Zum Spatenstich für die neue Kindertagesstätte waren neben den Verantwortlichen auch Kinder gekommen.
Erwartungsvoll spähen die versammelten acht Gruppen der Kindertagesstätte vom Hartplatz der Pater-Lunkenbein-Schule durch die Absperrung auf aufgewühltes Erdreich, Bagger und Baumaterialien. Was hier wohl passieren wird? "Bestimmt kommt jetzt gleich ein Bagger mit einer großen Schaufel", ist als eine der beliebtesten Mutmaßungen unter den gespannten Kindern zu hören. Anlässlich des baldigen Baus der neuen Kindertagesstätte haben sich alle Kindergartengruppen hier versammelt um den ersten Spatenstich aus nächster Nähe mitzuerleben.
Unter ihnen auch Marius mit seinem Freund Joris. Die beiden haben gemeinsam mit den anderen "Füchsen" heute den weiten Weg aus der Zweigstelle Waldkindergarten auf sich genommen, denn, so erklärt Marius: "Das ist so spannend! Ich war bei sowas noch nie so nah dabei." Sein Freund kann ihm dabei nur zustimmen. Während er mit leuchtenden Augen einen weiteren freudigen Blick durch die Absperrung wirft und dabei zur noch unbebauten Erdfläche zeigt, ergänzt dieser: "Ich bin gespannt was jetzt gleich passiert. Hier kommt ja ein neuer Kindergarten hin. Das kann ich mir noch gar nicht richtig vorstellen."
Offene Kindertagesstätte
Lange auf den Beginn des für die Kinder eher ungewöhnlichen Events müssen diese und auch die restlichen Umstehenden - darunter Mitarbeiter der Kindertagesstätte, Schule und der Kirchenstiftung - nicht warten. Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) bedankt sich in seiner Begrüßung zunächst bei allen, die das Bauprojekt bis dahin positiv begleitet haben und die sich um die Kinder der Gemeinde kümmern: "Wir als Gemeinde wissen, dass wir uns um Kindergartenplätze kümmern müssen. Ich fordere euch deshalb auf, euch auf den neuen Kindergarten zu freuen." Denn das Gebäude ist nicht die einzige neue Veränderung, die das Bauprojekt mit sich bringt. Auch ein bisher für die Gemeinde unbekanntes Konzept einer offenen Kindertagesstätte soll für die neue Kita eingeführt werden. Hierzu fordert Storath auf sich auf etwas neues einzulassen, denn schließlich bleibe die Gemeinde in der Zeit nicht stehen.
Fertigstellung im nächsten Frühjahr
Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres sollen die Bauarbeiten soweit abgeschlossen sein, dass das Gebäude bezugsfertig ist. "Tragt die positive Stimmung von heute weiter. Nicht nur weil es etwas Neues ist, sondern weil die offene Kindertagesstätte eine weitere Bereicherung für unsere Gemeinde ist", appelliert der Bürgermeister an die Umstehenden und übergibt das Wort an Kindergartenbeauftragten Harald Klier, der im Namen des Betriebsträgers Kirchenstiftung spricht: Die Gesamtleitung für die Kindertagesstätte wird weiterhin von Uli Zenk übernommen, die bis dahin schon ein Auge auf die alte Kita und die Zweigstelle Waldkindergarten hatte. Gemeinsam mit der Ansprechpartnerin Bettina Schinger hofft Klier auf einen unfallfreien und weiterhin planmäßigen Verlauf der Baumaßnahmen.
Nach Ende der Ansprache kann der erwartete eigentliche Spatenstich nun endlich beginnen. Während die meisten Mäuse, Igel, Hasen, Frösche und Füchse sowie die Krippengruppen Kuschelbären, Schnatterenten und Krabbelkäfer aus nächster Nähe aus Zuschauerperspektive warten, dürfen einige Kinder ausgestattet mit kleinen Spaten im Gänsemarsch hinter Bernhard Storath mit zur Mitte des Bauplatzes. Als sich auch die Erwachsenen am Ort des Geschehens eingefunden haben und mit Helmen vor eventuellen Erdaushebungen der kleinen Helfer geschützt haben, werden die Spaten auf das Erdreich angesetzt. Erst noch zögerlich, doch dann mit immer mehr Eifer wälzt Bernhard Storath gemeinsam mit den Kindern die Erde um. Beifallende Zurufe und Applaus der aufmerksamen Zuschauer feuert sie dabei an. Der symbolische erste Spatenstich ist geschafft.
Süßigkeiten als Belohnung
Nach diesen Anstrengungen bekommen die Kinder als Belohnung einen großen Korb mit Süßigkeiten, der zum Abschluss an alle verteilt wird, bevor es zurück in den alten Kindergarten geht. "Eigentlich dachte ich ja, dass das ein Bagger macht", erklärt Marius bevor er sich in die Reihe der anderen einreiht. Enttäuscht über dem ausbleibenden Auftritt einer großen Maschine ist er jedoch nicht: " Ich fand es richtig cool, dass sogar ein paar Kinder mitmachen durften!"
Daran werden er und seine Freunde sich in einem knappen Jahr sicher erinnern, wenn er den erste Ausflug zur neuen Kita unternimmt. Dieser bietet mit seinem offenen Konzept neben dem Waldkindergarten eine weitere Alternative zum herkömmlichen Kita-System. "Viele kennen dieses Konzept natürlich noch nicht", so Uli Zenk. Vor dem Schreckensszenario einiger Eltern von Kindern, die unbeaufsichtigt durch das Gebäude rennen, muss sich aber keiner fürchten, wie die KiTa- Leiterin mit einem Schmunzeln erklärt. "Es gibt sowohl einen gemischten Teil als auch eine normale Krippengruppe. Für die älteren Kinder bedeutet der offene Kindergarten, dass sie sich am Morgen entscheiden können, worauf sie an diesem Tag Lust haben." Darunter falle dann zum Beispiel Toben im Garten, Basteln im Kreativraum oder Spielen in der Kuschelecke. Durch gemeinsame Abstimmung lernen die Kinder schon früh ein demokratisches Verhalten. "Und auch einmal, mit Entscheidungen umzugehen, die gegen die eigene Meinung stehen", führt Uli Zenk aus und betont: "Es ist eine Alternative für die Kinder, die sich ausdrücken möchten und frei entfalten. Es soll das alte System nicht ersetzen, sondern es bereichern." Dass das nicht für jedes Kind etwas ist, ist dabei völlig verständlich. Schließlich sei jedes Kind einzigartig und solle bestmöglich in seiner Entwicklung unterstützt werden.