechts daneben die Gleise. "Dafür müssen dann natürlich Unterführungen, Rampen und Aufzüge gebaut werden, damit die Leute auf den Bahnsteig kommen", erläutert Kniestedt.
In Ebensfeld entstehe ein besonders moderner Bahnhof. Die neuen Gleise liegen bereits. Momentan werde eine Rampe gebaut. Auch die neue Straßenunterführung "Ziegelstraße" sei bereits fertig. "In Ebensfeld sind wir schon relativ weit fortgeschritten", erklärt der Pressesprecher.

Auch in Unterleiterbach sind die Baufortschritte gut zu erkennen: Der geplante Überholbahnhof ist laut Kniestedt fast fertig. "Wenn man von der Brücke runterschaut, sieht man schon die sechs Gleise. Die brauchen wir, damit langsam fahrende Züge anhalten können, um schnelle Züge vorbeifahren zu lassen."

Zwischen Zapfendorf und Breitengüßbach befindet sich der Knackpunkt der Baustelle, wie der Pressesprecher den Abschnitt nennt. Alle Autofahrer werden jetzt wahrscheinlich schon wissen, worum es geht. Seit Anfang Februar ist jede Richtung zwischen Zapfendorf und Breitengüßbach nur noch einspurig befahrbar.


Neue Autobahnbrücke entsteht

Doch laut Deutscher Bahn sollte der Verkehr auf der A73 erst ab März beeinträchtigt werden. Was wird also jetzt schon dort gemacht? Derzeit werde der Überfahrbereich asphaltiert, da die Autos ab März auf eine gemeinsame Fahrbahn geleitet werden, erklärt Kniestedt. Grund dafür, sei der Bau einer neuen Autobahnbrücke, die künftig über vier statt zwei Gleise führen müsse. "Eigentlich ist die Brücke nur zwölf Meter lang. Doch dadurch, dass sich die Gleise und die Autobahn so schräg kreuzen, müssen ganze 300 Meter neu gebaut werden."

Neben der Autobahnbrücke entsteht zusätzlich eine neue Eisenbahnbrücke, wodurch die Gleise neu sortiert werden: Die zwei "schnellen Gleise" kommen nach außen und die Schienen für die Regionalzüge nach innen. Die alte Trasse zwischen Zapfendorf und Breitengüßbach sei soweit abgetragen; nun werde die neue nach und nach wieder aufgebaut.

Die Verlegung des Mains bei Ebing habe bis jetzt noch nicht begonnen. "Momentan beobachten wir die Hochwasserlage und die Prognosen", sagt Kniestedt. Denn damit werde erst angefangen, wenn die Prognosen stimmen und das Risiko für Hochwasser so niedrig wie möglich ist.

Trotzdem hat der ICE-Ausbau in Ebing bereits Spuren hinterlassen. Der alte Bahnhof wurde abgerissen. "Das ging leider nicht anders, da irgendwo die zwei neuen Gleise hin müssen", sagt Kniestedt. Doch in einer speziellen Art und Weise gibt es den historischen Bahnhof doch noch. Nämlich als Modellbausatz für den heimischen Schrank.