Gestern in den frühen Morgenstunden kam er. Und er hinterließ eine Blutspur. Seine eigene. Der Einbrecher, männlich oder weiblich, der im Kiosk am Bahnhof einstieg und Geld entwendete, könnte also demnächst schon überführt sein.

Polizeihauptkommissar Gerald Storath von der Polizeistation Bad Staffelstein gab dem Fränkischen Tag gegenüber die Auskunft, dass die Spurensicherung vor Ort war und sich "vielleicht Anhaltspunkte ergeben". Ein "niedriger dreistelliger Betrag" sei entwendet worden, so Storath.


Der Schlüssel steckte

Kioskbetreiber Ernst Jegel weiß es etwas genauer: "Zwischen 300 und 400 Euro - lauter Münzen." Seinen Humor hat der Mann durch das Erlebte aber nicht verloren. Bei dem Gedanken, dass der Einbrecher statt die Kasse aufwendig zu knacken, "nur hätte den Schlüssel umdrehen brauchen", legt sich ein Grinsen auf sein Gesicht. "Ein Profi war das nicht."

Nein, einen Einbruch habe er nie erwartet, sagt der ältere Mann, der seit April am Bahnhof neben Süßigkeiten, Zeitungen oder Getränken auch Tickets der Bahn verkauft. Zu Arbeitsbeginn um 5 Uhr habe er die beschädigte Kasse und die Blutspuren an der Tür auf der den Taxifahrern auf dem Bahnhofsvorplatz vorbehaltenen, nicht einsehbaren Seite des kleinen Gebäudes festgestellt.

Nachdem die Spurensicherung ihrer Arbeit nachgegangen war, habe er zwei Stunden sauber gemacht. Dazu fügt er an, dass der "Vandalismusschaden viel höher" als der des Diebstahls sei.

Zwar steht kaum zu erwarten, dass derselbe Dieb in den kommenden Nächten wieder zuschlagen könnte, aber darauf will sich Jegel nicht verlassen. Der Mann geht in die Offensive: "Heute schlafe ich hier, wenn der nochmal kommt, dann kann der was erleben." Dieses Versprechen soll aber nicht nur für den Folgetag gelten, sondern bis Anfang September. "Dann kommt meine Alarmanlage und Videoüberwachung", so der wehrhafte Mann. "Ich habe alles hier: Toilette, Essen, Getränke. Zum Duschen kann ich tagsüber ja nach Hause gehen." Als ehemaliger Fernfahrer falle es ihm leicht, auf Komfort zu verzichten. Schon einmal habe man ihn überfallen wollen, damals, als er noch "Trucker" war. Solche Ereignisse schrecken ihn nicht und der Fortbestand des Kiosks sei "in keiner Weise gefährdet", lässt Jegel wissen.