Erst im Oktober hatte der Bamberger SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz dem Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) einen Besuch abgestattet und dabei von dem hier geplanten "Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien" (FADZ) erfahren. Das Konzept war für ihn überzeugend, und ebenso überzeugend konnte der Politiker das Vorhaben offenbar in Berlin darstellen. Die entscheidenden Beratung darüber, wofür der Staat wie viel Geld ausgibt, finden im Haushaltsausschuss statt. Und dieses Gremium, dem Andreas Schwarz angehört, beschloss eine Förderung des FADZ mit elf Millionen Euro (wir berichteten). Dies ändert nun den Blick auf die Zeitschiene.

Das FADZ ist ein Projekt von Stadt und Landkreis Lichtenfels in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg. Es ist als Brückenbauer und Botschafter für digitale Zukunftstechnologien zu verstehen und soll ein Anlaufpunkt sowohl für regionale Firmen als auch für die breite Öffentlichkeit werden. Im Fokus stehen additive Fertigungsverfahren (3D-Druck), denen sich auch ein eigener Studiengang in Lichtenfels widmen wird. All das in der Kirschbaummühle, die umfassend saniert und umgebaut werden muss.

Es bleibt "sehr sportlich"

Da dieses Vorhaben auf mehreren Schultern lastet, gibt es entsprechenden Abstimmungsbedarf, was Zeit braucht. Bei einem Gespräch über die Großprojekte der Stadt nannte Bürgermeister Andreas Hügerich den ursprünglichen Zeitplan mit einer Fertigstellung 2023/24 "sehr sportlich" und hielt es für wahrscheinlicher, dass es noch länger bis zur Fertigstellung dauern wird. Dieses Gespräch mit unserer Redaktion war allerdings geführt worden, bevor in der ersten Dezemberwoche die schriftliche Bestätigung aus Berlin die Stadt Lichtenfels erreichte.

Die Förderzusage bringt jetzt einen gewissen Zugzwang mit sich, wie Sebastian Müller vom Bürgermeisteramt einräumt. Denn 2025 würde dann (nach der Wahl im nächsten Jahr) wieder ein neuer Bundestag gewählt. Über die kommende Legislaturperiode hinaus kann man sich zugesagter Bundesmittel nicht gewiss sein. "Da ist jetzt schon ein anderer Druck da, diese zu verbauen", so Müller. Angesiedelt ist das Bauvorhaben, was die Fördermittel anbelangt, beim Bundesumweltministerium, das sich einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand auf die Fahnen geschrieben hat. Entsprechend argumentierte auch der Abgeordnete Schwarz: "Wir tun hier etwas richtig Gutes für die oberfränkische Wirtschaft und für unser Klima."

Verteuerung auf rund 14 Mio. Euro

Der Sprecher der Stadt geht davon aus, dass der Bau insgesamt jetzt teurer werden dürfte, weil er an Vorgaben in Bezug auf die CO2-Einsparung geknüpft ist. Rund 14 Millionen Euro stünden im Raum. In ersten Schätzungen war man von 6,5 Millionen Euro und einer finanziellen Zuwendung von 80 Prozent aus dem Förderprogramm des Freistaates Bayern "Innen statt außen" ausgegangen. Der Zuschussantrag ist gestellt. Ein erster Anteil sollte im nächsten Jahr in den Architektenwettbewerb fließen, der mit 120 000 Euro angesetzt ist. Es gilt nun allerdings als unwahrscheinlich, dass neben dem hohen zugesagten Zuschuss aus Bundesmitteln noch Landesmittel zu erwarten sind. Detailfragen gilt es alsbald zu klären.

Man kann sich seitens der Stadt Lichtenfels in Anbetracht der weiteren Großprojekte, die das Bauamt zu begleiten hat, nun auch ein Outsourcen der Baubegleitung des FADZ vorstellen.

Als einer der nächsten Schritte soll im ehemaligen H. O. Schulze-Gebäude am Marktplatz das FADZ-Lab, eine öffentlich zugängliche Hightech-Werkstatt ("Makerspace") eingerichtet werden. Das Haus erstreckt sich im rückwärtigen Teil bis in die Laurenzistraße und böte auch Platz, um übergangsweise den Studiengang der Hochschule dort unterzubringen. Erworben hat die Immobilie der Unternehmer Frank Herzog, Vorsitzender des FADZ-Fördervereins.