Was brauchen die Feuerwehren? Angemessene Ausstattung, sinnvolle Technik. Vor allem aber genügend Menschen, die diese bedienen können. Daran hapert es vielerorts, besonders tagsüber, wenn die freiwilligen Helfer sich an ihren Arbeitsplätzen jenseits der Orts- oder gar Landkreisgrenzen aufhalten. Die Bestandsaufnahme für die Feuerwehrbedarfsplanung hat Schwarz auf Weiß gezeigt, was vorher schon kein Geheimnis war: dass einige Feuerwehren zwischen 7 und 17 Uhr nicht einmal die Hälfte der Personenzahl stellen können, die unbedingt erforderlich ist, um ausrücken zu können. Hier muss etwas unternommen werden. Die Lösung sieht die Kreisbrandinspektion in der Bildung von Alarmierungseinheiten. In Redwitz wurden zwei davon bereits auf den Weg gebracht. Dort werden mit der Feuerwehr aus dem Kernort künftig die Wehren aus den beiden Ortsteilen Unterlangenstadt und Obristfeld alarmiert.
Eine weitere Einheit wird über die Gemeindegrenze hinaus aus den Ortsteilen Trainau, Mannsgereuth und der Gemeinde Marktgraitz gebildet. Im technischen Equipment der Integrierten Leitstelle wird das so abgespeichert, dass die gemeinsame Alarmierung tagsüber automatisch erfolgt. Kreisbrandrat Timm Vogler, den die vom Freistaat geforderte Bedarfsplanung seit seinem Amtsantritt 2012 beschäftigt, wirbt um Verständnis für diese Strategie (siehe Interview unten). Er begleitet und berät die Kommunen. Eine Bedarfsplanung kann man sich als an die 100 Seiten starke Dokumentation des Ist-Standes vorstellen, inklusive der Schlüsse, die zur Sicherstellung der Hilfeleistung gezogen werden. Marktgraitz und Redwitz machten den Auftakt. In den kommenden Wochen wird sich das Prozedere fortsetzen. Die Termine sämtlicher Gemeinde- bzw. Stadtratssitzungen sind (mit Ausnahme von Michelau) in Voglers Terminkalender schon notiert. Bis April soll alles über die Bühne gegangen sein. Auf den ausgearbeiteten Plänen wird man dann aufbauen können.
Nicht überall sind die Überlegungen zur Bildung von Alarmierungseinheiten auf Begeisterung gestoßen. "Da geht es auch ums Menschliche", sagt Vogler. Für ihn führt aber kein Weg daran vorbei. Auch gemeinsame Übungen werden erforderlich sein, um als Team gut zusammenarbeiten zu können. Bei Leistungsprüfungen geschieht das jetzt schon. "Das wächst alles zusammen", sagt der Kreisbrandrat. Und versichert, dass keine Feuerwehren zwangsweise aufgelöst werden.




Was bringt die Bedarfsplanung jedem Einzelnen?

Wie waren bis jetzt die Reaktionen aus den Wehren auf die Feuerwehrbedarfsplanung?
Timm Vogler: Zum großen Teil gut. Die Kommandanten sehen auch die Zeichen der Zeit, dass es vor allem, was die Mannschaftsstärke betrifft, so nicht mehr weitergeht. Wir haben das große Problem, immer mehr Einsätze zu haben mit immer weniger helfenden Menschen, und die Rechtslage wird auch immer komplizierter. Diesen Spagat können wir nur schaffen, indem wir während des Tages Alarmierungseinheiten bilden, um genügend Personal zur Verfügung zu haben.

Ist das überall auf Zustimmung gestoßen, oder mussten mancherorts auch Widerstände überwunden werden?
Es gibt die eine oder andere Feuerwehr, in der die Verantwortlichen einfach nicht die Realität erkennen oder wo persönliche Differenzen zu benachbarten Wehren eine Rolle spielen.

Wie gehen Sie mit diesen unterschiedlichen Auffassungen um?
Damit muss man sich auseinandersetzen. Ich versuche, in vielen persönlichen Gesprächen die Fach- und Sachargumente rüberzubringen. Mir geht es darum, dieses System am Laufen zu halten, und nicht darum, irgend jemanden etwas wegzunehmen. Ganz im Gegenteil. Wir brauchen jede Feuerwehr, jeden Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau, um die stetig steigenden Anforderungen zu bewältigen.

