Es wird der erste große Auftritt in der neuen Gemeindescheune, die eigentlich eine alte ist. "Montag kommt der Bayerische Rundfunk, eine Sendung über das Saftpressen vorbereiten", sagt der Horsdorfer Ortssprecher Hans-Karl Hertel.

Dann zieht die grüne Presse um, von der Halle auf seinem Hof hinunter zur Scheune am Ortseingang, die der Stadt gehört. Die Dorfgemeinschaft hat sie umgebaut. Zuvor war sie ein Lagerraum für Dinge, die man Ort ohnehin zum Teil nicht mehr brauchte. Nun hat sie wieder eine Funktion: Hier steht künftig ein Raum für Aktionen wie für das Saftpressen bereit. Männer aus dem Ort haben ihn umgebaut.

"Rund 300 Stunden Arbeit stecken da sicher drin", sagt Othmar Geldner und blättert in dem kleinen Terminplaner, in dem die Arbeitseinsätze festgehalten wurden.
Peter Donath, Wolfgang Schmitt, Johannes Uhmann, Rolf Kraus, Jonas Beifuß, Jochen Dumsky - "da habe ich sicher noch jemanden Wichtiges vergessen". Auch der Bauhof war beteiligt. Strom und Wasser wurden neu verlegt und praktisch ein ganzer Raum in die Scheune eingezogen, mit Fliesen an Wand und Boden. "In professioneller Ausführung", lobt Ender die Arbeit.

Dort, wo man früher in Horsdorf den Saft presste, ist nun ein kleiner Platz. Dass hier noch vor einigen Monaten das Gemeinschaftskühlhaus stand, kann man sich nun kaum noch vorstellen. Nein, das Kühlaggregat sei nicht mehr dringewesen, sagt Stadtbaumeister Andreas Ender. So eine Gemeinschaftskühlanlage könne man sich wie ein großes Gerät vorstellen mit lauter Schließfächern. "Früher hatte ja nicht jeder eine Gefriertruhe." So ist diese Art von Gemeinschaftssinn aus der Mode gekommen, anders als zum Beispiel das Brotbacken oder eben das Saftpressen.

Im Gemeinschaftskühlhaus wurden die Äpfel zuvor gepresst, "da musste man auf einem Steg über die Lauter balancieren", sagt Ender. Nun kann auch das Saftmobil des Landkreises ganz bequem auf einem Platz vor der umgebauten Gemeindescheune halten.

Wenige Meter weiter Richtung Ortsmitte beginnt der Teil der Umbauarbeiten, der einem am meisten ins Auge fällt. Zwischen Wehr und der Brücke zur Fuchsenmühle laufen die Bauarbeiten, etwa auf 200 Metern Länge. Hier wird die Lauter teilweise neu eingefasst, mit Muschelkalksteinen, die trotz rechtzeitiger Bestellung nicht immer termingerecht geliefert würden, wie Ender sagt. "Sonst wären wir schon weiter." Ein kleiner Abschnitt wurde schon Mitte der 90er-Jahre mit diesem Material eingefasst, erinnert sich Hertel, nun schließe man sozusagen eine Lücke.

"Das ist das Uetzinger Modell", erläutert Ender. Den Namen hat er deshalb gewählt, weil bereits in Uetzing bei einer Dorferneuerung das Bachbett der Döberten mit dieser Art von Steinen versehen wurde, auch in Stublang soll bei der laufenden Dorferneuerung die Ufer der Lauter einmal so aussehen.

Mitte November werden die Baumaßnahmen in Horsdorf abgeschlossen sein, die seit Anfang August laufen. 231 000 Euro kosten sie, Bauträger ist die Stadt Bad Staffelstein, 45 Prozent bekommt sie als Zuschuss über das Amt für ländliche Entwicklung zurück. Horsdorf ist neben Stublang die zweite Dorferneuerung, die im Stadtgebiet läuft. Als nächstes ist Wiesen an der Reihe, wo unter anderem das Areal um die Kirche herum neu gestaltet werden soll. Pläne dafür wurden auf einer Bürgerversammlung bereits vorgestellt.

"Wir versuchen, so viel wie möglich im Ort zu erhalten, auch wenn ich manchmal zu hören bekomme: Das kann doch weg", sagt Hans-Karl Hertel. Mit der neuen Nutzung für die Dorfscheune ist das gelungen, aber es sind auch einige Dinge verschwunden, die zeigen, dass das Dorfleben früher etwas anders ablief. Neben der Scheune war eine Viehwage - und innen stand ein Gestell, in die man die Tiere zur Klauenpflege führen konnte.

Die Vorrichtung steht jetzt auf dem Hof von Hertel, der nicht nur der letzte Bauer im Ort ist, sondern auch Vieh hält, aber sie auch nicht mehr braucht. Er hat viele Flächen um Horsdorf herum gepachtet, auch auf dem Staffelberg. "Wer das wohl übernimmt, wenn ich meinen Betrieb nicht mehr weiterführe."