Eine schnelle Erfrischung nach einem heißen Tag, Frühschwimmen vor der Arbeit oder sich mit Freunden auf der Liegewiese im Freibad treffen: Noch ist nicht sicher, wann und ob die Freibäder in Bayern in diesem Jahr überhaupt öffnen dürfen. Grund dafür ist die bayerische Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung, nach der Badeanstalten und Sportstätten vorerst geschlossen bleiben müssen.

Grundsätzlich hätte die Freibadsaison am 1. Mai begonnen, sagt Martin Lüders, Geschäftsführer der Freizeit GmbH, die den Badesee und das Aqua Riese in Bad Staffelstein betreibt. "Es wäre natürlich jetzt schon toll gewesen," sagt er im Hinblick auf die sommerlichen Temperaturen der vergangenen Tage und einigen Nachfragen nach der Liegewiese am Badesee. Aber beide Einrichtungen bleiben vorerst ordnungsgemäß geschlossen.

Im Aqua Riese seien deshalb nun Sanierungsarbeiten und die technische Wartung vom Herbst vorgezogen worden und bis auf die Reinigung alles für eine schnelle Öffnung vorbereitet, sagt er. Am Badesee werden unter anderem die Umkleidekabinen einer Erneuerung unterzogen, aber das wäre auch ohne die jetzigen Einschränkungen an der Reihe gewesen, sagt der Geschäftsführer.

Vorbereitung auf die Öffnung

Neu ist außerdem ein Klettergarten. "Bis auf zwei, drei Handgriffe ist er so weit, dass wir nur noch aufsperren müssen", sagt Lüders. Da die zurückliegenden Beschlüsse über die Lockerungen der Beschränkung meist kurzfristig beschlossen worden sind, plant Martin Lüders das mit ein: "Wir erledigen jetzt alles in der Reihenfolge, in der wir denken, dass es wieder aufmachen könnte."

Folgt das unkontrollierte Baden?

Kritik an der Äußerung Markus Söders, den Betrieb an Badeseen eher wieder aufzunehmen als in Bädern und Thermen , kommt von der European Waterpark Association, der Interessenvertretung der europäischen Freizeitbäder, Thermen und Wasserparks. Geschäftsführer Klaus Batz hatte in der vergangenen Woche mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten appeliert: "In den öffentlichen Bädern ist der Zugang und damit auch die Zahl der gleichzeitig anwesenden Badegäste kontrollierbar und limitierbar, an den offenen Badestellen an Seen und Flüssen ist dies nicht der Fall."

Wieviel höher das generelle Risiko eines nur schwer oder gar nicht überwachbaren Badebetriebs an Flüssen und Seen sei, zeige alleine schon die Ertrinkungsbilanz der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für das Jahr 2019: Während im gesamten Jahr nur elf Ertrinkungstote in den öffentlichen Bädern in Deutschland zu beklagen waren, kamen in der Sommersaison 320 Menschen in Seen, Teichen und Flüssen durch Ertrinken ums Leben, heißt es dort.

Ähnlich sieht das sieht Martin Lüders. Der Badesee in Bad Staffelstein ist während der Öffnungszeiten durchgehend von Rettungsschwimmern überwacht. Bleiben der See und weitere Schwimmbäder geschlossen, würden viele sicherlich "bei 35 Grad im Sommer nicht im Wohnzimmer sitzen bleiben", sondern auf eigene Faust an ungesicherten Badestellen schwimmen gehen. "Besser organisiert als wild", meint er.

Eine Öffnung von Bad und See unter Schutzauflagen hält er grundsätzlich für machbar. "Wir können die Gäste soweit schützen, wie möglich." Beispielsweise durch Plexiglasscheiben an den Kassen oder indem nur vereinzelte Schränke und weniger Umkleidekabinen zur Verfügung stehen. Auf die extrem heißen Tage, an denen viele Besucher reinwollen, müsse man sich vorbereiten. Zudem seien die Menschen inzwischen aber für die Umstände sensibilisiert, sagt Lüders.

Schwimmkurse entfallen ebenso

Schwimmkurse unter bestimmten Auflagen kann sich Rainer Müller durchaus gut vorstellen. Er ist Schwimmlehrer im Landkreis und Inhaber der Schwimmschule "Rainers Wasserflöhe". Einzig bei Kinder-Schwimmkursen hat Müller Bedenken. "Ich denke mal, dass das schwieriger wird, weil sie den Ernst der Lage nicht so wahrnehmen", sagt er. Bei Erwachsenen-Kursen sieht er aber kein Problem, die Kurse geregelt und mit Abstand wieder aufzunehmen. Als Selbstständiger hofft er auch, dass das schnell wieder möglich ist. "Mir wären die Lockerungen ganz recht."

Ganzjährige Saison in der Therme

Nicht nur im Sommer, sondern ganzjährig Saison ist üblicherweise in der Obermaintherme. "Wir machen uns Gedanken, ob man unter Auflagen aufmachen könnte", sagt Werkleiter Hans Josef Stich. Er gehe auf jeden Fall davon aus, dass das nicht in der vollen Kapazität sein wird. In der Sauna sei es leichter denkbar, einen Abstand untereinander einzuhalten und nur eine bestimmte Menge an Menschen reinzulassen. Im Wasser sehe das mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern schon wieder anders aus, sagt er.

Währenddessen werden in der Therme die Grundreinigung vorgezogen und andere Sanierungsarbeiten geleistet, die zurzeit ohne Beeinträchtigung erledigt werden können. "Für uns ist die Saison nicht beendet", so Stich.

Bis es zu einer Wiedereröffnung kommt, hat Martin Lüders den Betrieb des Aqua Riese so weit herunter gefahren wie möglich. Einige der Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, andere weiterhin rund um Bad und See beschäftigt. "Es gibt immer etwas zu tun, man kann dort nicht alles verwildern lassen", sagt er.

Er möchte so schnell wie möglich wieder alle Mitarbeiter zurückholen, denn die Bindung müsse bestehen bleiben. Denn da noch nicht absehbar sei, wie lange die Situation noch andauere, möchte Martin Lüders "ihnen das Gefühl geben, dass sie gebraucht werden."