Die Arbeit an einem neuen Nahverkehrskonzept für den Landkreis bestimmt derzeit zu einem großen Teil Helmut Kurz' Terminkalender. Bürgerforen hat er abgehalten, einen Arbeitskreis gebildet, die Ergebnisse ins Internet zur Diskussion gestellt. Viel transparenter kann das Ausloten künftiger Angebote im ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) kaum vonstatten gehen. Ein Weg, den der Mitarbeiter des Landratsamtes nach den bisherigen Erfahrungen wieder so einschlagen würde. Man habe auf diese Weise Anregungen von konkretem, praktischem Nutzen für die Planung erhalten.


Mehr Nahverkehr
fürs gleiche Geld?

Ob der Landkreis künftig fürs gleiche Geld mehr ÖPNV bekommt, kann Helmut Kurz noch nicht sagen. Ziel ist es aber, die Mittel - zuletzt 2,85 Mio. Euro im Jahr inklusive Schülerbeförderung und Fifty-Fifty-Taxi - optimal einzusetzen. Das bedeutet, nichts ist fix, alles kommt auf den Prüfstand. Bewährtes kann bleiben, neue Angebote wie ein Anrufsammelsystem können hinzukommen, dafür andere vielleicht wegfallen. Synergien sollen genutzt werden. Wenn es um bessere Vertaktungen geht, sind Schulanfangszeiten kein Tabu. Wo Veränderungen anstehen, kann es auch Unmut geben.


Wann, wie oft und
wohin sollen Busse fahren?

Verschiedene Themen werden beim Nahverkehrsplan beleuchtet: "Wann und wie oft sollen Busse fahren?" ist die Kernfrage. Auch bei Baur, dem größten Arbeitgeber im Landkreis, wurde nachgefragt. Bedient werden nur Orte über 150 Einwohner (Schülerbeförderung ausgenommen). Schmunzelnd berichtet Helmut Kurz von einem Dorf, das durch eine Zwillingsgeburt haarscharf die Kurve für den Anschluss gekriegt hat... Aber irgendwo müsse die Grenze gezogen werden.


Werden alle Haltestellen
barrierefrei?

Der Gesetzgeber macht Vorgaben in punkto Barrierefreiheit, wobei nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die Haltestellen ein wesentlicher Punkt sind. Alle 270 Haltestellen - eigentlich fast doppelt so viele, da meist auf der gegenüberliegenden Straßenstelle auch ein Haltebereich ist - wurden fotografiert und begutachtet. "Es ist finanziell nicht zu leisten, alle barrierefrei zu machen", sagt Kurz. Aber es wurde eine Prioritätenliste zur Umgestaltung der wichtigsten Stationen erstellt. Nur eine einzige - die am Klinikum in Lichtenfels - entspricht übrigens schon jetzt sämtlichen Kriterien für Barrierefreiheit. Etwa 20 weitere erfüllen zumindest mehrere Maßgaben und sollen entsprechend angepasst werden. Die Gemeinden bekommen die Listen mit den Untersuchungsergebnissen an die Hand, um ihrerseits Schritt für Schritt Nachbesserungen angehen zu können. Hierfür ist nämlich stets der jeweilige Straßenbaulastträger verantwortlich.


Regionale Busunternehmer
in Planung eingebunden

Ebenfalls vorgegeben seitens des Gesetzgebers ist ein Einbeziehen der regionalen Busunternehmen. "Ich habe alle eingeladen, die eine Konzession haben", berichtet Helmut Kurz. Manche fahren nur Schulbusse oder auf bestimmten Teilstrecken durch den Landkreis. Hieraus ist ein Arbeitskreis mit knapp 30 Teilnehmern entstanden, der inzwischen fünfmal getagt hat. Ihm gehören alle Bürgermeister, Kreistagsfraktionsvorsitzende, Senioren- und Behindertenbeauftragte der Kommunen an. Vertreter von Regierung und Wirtschaftsverbänden waren ebenfalls eingeladen. Beteiligt sind, je nach Thema, auch Taxiunternehmer, Bahn, Polizei sowie Fahrgastverbände.


Linien sollen gebündelt
vergeben werden

Aktueller Schwerpunkt ist die Linienbündelung. Sobald die öffentliche Hand Geld dazu gibt, um eine Strecke zu bedienen, spricht man von gemeinwirtschaftlich betriebenen Linien. Derzeit gibt es davon nur zwei, nämlich Mobi 1 und Mobi 2, zu denen der Landkreis zuzahlt. Die Idee zur Bündelung von Linien verfolgt das Ziel, mehr und weniger lukrative Linien von einem Unternehmer fahren zu lassen, so dass sich keiner die Rosinen herauspicken kann und in der Summe jeder sein Auskommen hat. Der Gesetzgeber bevorzugt Eigenwirtschaftlichkeit, damit nicht all diejenigen Linien, die keinen Ertrag abwerfen, am Landkreis hängen bleiben. Vor diesem Hintergrund wurden vom Arbeitskreis aus den bestehenden Linien, die im Landkreis gefahren werden, fünf Bündel geschnürt, von denen drei eine jährliche Betriebskilometerleistung zwischen 275 000 und 350 000 aufweisen: der Stadtverkehr Lichtenfels sowie die Bereiche Nord-Ost (Burgkunstadt-Lichtenfels) und Mitte. Kleinere Linienbündel umfassen den Bereich Süd-Ost (Bereich Burgkunstadt-Weismain-Buckendorf) mit 120 000 und West (Raum Ebensfeld) mit 85 000 Kilometern. Der Betrieb dieser Linien soll jeweils zusammen ausgeschrieben werden. In der nächsten Kreisausschuss-Sitzung am 11. Juli wird dieser Ansatz Thema sein, um die erste Ausschreibung vorbereiten zu können. Rollen sollen die Busse in neuer Ausrichtung ab Mitte 2019. "Für die Unternehmer ist das etwas Neues", merkt Helmut Kurz an. Deshalb habe man ihnen auch eine vierwöchige Frist eingeräumt, in der sie Einwände vorbringen können. Theoretisch sei es auch möglich, dass sich Unternehmer intern ein Bündel aufteilen, aber offiziell müsse einer der Betreiber und Ansprechpartner sein.


Wann wird das fertige
Konzept vorliegen?

Der Landkreis will mit seiner Arbeit vorankommen, im Herbst soll das neue Nahverkehrskonzept stehen. Aber danach wird die Tür nicht zu sein, wie Helmut Kurz betont. Es werden sich andere Formen von Mobilität entwickeln, da ist er sich sicher. Vielleicht werde man in Zukunft private Mitfahrdienste ins öffentliche Netz mit einbauen, oder Linienbetreiber werden nicht nur Personen befördern, sondern gleichzeitig als Paketdienst fungieren. Beispiele dafür gibt es heute schon. An dem Konzept wird also auch künftig gefeilt werden.