Das regnerische Herbstwetter dieser Tage schreckte die zehn Frauen kein bisschen. Mit Anorak und Gummistiefeln ausgestattet machten sie sich ans Werk. Die Zwölftklässlerinnen der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung - im Alter übrigens zwischen 18 und über 60 - zeigten sich motiviert, ganz ohne pädagogischen Druck. Gemeinsam schufen sie auf der Grünfläche vor dem Schulgebäude in der Kronacher Straße verschiedenartige Objekte aus ungeschälter Weide.

Die Ruten stammen von der schuleigenen Anbaufläche und waren gelagert worden, wie von Fachlehrerin Iris Schneider zu erfahren ist. Beim Aufräumen des Dachbodens habe man beschlossen, sie für ein Projekt im Rahmen des Lernfeldes Baugeflecht zu verwenden, da sie nicht von bester Qualität und somit für feinere Arbeiten weniger geeignet waren.

Unter den Oberbegriff Baugeflecht fallen unter anderem Zäune, Sichtschutzwände, aber auch Uferbefestigungen oder Arbeiten, die Flechtwerkgestalter in Fachwerkhäusern vornehmen. Skulpturen oder Nutzobjekten für den öffentlichen Bereich beziehungsweise für Spielplätze liegen vergleichbare Techniken zugrunde. Im Gestaltungsunterricht bei Elisabeth Dicker wurden verschiedene Entwürfe entwickelt und ausprobiert. Dabei habe man sich von Werken internationaler Flechter inspirieren lassen, so die Auskunft. Darunter Jette Mellgren aus Dänemark, die 2019 mit einer Installation auf dem Lichtenfelser Korbmarkt vertreten war. Nicht zuletzt erinnert das igluförmige Gebilde aus ganzen, in Form gelegten und mit Draht arretierten Weidenruten an das unter Regie von Hans Peter Sturm entwickelte Projekt "Weiden(t)raum". Es war 2005 unter Mitwirkung von Fachschülern vor der Stadtpfarrkirche entstanden. Julia Treubel, damals Auszubildende im dritten Lehrjahr, unterricht heute selbst an der Berufsfachschule - so schließt sich ein Kreis.

Wie lange sollen die Objekte denn nun stehen bleiben? "Bis sie auseinanderfallen", sagt eine der Schülerinnen und lacht. Im Außenbereich, der Witterung ausgesetzt, hält das natürliche Material erfahrungsgemäß vier, fünf Jahre und verrottet dann, wie es auch mit einigen Vorgängerteilen dort geschehen war. Aktuell sind die Flechtwerke vor allem aufgrund ihrer organischen Form auf alle Fälle ein Hingucker. Neugierige Blicke zogen sie bereits im unfertigen Zustand auf sich. Die raumgreifende Gestaltung mit Gucklöchern reizt freilich den ein oder anderen dazu, mal hineinzuspitzen. So robust das Geflecht auch ist, die Haftungsfrage steht auf einem anderen Blatt, wie Fachlehrerin Iris Schneider anmerkt. Zur eigenen Absicherung habe man daher "Betreten verboten"-Schilder anbringen müssen. Für eines des Teile gibt es bereits eine Anfrage des Deutschen Korbmuseums, wie zu erfahren war. Der Transport dürfte zur nächsten Herausforderung für das Team werden.

Das Engagement der Schülerinnen wird sich noch in diesem Monat in einer weiteren Aktion zeigen: Gemeinsam wollen sie die Idee umsetzen, einen Leerstand in der Stadtmitte in schönerem Licht zu zeigen - mittels in Feingeflecht gearbeiteten Lämpchen.