Wird die Feuerwehrbedarfsplanung das System der Freiwilligen Feuerwehren in die Zukunft retten, oder wird sich eine Entscheidung hin zu Berufsfeuerwehren nicht vermeiden lassen?
Wir haben derzeit in unserem großen Bundesland Bayern nur sieben Berufsfeuerwehren, und zwar in Städten mit über 100 000 Einwohnern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich bei uns mittelfristig von dem Ehrenamtlichen-System verabschiedet. In den neuen Bundesländern ist schon überwiegend auf Hauptamtlichkeit umgestellt. Das muss auch bezahlt werden! Es gibt eine Erhebung des Landesfeuerwehrverbandes, wonach ein Standard-Landkreis in Bayern sechs Berufsfeuerwachen mit je 70 Leuten bräuchte. Das macht 420 verbeamtete Berufsfeuerwehrleute mal 40 000 Euro Jahrespersonalkosten. Da kann sich jeder ausrechnen, was allein die Kosten für hauptamtliches Personal gegenüber dem derzeitigen Ehrenamtlichen-System ausmachen würden.
Wir müssen uns aber überlegen, bestimmte zeit- und auch fachaufwendige Aufgaben wie Atemschutz- oder Fahrzeuggerätewartung mittelfristig auf Hauptamtliche zu übertragen. Die Stadt Lichtenfels beschäftigt seit vielen Jahren einen Hauptamtlichen, der sich um die Gerätepflege kümmert. Es gilt, hierzu ein wirtschaftlich vernünftiges Konzept zu erstellen. Es ist ein System, das notwendig ist, aber es muss unterm Strich auch bezahlt werden. Das große Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, ist, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich dauerhaft ehrenamtlich zu engagieren. Hinzu kommt die demografische Entwicklung - es werden auch von der absoluten Zahl her immer weniger Menschen da sein.

Was hat der "normale" Landkreisbürger von einer Feuerwehrbedarfsplanung, wie sie gerade erstellt wird?
Die Bevölkerung hat unter mehreren Gesichtspunkten Vorteile davon. Da ist zum einen der monetäre Aspekt. Wir ermitteln den Bedarf an Ausrüstung. Dann geht es um die Rechtssicherheit der Kommunen, was die Hilfsfrist betrifft.
Wir sind der Meinung, mit dem Resultat aus der Bedarfsplanung, der Bildung von Feuerwehralarmierungseinheiten, dem Bevölkerungs- und Personalrückgang sachlich und fachlich entgegenzuwirken. Die Bevölkerung kann auch in Zukunft ruhig schlafen. Wir garantieren weiterhin, dass wir innerhalb der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten mit dem entsprechenden Gerät vor dem Haus stehen, wenn wir gebraucht werden.

Die Fragen stellte Ramona Popp



Feuerwehrbedrfsplanung

Aufgabe der Gemeinde Der Brandschutz und der technische Hilfsdienst sind Pflichtaufgaben der Städte und Gemeinden. So steht es im Bayerischen Feuerwehrgesetz. Dazu zählen ausreichende Ausstattung und Ausbildung der Feuerwehren genauso wie das Einhalten der Hilfsfrist und Erstellen einer Bedarfsplanung.

Gesetz Im Bayerischen Feuerwehrgesetz heißt es seit Mai 2013 wörtlich: "Um eine optimale Aufgabenwahrnehmung durch die gemeindlichen Feuerwehren zu gewährleisten, sollen die Gemeinden grundsätzlich einen Feuerwehrbedarfsplan aufstellen. " Es wird empfohlen, den Kreisbrandrat zu beteiligen.

Landkreis Lichtenfels Die Bedarfsplanung ist für die hiesigen Kommunen nicht mit Kosten verbunden, da die Datenermittlung und Auswertung unter Regie der Kreisbrandinspektion erfolgte. Andernorts werden auch Ingenieurbüros beauftragt. pp