Eigentlich hatten die Zwölftklässler des Meranier-Gymnasiums gestern frei. Einige - so beobachtete Schulleiter Stefan Völker - waren trotzdem gekommen. Sie trafen sich in Kleingruppen freiwillig mit ihren Lehrern. Um sich den letzten Schliff zu holen für die "Wochen der Wahrheit", die heute an allen bayerischen Gymnasien mit den Abiturprüfungen in Mathematik beginnen.

108 Schülerinnen und Schüler in Lichtenfels und 51 am Gymnasium Burgkunstadt treten an. Ihr Ziel: am 24. Juni das Zeugnis der "Allgemeinen Hochschulreife" in den Händen halten. Ihr Zeitplan: Zwischen dem heutigen Start und der ebenfalls an allen bayerischen Gymnasien am gleichen Datum veranstalteten Entlassungsfeier stehen noch vier weitere Tests an. Schriftlich in Deutsch am Dienstag, 3. Mai, sowie in einem wählbaren dritten Fach am Freitag, 6. Mai. Und mündlich in zwei weiteren Fächern nach den Pfingstferien.


Alle Noten der Oberstufe zählen

"Das Abitur fordert die Schüler, auch wenn es nicht mehr die Bedeutung wie vor 30 Jahren hat", sagt Stefan Völker. Alle Noten, die die angehenden Abiturienten in der elften und zwölften Klasse erhalten haben, fließen in den Gesamtschnitt mit ein. "Die Abiprüfungen runden das Leistungsbild dann ab", sagt der Schulleiter. Der aktuelle Abijahrgang des Meranier-Gymnasiums ist zehn Schüler größer als 2015.

Eine Besonderheit in Lichtenfels: Das Gymnasium ist eines von wenigen in Bayern, an dem seit einigen Jahren Schüler ihre Matheprüfung freiwillig mit einem sogenannten CAS-Taschenrechner schreiben können. In diesem Jahr sind es 25, die die Variante mit dem Computer-Algebra-System nutzen und dafür andere Aufgabensätze erhalten als der Rest.

Außerdem wird es in der Korbstadt auch 2016 wieder Abiturienten geben, die bis zur zehnten Klasse noch an der Realschule waren. 18 Schüler des Jahrgangs sind erst nach der mittleren Reife ans Meranier-Gymnasium gekommen, haben dort ein Übergangsjahr bestritten und schreiben jetzt das gleiche Abitur wie ihre Kollegen.


Kleiner Jahrgang in Burgkunstadt

51 junge Leute, und damit deutlich weniger als die fast 100 des Vorjahres, starten am Gymnasium Burgkunstadt in die Prüfungsphase. "Diesmal sind nach der zehnten Klasse viele an die Fachober- oder Berufsoberschule gewechselt", sagt Christine Betz, Mitarbeiterin in der Schulleitung. Die Anspannung, die in den vergangenen Tagen an der Kirchleiner Straße unter den beteiligten Schülern und Lehrern zu spüren war, habe das Schulleben trotz des kleineren Jahrgangs beherrscht. Die zentrale Frage: Welche Aufgaben und Themenbereiche schickt das bayerische Kultusministerium diesmal an die über 400 Gymnasien in Bayern?

Die ersten, die das Geheimnis lüften, sind die Mathelehrer, die vor den Schülern die Aufgaben am Morgen durchrechnen. Danach heißt es für die Prüflinge, sich vier Stunden lang voll zu konzentrieren. Christine Betz: "Dann zeigt sich, ob sich die freiwilligen Mathekurse in den Osterferien gelohnt haben."

Wer die Prüfungen besteht, wird am 24. Juni für das Lernen belohnt. Dann nämlich werden die frischgebackenen Abiturienten des Landkreises nicht nur ihre letzten Schulzeugnisse in den Händen halten, sondern werden das Ende dieses Lebensabschnitts auch gebührend feiern. In Burgkunstadt findet die Zeremonie wegen der Baumaßnahmen in der Obermainhalle diesmal in der Stadthalle statt. Die inoffizielle Feier der Noch-Schüler schließt sich danach am selben Ort an.


Am 24. Juni wird gefeiert

Und auch in Lichtenfels will man es sich gutgehen lassen. Einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche (15.30 Uhr) folgt um 17 Uhr die offizielle Abschiedsfeier in der Turnhalle der Schule, die bei großem Andrang in die Aula übertragen wird. "Anschließend wird es noch eine private Party der Schüler geben, vermutlich in der Stadthalle", sagt Stefan Völker. Vorher müssen die 159 angehenden Abiturienten des Kreises sie aber erst erfolgreich hinter sich bringen - ihre "Wochen der Wahrheit."