Bauen könnte bald teurer werden. Denn vom Renovieren eines Badezimmers bis zum Großbauvorhaben werden Bauunternehmen künftig verpflichtet, den Umgang mit den Baustellen- und Abbruchabfällen aufwendig zu dokumentieren, so verlangt es der Gesetzgeber in seiner Ende März verabschiedeten Novellierung der Gewerbeabfallverordnung, die im August in Kraft tritt. Ab einer Abfallmenge von zehn Kubikmetern muss jeder Bauunternehmer - und übrigens auch jeder Privatmann - künftig die Abfallstoffe in zehn Fraktionen trennen: Glas, Kunststoff, Metalle, Holz, Dämmmaterial, Bitumengemische, Beton, Ziegel, Fliesen/Keramik sowie Baustoffe auf Gipsbasis.

Der Verordnung zufolge sollen Lagepläne, eine Fotodokumentation und Lieferscheine den Behörden auf Verlangen vorgelegt werden. Wolfgang Schubert-Raab, Obermeister der Bauinnung im Kreis Lichtenfels, kritisiert dieses Gesetz als praxisfremd, umweltunfreundlich und höchst bürokratisch. Er ist Geschäftsführer der Ebensfelder Raab-Baugesellschaft mit über 200 Mitarbeitern. Auf sein Unternehmen sieht er durch die gesetzliche Neuregelung großen dokumentatorischen Mehraufwand zukommen. "Wir müssen ab zehn Kubikmeter einen Nachweis führen, was wir durch wen wohin und wie entsorgt haben." Einen gewissen Teil mussten Bauunternehmen bereits bisher trennen. "Holz, Glas, Metalle und Asphalt trennen wir schon aus eigenem Interesse, weil die Entsorgung von Mischabfällen immens teuer ist", sagt Wolfgang Schubert-Raab. "Wir reden hier nicht von dekontaminierten Stoffen, denn diese Abfälle müssen ohnehin getrennt gelagert und entsorgt werden. Hier geht es um wiederverwertbare Rohstoffe."

Das Procedere der Nachweisführung ist ihm momentan nicht plausibel. Mehrere Schritte müssten protokolliert werden. So müsse der Grundriss von dem Bauwerk erstellt werden, um der Behörde nachzuweisen, dass man bei der Ausführung unter zehn Kubikmetern Abfall liege. "Wie soll eine Behörde das kontrollieren?", fragt er. Nicht klar sei zudem, welche Behörde dafür zuständig sei.


Wiederverwertung verpflichtend

Das neue Gesetz verpflichte Bauunternehmen, die Rohstoffe einer Wiederverwertung zuzuführen, sagt der Obermeister, "außer wir weisen nach, dass das nicht geht" - das sei etwa bei Fliesen, Estrichen und Gipsstoffen der Fall. Aber was soll damit geschehen? Der Landesverband der Bayerischen Bauinnungen habe bisher versucht, Abgeordnete und Regierung zu überzeugen, dass diese Trennung praxisfern sei. Auf jeder Baustelle müssten zehn Container aufgestellt und die Abfallstoffe müssten unter Umständen zu weit weg gelegenen Deponien transportiert werden. Die Folge seien ein umweltschädlicher Mülltourismus und eine Kostensteigerung bei Bauvorhaben.

Der Verband, fährt Wolfgang Schubert-Raab fort, werde nun den Kontakt zu den Behörden suchen, um zu klären, wie die Protokollschritte der Dokumentation erfolgen sollen. Denn gerade für kleinere Betriebe sei der bürokratische Mehraufwand in dieser Form kaum noch zu schultern. Er kenne eine ganze Reihe von Kollegen, die ans Aufgeben denken.

"Es ist nicht gut, Bestimmungen in die Welt zu setzen, ohne Konsequenzen zu bedenken und einen Probebetrieb zu fahren", urteilt Schubert-Raab. Er kritisiert, dass die Politik in der Entscheidungsphase nicht mehrere plakative Baustellen auswählte und mit den angestrebten Neuregelungen im Echtbetrieb durchspielte. Herausgekommen wären wohl Aussagen darüber, was wünschenswert, was machbar und was unsinnig ist.

Dennoch schaut der Unternehmer nach vorn: "Wir wollen unseren Innungsbetrieben eine App zur Verfügung stellen, die es Polieren und Bauleitern ermöglicht, den geforderten Nachweis zu führen." In der App soll eine Nachweiskette vorgezeichnet sein, die der Polier abhaken und in der elektronischen Bauakte hinterlegen könne. Zudem habe die Innung vor, einen Leitfaden zu erarbeiten, der bis August vorliege.

Wie das Landratsamt die Vorgaben erfüllen will, ist noch unklar. Pressesprecher Helmut Kurz: "Der Beschluss des Bundestages ist wenige Tage alt. Die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt ist aber noch nicht erfolgt, so dass wir den endgültigen Gesetzestext noch nicht vorliegen haben."