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LKR Lichtenfels
Corona-Pandemie

Fränkische Unternehmer: Mit Teamwork zur Mehrwegmaske

Wie firmenübergreifendes Miteinander zu einer neuen Geschäftsgründung führte, zeigt ein Beispiel aus der Region.
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Luisa und Leo aus dem Landkreis Lichtenfels haben die wiederverwendbare Kunststoff-Atemmaske ausprobiert. Fotos: Ralf Fischbach
Luisa und Leo aus dem Landkreis Lichtenfels haben die wiederverwendbare Kunststoff-Atemmaske ausprobiert. Fotos: Ralf Fischbach

Die Automobilindustrie hat die Krise voll erwischt. Schon vor Corona. Als manipulierte Abgaswerte, Klimawandel und mögliche neue Antriebsformen heiß diskutiert wurden, zeigten sich die Verbraucher verunsichert. Die Zulieferer bekamen das zu spüren - auch Innocept Engineering, ein Unternehmen, das kunststofftechnische Bauteile entwickelt und auf eine Geschäftsgründung in Redwitz zurückgeht. Heute hat es seinen Sitz in Kronach-Neuses. Dass man einmal an der Produktion von Atemmasken beteiligt sein würde, das hätte dort bis Februar wohl niemand gedacht. Nun hat sich aus einer innovativen Idee in Windeseile sogar eine eigene GmbH entwickelt.

Geschäftsführerin Birgit Partheymüller, die im Landkreis Lichtenfels daheim ist, erinnert sich noch gut an ein Treffen mit befreundeten Geschäftspartnern Anfang März.

Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, wie dramatisch sich das Coronavirus in der Welt ausbreiten würde und mit welchen Folgen. Doch die drei Unternehmen sprachen über mögliche Szenarien und schlussfolgerten, dass es bei einer Zunahme der Infektionsraten zu einem weltweiten Mangel an Schutzausrüstung kommen könnte. So entstand die Idee, eine Atemmaske aus Kunststoff zu entwickeln, die kein Wegwerfprodukt sein sollte, sondern nachhaltig und mit hohem Tragekomfort. Doch allein Konstruktion und Bau eines Spritzgusswerkzeugs, das für die Herstellung von Kunststoffteilen notwendig ist, kostet viel Geld. Die Unternehmer, einer davon Inhaber einer Spritzgussfirma, wollten die Sache dennoch gemeinsam anpacken.

Einen "Plan B" gab es: Wenn es mit Corona doch nicht so schlimm kommen würde, dann wäre die angedachte Mund-Nasen-Abdeckung immer noch als Staubschutzmaske im Baubereich zu vermarkten... Was normalerweise an die zwei Jahre Vorlauf in Anspruch nimmt, wurde mit vereinten Kräften in nur sechs Wochen geschafft. Es zeigt: Not macht nicht nur erfinderisch, sondern Teamgeist kann Dinge möglich machen, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. In Rekordzeit wurde ein Prototyp im 3D-Druckverfahren hergestellt und der Fertigungsprozess geplant. "Wir haben in dieser Zeit unheimlich viel Unterstützung aus unseren privaten und geschäftlichen Netzwerken erhalten", berichtet Birgit Partheymüller.

"Unterstützung bekamen wir dabei insbesondere vom Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologie FADZ, vom Kunststoff-Netzwerk-Franken und vom Automobilnetzwerk OfraCar." Inzwischen läuft nicht nur die Serienproduktion, sondern es wurde auch eine eigene GmbH ("Providee") gegründet, deren Geschäftsführerin Partheymüller ist. Die eigene Vernetzung half auch dabei, das neue Produkt bekannt zu machen. "Viele Unternehmen sind gerade dabei, für ihre Mitarbeiter Masken zu organisieren", weiß die Betriebswirtin, die nun fast den ganzen Tag Angebote schreibt und Anfragen beantwortet. Mehrere Tausend Stück wurden bereits bestellt, und auch im Freundeskreis hat Birgit Partheymüller Masken verteilt. "Die Resonanz ist wahnsinnig positiv, dafür zu arbeiten macht einfach Spaß."

Der Clou an dem Produkt ist, dass man handelsübliche Filtermaterialien wie Papiertaschentücher, Küchenrolle, Vlies- oder Baumwollstoffe hineinlegen kann.

Reinigen im Geschirrspüler

Die Kunststoffmaske selbst ist aus recycelbarem TPE, was auch im medizinischen Bereich Anwendung findet und sich flexibel den Gesichtskonturen anpasst. Es kann zum Reinigen in die Waschmaschine oder Geschirrspülmaschine gegeben werden und hält hohe Temperaturen aus. Wichtig ist natürlich die Anmerkung, dass es sich offiziell um eine sogenannte Behelfsmaske handelt, die keine Zulassung für hochinfektiöse Bereiche und medizinische Zwecke hat. Aber sie ist eine praktische Alternative zur genähten Stoff- oder Einwegmaske. Und sie ist definitiv "made in Franken".

"Testpersonen" durften beispielsweise Luisa und Leo sein, eine junge Frau aus dem Landkreis Lichtenfels und ihr jüngerer Bruder, die im Bild oben zu sehen sind. Luisa äußerte sich pragmatisch zum Einsatz der Maske - freilich würde sie lieber ohne herumlaufen, aber diese Frage stelle sich gerade nicht.

Für die Zukunft werden nach Auskunft der Geschäftsführerin Zertifizierungen angestrebt, damit die Maske im Bereich der Arbeitssicherheit eingesetzt werden darf.