Brigitte ("Gitti") Klitzner ist eine begeisterte Flechthandwerkerin. Sie hat für sich selbst oder mit Kursteilnehmern schon viele kreative Ideen umgesetzt. Wenn sie aber gefragt wird, welches ihr Lieblingsstück ist, muss sie nicht lange überlegen. Es ist diese Schale aus einer Baumscheibe und ungeschälter Reifweide, die einen besonderen Wert für sie hat. Deren Geschichte hat sie uns erzählt.

Der Hausgarten der Familie Klitzner/Schardt in Ebensfeld ist ein grünes Paradies, das direkt an den Kellbach angrenzt. Im Uferbereich standen drei Schwarzerlen, die vor Jahren aus Sicherheitsgründen gefällt werden sollten. Eine vierte war bereits umgefallen. Die Gemeinde setzte einen Holzverstrich an; man konnte die Bäume ersteigern, um Brennholz daraus zu machen. Verbunden war dies mit der Aufforderung, sie umgehend zu entfernen. Brigitte Klitzner sicherte sich zwei der Erlen, weil auch ihre Familie Bedarf an Brennmaterial hatte. Allerdings gab es einen Haken: Ihr Mann ist Lehrer und war gerade mit seinen Schülern auf Klassenfahrt. Da zeigte Sohn Yannik ganz spontan Initiative. Er besorgte sich Kettensäge und Schutzausrüstung, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Man muss dazu wissen: Der Junge war damals 15 Jahre alt, besuchte noch die Realschule. Aber naturverbunden sei er schon immer gewesen, gerne draußen, stellt die Mutter anerkennend fest. Yannik erledigte also das Baumfällen und sägte die Stämme anschließend in etwa einen Meter lange Stücke. So wurden sie zum Trocknen aufgeschlichtet, zwei Jahre vergingen.

Der Junge wurde erwachsen und erlernte das Schreinerhandwerk. Er wollte etwas von der Welt sehen, und das gelang ihm auch. Seit einigen Jahren arbeitet er bei einem Landschaftsgärtner in Kanada und möchte dort bleiben - vielleicht für immer.

Aus ungeschälter Reifweide

Brigitte Klitzner, die im Jahr 2011 mit Auszeichnung die Ausbildung an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung abschloss, machte aus einer Baumscheibe jener Schwarzerlen eine bemerkenswerte Schale. Sie arbeitete dabei mit ungeschälter Reifweide in der Kimmtechnik. "Das war gar nicht so einfach", erinnert sie sich, weil sie im Stehen flechten musste und das Objekt nicht befestigt war. Sie behalf sich mit Filz als Unterlage und einem großen Blumentopf als Erhöhung auf dem Tisch. Außerdem habe es recht lange gedauert, um den etwa vier Zentimeter starken hölzernen Boden von Hand so glatt zu schleifen, wie er jetzt ist.

Die Mühe hat sich ganz offensichtlich gelohnt. Wenn die Schale nun auf einem Tisch steht, hat man den Eindruck, als würde sie schweben. Leinöl verleiht der Baumscheibe einen mattseidenen Schimmer.

Mittlerweile hat die Handwerksmeisterin die Kombination Holz und Geflecht schon öfter angewendet und Vergleichbares hergestellt. Aber dieses spezielle Stück würde sie niemals verkaufen, betont sie. "An dieser Schale hänge ich. Die Schale - das ist der Yannik." Hier wurden im wahrsten Sinne Erinnerungen eingeflochten. So kann man heute noch etwas fest in Händen halten, was eigentlich der Vergänglichkeit preisgegeben war. Die Bäume am Ufer sind nicht mehr, der Junge von damals ist heute 26 Jahre alt und weit fort von daheim. Brigitte Klitzner wirkt jedoch nicht so, als ob ihr das Kummer bereiten würde. Eine Verbindung braucht nicht immer die räumliche Nähe. "Mir ist es wichtig, dass er glücklich ist", sagt sie und lächelt.

Menschen und Körbe

Der Lichtenfelser Korbmarkt bringt beides zusammen - die Faszination von Geflecht sowie Begegnungen mit und unter Handwerkern. Heuer kann der Besuchermagnet coronabedingt leider nicht stattfinden. Die Redaktion möchte deshalb mit dieser Serie besondere Flechtobjekte zeigen und die Geschichten dahinter erzählen. Wer hat welchen Lieblingskorb und warum? - Wenn auch Sie so ein Lieblingsstück haben, senden Sie uns doch eine E-Mail mit Foto an: redaktion.lichtenfels@infranken.de