Das neue Jahr ist knapp drei Wochen alt. Da richtet die Hamburger Kabarettistin Helga Siebert noch einmal den Blick zurück auf die großen und kleinen, die wichtigen und weniger wichtigen Ereignisse des vergangenen Jahres. Helga Siebert bietet regelmäßig einen Jahresrückblick an. Mittlerweile ist es bereits ihr 19. In schöner Regelmäßigkeit ist sie damit auch im Stadtschloss in Lichtenfels zu Gast.


Espresso-Urne

Zugegeben 2016 war kein einfaches Jahr, es ist viel passiert. Wem wundert's, dass die Wahlfränkin wieder so einiges zusammen getragen hat, was Wert war noch einmal betrachtet zu werden. Auch die ganz große Politik blieb diesmal nicht außen vor. Meist sind es jedoch die kleinen Geschichten, die Helga Siebert aufspürt und noch einmal in Erinnerung bringt. Wie die Geschichte des 93-jährigen Renato Bialetti, den Chef des gleichnamigen italienischen Unternehmens, dessen Asche in einer Espresso-Kanne ruht. Sein Vater Alfonso hatte die "La Moka", so der italienische Name der Kanne, im Jahr 1933 erfunden. Seinen Platz fand die Espresso-Urne in Familiengrab.


20 000 Euro hinter der Würstchendose

Ins Kreuzfeuer kabarettistischer Überlegungen geraten mit schöner Regelmäßigkeit auch die Superreichen dieser Erde, die Banken und wer es sonst noch 2016 in die Fänge der Fahnder geraten war. Wie der Verwaltungsleiter des ehemaligen Regensburger Bischof Kardinal Müller, bei dem im vergangenen Jahr Bargeld in Höhe von 20 000 Euro hinter einer alten Würstchendose entdeckt wurde. Die AfD-Chefin Frauke Petry muss sich fragen lassen, was den in ihren Oberstübchen passiert sein könnte, dass sie ihren Mann und ihre vier Kinder verlassen habe. Helga Siebert hat sich auch über die Äußerung von Günther Oettinger, der sich angeblich erschießen würde, wenn Petry seine Frau wäre, so ihre Gedanken gemacht. "Frau Petry hätte die schwäbische Maultasche ohnehin nicht geheiratet." Damit war aber schon genug mit der weiblichen Solidarität. Das Thema beendet Siebert mit der Frage, was passiert wenn vom Seelenheil nur das "Heil" übrigbleibt?
Neben Petry bekommen auch die Männer in der Politik ihr Fett weg. Dem ungarischen Zaunkönig Orban (Anspielung auf die Schließung der Grenzen für Flüchtlinge) hat Siebert ein Lied gewidmet. Auch Seehofers Kampf gegen die Schwesterpartei und Angela ist Siebert gereimtes wert. Und dann gibt es in den USA einen neuen wortgewandten Mann der Gattung "Hysterious tyrannus rex", der jetzt das Land regiert.

Helga Siebert ist bekannt für ihre unaufdringliche und feine Art im Verseschmieden. Oft mischt sich Gesellschaftssatire mit Alltagskomik. Was muss sich wohl unsere Bundeskanzlerin gedacht haben, als der Papst Europa mit einer nicht mehr ganz frischen Großmutter verglichen hat.

Kurioses gibt es auch aus der heimischen Genussregion zu berichten. So hat Helga Siebert ausgerechnet in Oberfranken eine aus Schleswig-Holstein stammende Weihnachtsgans gegessen. Ob allerdings der Hinweis "freilaufende Bauern" die Garantie für eine Öko-Gans ist, bleibt dahingestellt. In Sieberts Programm dominieren die leisen Töne. Das Publikum hört aufmerksam zu, vieles ist noch in Erinnerung geblieben, anderes verblüfft. Beispielsweise, dass die Bundestagsbienen im vergangenen Jahr 50 Kilogramm Honig produzierten. Auch VW stellte einen Rekord auf, den man nicht erwartet hätte. Der Autobauer hat mit 7,2 Millionen mehr Currywürste verkauft, als Fahrzeuge.