Vor dem Hintereingang der Ebensfelder Sparkassenfiliale flattert das rot-weiße Absperrband der Polizei im Wind. An der Eingangstür hängt ein Zettel: "Wir öffnen heute erst um 14 Uhr. Wir bitten um Ihr Verständnis. Ihre Sparkasse Ebensfeld". Dabei hätte wohl jeder verstanden, wenn nach dem Schock vom Vorabend die Bank geschlossen geblieben wäre. Eine Frau kommt vorbei. Sie wisse schon, was passiert ist. Schließlich habe sie die Täter noch davonrennen sehen, als sie auf dem Weg zum Zeitungsladen war. Dunkel bekleidet seien sie gewesen. Und sie seien in Richtung Hadergasse gerannt. Mehr habe sie nicht gesehen. Es sei alles sehr schnell gegangen.

Drei Personen gefesselt

Was am Donnerstagabend geschah, ist wohl der Albtraum jedes Bankangestellten: Gegen 17.45 Uhr betreten zwei Männer mit Handfeuerwaffen die Geschäftsstelle in Ebensfeld durch den hinteren Kundeneingang. Im Raum befinden sich zu dieser Zeit der Geschäftstellenleiter, eine Angestellte und zwei Kunden. Mit vorgehaltener Waffe fordern die Täter Bargeld. Der Zweigstellenleiter und die beiden Kunden werden gefesselt. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Die Täter stürmen durch den hinteren Kundeneingang aus der Bank und flüchten zunächst zu Fuß über die Hauptstraße in Richtung Hadergasse. Die Polizei geht davon aus, dass dort in der Nähe ihr Fluchtwagen geparkt gewesen sein könnte. Mit einer silbernen Mercedes-Limousine der C-Klasse neueren Baujahres flüchteten die Täter dann in Richtung Bamberg.

Kameraaufzeichnungen liegen vor

Beate Weiß, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth, teilt am gestrigen Nachmittag mit, dass Aufzeichnungen der Überwachungskamera vorhanden seien. Die Bankangestellte habe geistesgegenwärtig reagiert und den Knopf für die Kamera betätigt. Die Aufnahmen würden zur Zeit ausgewertet. Von den Bildern versprechen sich die Ermittler einen wichtigen Beitrag zur Klärung der Identität der Unbekannten. Wenn es sich um verwertbares Material handle, werde man damit an die Öffentlichkeit gehen.

Wie die Auswertung von Zeugenaussagen durch die Polizei bisher ergab, trugen die beiden flüchtenden Männer dunkle Winterbekleidung, waren etwa 1,80 Meter groß und schlank. Die Zeugen schätzen ihr Alter auf 25 bis 35 Jahre. Die Täter trugen dunkle Baseballmützen und waren mit Sturmhauben mit Sehschlitz vermummt.
"Wir gehen im Moment davon aus, dass beide Schusswaffen echt waren", teilt Weiß mit. Zum Kennzeichen des Mercedes könne noch keine definitive Aussage getroffen werden. Es sei jedoch möglich, dass das Auto ein Lichtenfelser oder Coburger Nummernschild trug. "Es könnte sein, dass der Mercedes bereits in den Tagen vorher in Ebensfeld aufgetaucht ist, als die Täter die Örtlichkeit auskundschafteten", so Weiß. Dabei könnte das Auto auf dem Parkplatz hinter der Filiale gesehen worden sein, da die Täter später den hinteren Eingang der Bank benutzten. "Wir sind über jeden noch so kleinen Hinweis froh, den uns Anwohner oder Passanten geben können", betont Weiß, mahnt aber auch zur Vorsicht.

Beute unter 10 000 Euro

Da es sich um bewaffnete Täter handelt, sei es geboten, sofort die Polizei zu rufen, falls der Verdacht besteht, es könne sich um die Gesuchten handeln. Hinweise zu den beiden Gesuchten und dem silbernen Mercedes nimmt die Kripo Coburg, Telefon: 09561/6450, oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Die Beute beläuft sich nach Angaben der Polizei auf mehrere tausend Euro. Roland Vogel vom Vorstand der Sparkasse spricht von einem Betrag unter 10.000 Euro.

Der Schock, den ein bewaffneter Überfall hinterlässt, sei natürlich groß. Hierfür werde den Mitarbeitern und den Kunden, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls in der Bank befanden, ein Gespräch mit einem speziell geschulten Psychologen angeboten. "Es war eine angespannte Situation, weil die Täter bewaffnet waren. Die Männer müssen sehr aufgeregt gewesen sein", berichtet Vogel, der mit den betroffenen Sparkassenkollegen vor Ort gesprochen hat. Es sei jedoch der ausdrückliche Wunsch der Mitarbeiter gewesen, gleich am Tag danach die Filiale wieder aufzumachen.