Der Stadtrat hat die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens zur geplanten Erweiterung des Dolomitsteinbruchs am Deisenstein der Firma Neupert unweit von Kümmersreuth nach umfangreicher Diskussion vorerst auf Eis gelegt. Das Thema soll Gegenstand der nächsten Stadtratssitzung im Juni sein. Bis dahin hofft die Stadt, dass eine Stellungnahme des Landratsamtes vorliegt. Zudem möchte sich der Stadtrat bei einem Ortstermin bis dahin ein Bild über das Ausmaß der geplanten Erweiterung zu machen.

Die Firma Neupert beabsichtigt , ihren Steinbruch um insgesamt 16,8 Hektar in nördlicher bis nordöstlicher Richtung zu erweitern. Während der Abbauzeit von rund 30 Jahren ist eine Fördermenge von 350.000 bis 500.000 Tonnen Gestein beabsichtigt. Zum Abbau des Materials sollen Steinfräsen statt Sprengstoff zum Einsatz kommen. Der Abbau ist bis zu einer Tiefe von 65 bis 75 Meter geplant.
Mit der Erweiterung möchte das Unternehmen sowohl den Betriebsstandort wie auch die Arbeitsplätze erhalten. Von den derzeit 38 beschäftigten Arbeitnehmern sind zehn im Dolomitabbau beschäftigt.

Welche Auswirkungen bringt es?

Die Stadt wurde im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Verfahrens aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Welche Auswirkungen die geplante Erweiterung mit sich bringt, erläuterte Bauamtsleiter Michael Hess. Von der Erweiterungsfläche seien auch einige Schutzgebiete betroffen, darunter das Landschaftsschutzgebiet "Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst". In der Erweiterungsfläche befinde sich zudem das Naturdenkmal Mondstein, in dessen Umfeld ein Abbau nur mit ausreichendem Sicherheitsabstand erfolgen soll. "Dafür entsteht ein rund 70 Meter hoher Abhang", erläuterte Hess.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich weitere Naturdenkmäler wie der Kemitzenstein und der Hohle Stein. Zudem befinde sich die Erweiterungsfläche innerhalb der geplanten Schutzzone um die Schwabthaler Quellen, aus denen die Stadt Lichtenfels ihr Trinkwasser bezieht, und in der Nähe eines Trinkwasserschutzgebietes.
Laut Verwaltung sollten einige Bereiche, darunter auch die Fläche um dem Mondstein und dem Kemitzenstein, aus der Erweiterung herausgenommen werden. Damit läge die Erweiterung des Steinbruchs laut Bauamtsleiter Hess statt der geplanten 16,8 nur noch bei 11,5 Hektar.

BN ist gegen Ausweitung

Gegen eine Erweiterung spricht sich Anton Reinhardt vom Bund Naturschutz aus. Neben einer unzumutbaren Belastung für Anwohner und Urlaubsgäste wäre eine gravierende Einschränkung des Naherholungsgebietes Kemitzenstein eine weitere Folge der Steinbrucherweiterung. "Darüber hinaus würde das gesamte Landschaftsbild massiv beeinträchtigt werden", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der BN-Kreisgruppe Lichtenfels. In einem Schreiben der Rehabilitationsklinik Lautergrund wird darauf hingewiesen, dass sich die Erweiterung im Einzugsgebiet der Quellen befinde, aus der Klinik ihr Trinkwasser bezieht. Damit werde "neben der Wasserversorgung der Rehabilitationsklinik Lautergrund auch die Wasserversorgung der Orte Schwabthal und End" gefährdet.

Vorrang hat Schutz des Wassers

"Bei allen Überlegungen hat der Schutz des Grundwassers auch für Bad Staffelstein Vorrang", machte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) deutlich. Werner Freitag, Fraktionsvorsitzender der Staffelsteiner Bürger für Umwelt- und Naturschutz (SBUN), sprach sich generell gegen eine Steinbrucherweiterung aus. "Die Stadt entwickelt sich hin zu einen Kur- und Gesundheitszentrum, dazu passt eine Erweiterung nicht", argumentierte er.
Die CSU-Fraktion könnte mit einer verkleinerten Fläche leben, signalisierte Walter Mackert. Vorausgesetzt, dass das Grundwasser nicht gefährdet ist. Die Entscheidung, ob ein Steinbruch erweitert wird oder nicht, fällt in anderen Gremien, machte Winfried Ernst, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, deutlich.

"Fakten reichen nicht aus"

Für Hans Bramann (FW) reichten die auf dem Tisch liegenden Fakten nicht aus, um das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. "Es wäre einfacher, wenn die Fachbehörden schon eine Entscheidung getroffen hätten."