Streifenwagen, Blaulicht, Straßensperre, schließlich die Räumung des Obi-Marktes: Ein anonymer Anruf über die Notrufnummer sorgte am Dienstagnachmittag für Aufregung in der Mainau. Eine männliche Stimme hatte kundgetan, dass dort eine Bombe hochgehen werde. Noch am späten Nachmittag konnte "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Entwarnung gegeben werden. Der Fachmarkt für Garten, Bau- und Heimwerkerbedarf war bis dahin durchsucht worden, nachdem Mitarbeiter und Kunden das Gebäude verlassen hatten. Der Einsatz hatte so natürlich auch öffentlich für Aufsehen und Spekulationen gesorgt. Am nahen Döner-Stand war die Polizei-Aktion das Gesprächsthema.

Jetzt ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Verantwortliche überführt wird. Da ist sich der Lichtenfelser Polizeichef Willibert Lankes sicher. Denn der Kreis, in dem man nach dem Täter sucht, konnte schon am Dienstag ziemlich eingegrenzt werden. Der Polizei ist bekannt, von welchem Handy aus der Anruf getätigt wurde. Allerdings ist der Eigentümer des Mobiltelefons nicht der Anrufer. Auch das konnte bereits geklärt werden. Der Mann sei ganz blass geworden, als man an ihn herangetreten und ihn auf den Anruf, der zweifelsfrei von seinem Handy aus getätigt wurde, angesprochen habe. Er habe dann aber glaubhaft dargestellt, dass er es zum Aufladen angesteckt und in dieser Zeit nicht unter Beobachtung gehabt hatte. Dies innerhalb einer Firma im Landkreis Lichtenfels. Dort muss also dem jetzigen Kenntnisstand zufolge der Anrufer Zugriff auf das fremde Handy gehabt haben. Seine Stimme wurde bei dem Anruf aufgezeichnet. Die Kriminalpolizei Coburg hat daraufhin die Ermittlungen übernommen.

Die Mitarbeiter des Obi-Marktes konnten erst nach zirka eineinhalb Stunden wieder an ihre Arbeitsplätze zurück gehen. Der Arbeitstag, der so viel Aufregung beschert hatte, war zudem stressiger, weil die verlorene Zeit nachgearbeitet werden musste. Auch das wird übrigens dem Verantwortlichen in Rechnung gestellt werden, wenn er denn ermittelt ist. Arbeits- und Umsatzausfall, und natürlich die Kosten für den Polizeieinsatz: "Der zahlt die ganze Schose!" kündigt Willibert Lankes an. Das sollte Warnung genug sein, von solchen sinnlosen Aktionen die Finger zu lassen. Die strafrechtlichen Folgen kommen überdies noch hinzu.


Dem Täter droht eine harte Strafe

Straftat Im Strafgesetzbuch ist unter Paragraf 126 von der "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" die Rede:

"1. Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, eine schwere Straftat wie Mord und Totschlag, schwere Körperverletzung oder einen Sprengstoffanschlag androht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

2. Ebenso wird bestraft, wer
wider besseres Wissen vortäuscht, die Verwirklichung einer der oben genannten rechtswidrigen Taten stehe bevor."

Ermittlungen Die Polizei wird entsprechend wegen dieser Straftat gegen Verdächtige vorgehen. Ähnlich erging es einem 14-Jährigen Kulmbacher, der am 27. November vergangenen Jahres per E-Mail eine Bombendrohung in die Carl-von-Linde-Realschule geschickt hatte. Ein schlechter Scherz, der Folgen hatte - nicht nur für den Unterrichtsablauf, sondern auch den Täter.

Erpressungs-Fall Auch der "Real"-Markt in Kulmbach war 2014 Ziel einer nicht ernsthaften Bombendrohung: Eine Frau wollte damit Geld erpressen. Das Urteil des Schöffengerichts lautete daraufhin neun Monate auf Bewährung. hol