Viel vom Sommer hat sie nicht gehabt, sagt Linda Böse. "Ich lag vielleicht zweimal im Liegestuhl im Garten. Der Rest war arbeiten. Bilder machen (auf dem Feld), Bilder bearbeiten (vor dem Rechner) - und Projekte bei Baur im Fotostudio als Bildbearbeiterin betreuen. Also hat sie doch etwas von dieser Zeit gehabt? "Ich hatte viel zu tun", erzählt sie. Vor allem im Freien - in und um Bad Staffelstein.

Linda ist eine Heimkehrerin. Als sie 2007 an der Viktor-von-Scheffel-Realschule ihren Abschluss machte, hängte sie ein Jahr an der Fachoberschule in Bamberg dran, legte ihr Fachabitur im sozialen Zweig ab - und schlug dann doch einen anderen Weg ein: "Mit 16 Jahren habe ich meine erste Kamera bekommen." Sie fing an, Freundinnen zu fotografieren, zeigte einige davon auf verschiedenen Bilderplattformen im Internet und bekam plötzlich Anfragen von Leuten, die sich von ihr ablichten lassen wollten.


Keine klassische Ausbildung

"Deshalb habe ich mit 18 Jahren ein Gewerbe angemeldet." Aber ihr war auch klar: "Ich wollte keine klassische Fotografenausbildung." Da fühle sie sich zu eingeengt, meint sie.

Also wechselte sie nach Esslingen bei Stuttgart an eine private Film- und Fotoakademie und schloss im vergangenen Jahr ihr Fotodesign-Studium mit dem "Bachelor of Arts" ab. "Das war eine kleine Einrichtung, mit rund 100 Studenten." Dort fand sie die Freiräume, die sie suchte. Während des Studiums startet sie auch ihren Blog (lindaboese.blogspot.de).

"Woher sollen die Menschen mich sonst kennen?", fragt sie und lacht. Dort zeigt sie, wie ihre Bilder entstehen, schreibt Texte über ihr Alltagsleben, veröffentlicht Rezepte. Bis zu 2000 Besucher täglich hat der Blog, kann sie an den Auswertungen erkennen. Rechnet sie die Zeit zusammen, die sie in dieses Projekt steckt, kommt etwa ein Arbeitstag in der Woche zusammen.

Ein Teil von ihr

Facebook sei zu aufdringlich für solche Dinge, die Leute sollen zu ihr finden, das war die Überlegung, warum sie den Blog startete. Wer sie findet, soll sich dort ein Bild von ihr machen können - und, ja, das natürlich auch, von ihrer Arbeit. "Er ist über die Zeit ein Teil von mir geworden, der mich über die letzten Jahre hinweg begleitet hat", schreibt sie auf der Seite.

"Ich habe meinen Stil und die Leute sollen sehen, was ich mache." Sie liebe das Licht und warme Töne, betont sie. Das sieht man an den Bildern.

In den Semesterferien war die 24-Jährige regelmäßig in Bad Staffelstein um zu fotografieren. Da auch ihr Freund hier lebt, kehrte sie 2013 wieder zurück. "Wie schön es hier ist, merkt man erst, wenn man einmal eine Weile weg war."

Immer noch Neues entdeckt

90 Prozent der Bilder entstehen in und um Bad Staffelstein, sagt sie. "Auch wenn man die Stadt seit vielen Jahren kennt, ich gehe um eine Straßenecke und entdecke immer noch etwas Neues." Und jetzt, im Sommer, habe sie nach einem eher verhaltenen Auftakt im vergangenen Jahr gut zu arbeiten gehabt. Also ein erfolgreicher Sommer.

Die Geschichte zum Bild

Es sollte eine Erinnerung werden an eine Freundschaft seit Kindertagen. Bettina Kronecker aus Prächting entdeckte Lindas Bilder im Internet. So kam es zu einer ersten Fotoaktion mit Aufnahmen für den Freund. Dann entstand die Idee, auch einen anderen Teil des Lebens für später festzuhalten: "Wir sind drei Freundinnen und man hat ja doch nur wenig Bilder von sich", erzählt Bettina. Die Fotoaktion sollte im Freien stattfinden, nicht in einem Studio: "Dort sitzt man nur vor einer weißen Wand und muss in die Kamera reinlächeln."

Aus der Idee entstand ein kleines Projekt. "Wir sahen Aufnahmen von Mädchen mit Blumen im Haar und fanden, das sah gut aus." Doch das allein genügte nicht.

Also machten sich Christina Würstlein, Christa Gehringer und Bettina Kronecker (auf dem Bild von links) auf die Suche nach einem passenden Kleid für die Bilderserie. "Es war gar nicht leicht, ein Kleid zu finden, das gut aussah und das es in drei verschiedenen Farben zu kaufen gab."

Sie hätten lange im Internet geschaut, bis sie etwas Passendes gefunden hätten. "Das haben wir dann Linda gezeigt, und sie fand das gut." Vor den Aufnahmen wurden sie noch von Lindas Mutter geschminkt und frisiert, dann ging es los.

Übrigens liegt das Sommerparadies fast mitten in Bad Staffelstein, was man beim ersten Blick auf das Ergebnis kaum vermutet: "Die Aufnahmen entstanden hinter dem alten Haus am Kreisel an der Obermaintherme auf der Wiese."