Der Batteriehersteller Moll war das erste Unternehmen, das im Landkreis gleich zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hart getroffen wurde. Die Autoproduktion brach ein, dem Betrieb fehlten die Abnehmer, man musste Insolvenz anmelden.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Kronacher Rechtsanwalt Jürgen Wittmann berufen, der seitdem verantwortlich die Geschäfte führt. Das gelang bisher mit Erfolg. Nur bis zu drei Monate lang wird so genanntes Insolvenzgeld bezahlt, mit dem Verdienstausfälle der Beschäftigten ausgeglichen werden. Doch inzwischen ist es Ende November und Moll ist weiter am Markt. Die Einnahmen sind hoch genug, um den laufenden Betrieb zu ermöglichen. Die Arbeitnehmer werden regelmäßig informiert, wie die aktuelle Lage ist. Wittmann bestätigt, dass man in Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten steht und aufgrund der aktuellen Lage auch nicht unter hohem Druck ist, zu einem Abschluss zu kommen. Es zeichnet sich aber ab, dass es in den nächsten Wochen zu einer Entscheidung kommen könnte.

Gertrud Moll-Möhrstedt als bisherige Geschäftsführerin blieb im Unternehmen, um dazu beizutragen, gut durch diese schwierige Zeit zu kommen und den Betrieb zu erhalten. Nun hat sie Moll verlassen. Wir sprachen mit ihr über die Hintergründe.

Sie sind seit der Einleitung des Insolvenzverfahrens im April weiter in der Unternehmensführung verblieben, obwohl rein rechtlich fortan ein Insolvenzverwalter die Verantwortung trug. Was gab den Ausschlag dafür?

Gertrud Moll-Möhrstedt: Ich bin auf Wunsch des Insolvenzverwalters im Unternehmen geblieben, um das Verfahren mit meinem Sachwissen zu unterstützen. Diese Funktion habe ich gerne erfüllt.

Auch nach Beendigung des Insolvenzverfahrens konnte man weiter produzieren. Das heißt, man erwirtschaftet die Löhne und weitere Unternehmenskosten aus eigener Kraft. Haben sie damit gerechnet, dass sich die Autoindustrie so schnell erholt und die Nachfrage wieder anzieht?

Das Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern kann.

Was konnte man seit dem April im Unternehmen noch voran bringen?

Moll ist seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens voll lieferfähig und Moll-Produkte sind weiter sehr gefragt.

Das ist ein wichtiger Erfolg aller Beteiligter.

War Ihr Ausscheiden das Ergebnis einer längeren Überlegung?

Mein Ausscheiden ist eher der Abschluss eines längeren Prozesses, indem ich mein Sachwissen an das Unternehmen weiter gegeben habe.

Was sprach dafür, es zu diesem Zeitpunkt zu tun?

Es gibt mehrere Investoren, die Interesse haben, in die Zukunft von Moll zu investieren. Wie ich eben sagte, ging es vor allem darum, mit meinem Sachwissen unterstützen. Diese Aufgabe ist erfüllt.

Nach einer langen Zeit in verantwortlicher Position gibt es nun neue Perspektiven. Was holt man nach?

Ich habe den größten Teil meines Lebens für und mit Moll verbracht. Sicher wird mit der Zeit noch einmal etwas Neues beginnen. Aber für Pläne ist es viel zu früh. Außerdem denke ich noch viel zu sehr an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um mir um meine eigene Zukunft große Gedanken zu machen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland? Ist der Wandel hin zu mehr Elektromobilität richtig oder kommen Alternativen zu kurz?

Vielleicht ist der heutige Tag nicht der allerbeste Moment, um anderen Ratschlägen zu geben. Ich bin angesichts der zahllosen Talente und der gewaltigen Innovationskraft in der deutschen Automobilwirtschaft ganz sicher, dass sie den richtigen Weg finden wird.

Die Fragen stellte Tobias Kindermann.