Es gibt diese Orte, die ein eigenes Flair haben und darum von Menschen aufgesucht werden, die in gewisser Weise Eingeweihte sind. Der Geldner-Saal in Loffeld ist so ein Ort. Die Menschen dort sind so ein Publikum. Erst recht, wenn es um Folk geht und eine Band wie Other Roads gastiert.

Am Samstag war das Jubiläum vollbracht: seit zehn Jahren treten Dave Walmisley, Gregor Borland und Pete Abbott dort vor ihrem treuen Publikum auf, ziehen leise Register großen Könnens zwischen Musikalität und Witzigkeit und geben dem Publikum das Gefühl, nicht nur eine weitere Station entlang eines langen beruflichen Weges zu sein.

Mit elektrisch verstärkter Violine, Gitarre oder Mandoline sorgte das Trio am Samstagabend für wohlige Momente bei Anekdoten und mehrstimmigem Gesang, frei von Allüren, bescheiden und sympathisch.

Der Tänzer im Publikum

Und im Saal saß wie so oft bei Folk aus Schottland, England oder Irland auch jener Herbert, den es dann und wann zu tanzen überkommt, auf die ihm eigene Art, bestehend aus einer Mischung zwischen präzisem Vermögen Balance zu halten und schlaksiger Torkeligkeit.

Eine Individualität, die der Band Respekt abverlangte und auch dazu beiträgt, dass sie gleichfalls den Ort als besonders wahrnimmt. Immer wieder sahen Walmisley, Borland und Abbott wohlwollend schmunzelnd auch hinüber zu diesem Tänzer, dem ihre Rhythmen und Songs in die Glieder fuhren.

Das Eröffnungsstück "Give me wings" gehörte nicht dazu, es wird durch Melodik getragen, hat eine schöne Bridge und weitet sich durch mehrstimmigen Gesang. Neben eigenen Songs hat das überwiegend aus Edinburgh stammende Trio auch Fremdkompositionen im Gepäck, beispielsweise von Kieran Halpin. Auch er ist bekannt in Loffeld, auch er ein Könner im Folk. Sein "All the answers" ließ durch feine Melodie aufhorchen und versetzte die Zuhörer in die wohlige Nähe von Melancholie.

Witz ist das Geheimnis

Was Other Roads dann tun, das tun sie geschickt. Da stehen also drei Jungs, genau wie ihre Zuhörerschaft schon überwiegend über 50, reflektieren als erwachsene Männer, die sich die Kindheit bewahrt haben. Und so, wie sie das tun, glaubt man gerne, Witz ist eine weise Möglichkeit, sich gegen das Leben zu wappnen.

Zu dem temperamentvollen und den Geldner-Saal mitreißenden "Pass the point of rescue" erzählte Bandleader Abbott, dass eine ihrer Agentinnen einmal auf der ganzen Tour kein Wort mehr mit ihnen gesprochen habe, weil dieser Song eines Abends eben nicht auf der Setliste stand. "Wasn't it fantastic?", kommentierte ein Bandmitglied launig.

Zartfühlendes gab es auch von Walmisley, der in Zentralafrika auf einer Tabakfarm aufwuchs und seiner Mutter "Rosemarys Garden" widmete. Diese habe eine Blumenzüchterei betrieben, einen grünen Daumen an einem einsam entlegenen Ort gehabt. Dort in Simbabwe liegt ihr Grab und die Stätte ihrer Blumenzucht hat sich die Natur wieder zurückgeholt.

Der Schlusssatz begeistert

Ein Text, wie geschaffen nach der Frage nach dem, was von einem Leben bleibt. Other Roads können dazu auch Melodien finden, können diese gekonnt instrumentell phrasieren oder mehrstimmig beleben. Und dabei sympathisch bleiben. Und dann sprachen Other Roads auch noch einen Satz aus, den man als Publikum am Obermain gerne hört: "You were so much better than Coburg."