Zu Dutzenden stehen sie da, die kleinen Engel mit ihren weißen Gewändern, goldumrandeten Mützchen und Capes. Erst beim genauen Hinschauen sieht man, dass jedes einzelne Kleidungsstück aus feinstem Garn gehäkelt ist; die Maschen so gleichmäßig, wie es wohl nur wenige Menschen fertigbringen. Für Ingrid Scheller ist das Nebenbeschäftigung beim Fernsehen. "Ich könnte mich abends nicht ohne was in der Hand hinsetzen. Da kribbelt es schon", sagt sie und lacht. Volle Konzentration ist allerdings beim Entwickeln und Umsetzen neuer Ideen angesagt. Los geht das schon im Februar, wenn bei den meisten das Weihnachtliche gerade wieder aus den Wohnungen verschwunden ist. Dann besprechen Ingrid Scheller und ihr Lebensgefährte Edmund Popp, was man Neues machen könnte. Basteln ist ihr gemeinsames Hobby, und das schon seit 20 Jahren. Er hatte bereits während seiner beruflichen Tätigkeit als OP-Pfleger in der Arbeit mit Holz einen schönen Ausgleich gefunden. Im Ruhestand konnte der heute 67-Jährige sein Tun weiter vertiefen. Er lässt Tannenbäume entstehen, ja einen ganzen Wald, Tiere, Schneemänner. Seiner Partnerin haben es diverse Handarbeiten angetan. Schon immer habe sie das mit großer Freude gemacht, erzählt sie. Gemeinsam bereichern sie mit ihren dekorativen, handgemachten Holzobjekten, Engeln, Wichteln, Winter- und Krippenfiguren seit etwa zehn Jahren den Lichtenfelser Weihnachtsmarkt. Wie eine Familie seien sie untereinander mit den anderen Standbetreibern, schildern die beiden. Man bekommt den Eindruck, dass das Geschäft mit schönen Dingen positive Stimmung sowohl bei Verkäufern als auch Käufern hinterlässt. Für Ingrid Scheller sind die Wochen auf dem Weihnachtsmarkt auch deshalb etwas Besonderes, weil die gelernte Verkäuferin ihren Traum vom eigenen Geschäft mit Wolle, Stoffen und Zubehör nicht verwirklichen konnte. "Einmal im Jahr hab' ich meine Hütte!", sagt sie und strahlt.

Mit Besucherströmen wie in größeren Städten ist in Lichtenfels nicht zu rechnen, eher mit nachmittäglicher Flaute. Dafür kommen Leute, die handwerkliche Arbeiten zu schätzen wissen und den Markt mit seinem Märchenwald und der Eisenbahn als "klein, aber fein" bezeichnen. Mit den von der Stadt mit Heizgerät ausgestatteten Buden sind Ingrid Scheller und Edmund Popp hochzufrieden.

Sie präsentieren darin, was bei ihnen daheim in Schönbrunn das ganze Jahr über entsteht. Ihren zeitlichen Einsatz rechnen sie nicht. Warum auch? Wenn der Rücken zu sehr schmerzt, bleibt das Licht in der Werkstatt im Keller aus. Wenn die Hand wehtut, wird die Häkelnadel beiseitegelegt. Niemand treibt sie an, außer das eigene Wollen und die Freude am Tun.

Über den Markt

Die Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes: Freitag, 29. November, ab 17 Uhr (Eröffnung), bis 23. Dezember; Montag bis Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 19 Uhr;

19 Buden mit überwiegend handwerklicher Ware, außerdem Glühwein und Kinderpunsch sowie Leckereien von Crêpes über Baumstriezeln bis Gulaschsuppe.