Mitbestimmen dürfen, wie und wohin sich die Heimatstadt nebst Ortsteilen entwickelt: Das wollten am Dienstagabend rund 70 Bürger im Foyer der Adam-Riese-Halle. Ganz genau kannten sie die Stärken und Schwächen ihres Lebensmittelpunkts - und diese brachten sie, sehr zur Freude von Bürgermeister Jürgen Kohmann und dem Team der Städteplaner, auch eifrig zu Papier.

Isek-Workshop: Kohmann machte keinen Hehl daraus, dass er diesen für etliche nichtssagenden Begriff, der auf den Einladungen zu lesen war, selbst nicht viel abgewonnen kann. Er und Städteplaner Claus Sperr führten aber aus, wie wichtig und gewichtig die Bürgermeinung für die Fortentwicklung der Stadt und der Stadtteile sei. Natürlich könne nicht alles, was wünschenswert sei, "gleich übermorgen" umgesetzt werden. Die Impulse aus der Bevölkerung aber würden ernst genommen.

Grüne und rote Kärtchen

Es war die erste von drei "Planungswerkstätten" im Rahmen des städtebaulichen Entwicklungskonzepts - eben diesem ISEK. Die Teilnehmer waren aufgefordert, auf grünen Kärtchen die Stärken des Staffelsteiner Lands zu dokumentieren und auf roten Kartons zu vermerken, was es zu verbessern gilt. Dass dabei weit mehr rote Zettel an die Stellwände gepinnt wurden als grüne, verwunderte die Stadtplaner nicht. "Generell nennt man bei solchen Veranstaltungen überwiegend das Negative", sagte Stadtentwickler Matthias Fleischauer. Während einige Staffelsteiner noch eifrig am Notieren waren, kiebitzen andere bereits und diskutierten die Vorschläge.

Nach rund 45 Minuten Gedankensammeln folgte dann die Vorstellung selbiger und eine Analyse der Schwerpunkte. Bei der Schlussrunde hatten abermals die Bürger das Wort. "Mir fehlen konkrete Angebote für junge Leute, was den Fremdenverkehr angeht", äußerte sich Jürgen Paul. Man dürfte nicht nur auf Wanderer setzen, sondern auch auf Aktivurlauber - und sollte man die ein oder andere Mountainbike-Strecke ausweisen. Ferner fehle es an Bolzplätzen für Nachwuchskicker in der Kernstadt, ebenso seien viele Spielplätze schlichtweg unattraktiv. Und die Stadt biete kaum schattenspendende Grünbereiche zum Spazierengehen. Paul: "Flächen gäbe es ja, man muss sie nur anderweitig attraktiv gestalten."

Flächenverbrauch "galoppiert"

"Die Bahnhofstraße als Flaniermeile: Ich glaube nicht, dass das funktioniert", brachte Tobias Assmann an. "Dafür fehlt schlichtweg das touristische Material." Also die Menge an Leuten. Diese Maßnahme aber, so Planer Sperr und Bürgermeister Kohmann, sei bereits beschlossen, alleine die Details fehlten noch. Anton Reinhardt hielt einen flammenden Appell gegen den "galoppierenden" Flächenverbrauch im Landkreis Lichtenfels im Allgemeinen und im Stadtgebiet im Speziellen. "Ich werbe für mehr Ehrfurcht vor dem, was wir haben, und für das wir bei jeder Fremdenverkehrsmesse werben."

Die Stärken aus Sicht der Workshop-Teilnehmer:

*Ein guter Branchen-Mix im Einzelhandel, viele Supermärkte, gute medizinische Versorgung

* Die historische Altstadt als touristisches Pfund

* Gelungene, weil naturnahe Hochwasserfreilegung im Innenstadtbereich

* Die Obermain-Therme und das Aqua Riese

* Herrliche, weil unverbaute Natur

* Der Hain

* Tolle Naherholungsmöglichkeiten in der Umgebung

* Gute Zuganbindung an andere Städte

* Gute Busverbindung vom Lautergrund aus in den Landkreis

* Flurwege zum Radfahren abseits der Hauptstraße bestens geeignet

* Ausreichende und vielfältige kulturelle Angebote

* Die Gestaltung des öffentlichen Raums

* Die geplante Umgehung Nord-Ost-Spange

* Attraktive Wandermöglichkeiten und vielfältige Freizeitangebote

* Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis in den Gaststätten

* Gutes gastronomisches Angebot in den Dörfern

* Kurzentrum auch für Einheimische sehr attraktiv

* Gutes Vereinsangebot für Kinder

* Freundliche Menschen, ehrenamtliches Engagement und ein gutes Miteinander

Die Schwächen aus Sicht der Workshop-Teilnehmer:

* Keine Betätigungsmöglichkeiten für Kinder im Kurpark

* Zu viel (Durchgangs-)Verkehr in der Stadtmitte

* Öffentlicher Personen-Nahverkehr noch ungenügend ausgebaut

* Zu wenig Parkplätze für Mitarbeiter im unteren Bereich der Bahnhofstraße

* Störende Leerstände und fehlende Baukultur in der Innenstadt

* (Touristisches) Potenzial von Stadtmauer und Stadtgraben noch nicht genutzt

* Zu wenig Sitzmöglichkeiten entlang der Seen

* Zu kleine/zu wenige Wegweiser in der Innenstadt

* Fehlende fränkische Gastronomie in der Altstadt

* Fehlende Anreize/Initiativen für Jungunternehmer

* Oft keine barrierefreien Zugänge zu Geschäften, Gastronomiebetrieben und Grünflächen

* Keine Treffmöglichkeiten für Jugendliche; Skatepark am Ortsrand

* Fehlende Treffmöglichkeiten beispielsweise für Skatrunden und andere Gruppen

* Mangel an bezahlbarem Wohnraum/Wohnungen für junge Familien

* Keine Radwege in der Innenstadt

* Keine Freizeitangebote für Aktivurlauber