Seine Vita ist für einen jungen Mann schon bemerkenswert: Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Bad Staffelstein. Mit knapp 17 begann Florian Wachter eine Lehre als Winzer, jetzt mit 29 ist er "Geprüfter Techniker für Weinbau und Önologie" in Badenwürttembergs Landeshauptstadt.

Doch was treibt einen jungen Franken in die Ferne, noch dazu von der Genussregion Oberfranken, die mit ihrer Vielfalt an Bieren wirbt, mitten hinein in ein Weinbaugebiet? "Ich wollt' halt was machen, was draußen ist, da gibt es nicht allzu viel", kommt die Antwort mit noch leicht fränkischem Einschlag.

Auf eigenen Füßen

Nach einem Berufspraktikum im Bundessortenamt in Bamberg und mehreren Praktika in Michelau im Steigerwald bei einem Bio-Winzer stand Florians Entschluss schnell fest. Nach der Mittleren Reife begann er eine Ausbildung zum Winzer. Freunde und Familie wunderten sich zwar zuerst, doch Florian war es wichtig, von Anfang an auf eigenen Füßen zu stehen. Im ersten Jahr gab es nur theoretischen Unterricht in der Berufsschule in Ochsenfurt, erinnert er sich, im zweiten und dritten Jahr lernte er an der Mainschleife in Nordheim und in Castell/Kitzingen.

An den Bodensee gezogen

Damals hatte er sich ein Zimmer mieten müssen, es war mitten auf dem Dorf bei Veitshöchheim, in Gadheim. Da wusste er noch nicht, dass dieses Dorf nach dem Brexit einmal als der Mittelpunkt Europas bekannt werden würde. Und Florian Wachter wollte noch mehr: Er zog an den Bodensee, lernte dort Wein und Leute kennen und schätzen.

Die Weine am Neckar studierte er zwei Jahre lang an der Weinbautechniker-Hochschule in Weinsberg. Nun fehlte ihm zur Komplettierung der wichtigsten deutschen Weinbau-Flüsse nach Main, Neckar und Rhein nur noch die Mosel. Florian wechselte auf die andere Flussseite ins Großherzogtum Luxemburg und arbeitete dort zwei Jahre lang auf einem Weingut. Der Liebe wegen kam er 2018 zurück nach Schwaben. "Im Nachhinein isch es schon lustig", freute er sich jetzt bei einem Besuch von seiner Oma Betty Wachter. Und er zeigte ihr seine neueste Idee: Es sind "Online-Weinproben". Dabei spielte dem Neu-Stuttgarter sogar Corona noch den Ball zu.

Die Weinberge an den Rändern zum Rems-Tal sind eine hervorragende Grundlage für Weine der Spitzenklasse. Muskateller, Weiß-und Spätburgunder reifen hier, Riesling und Silvaner, dazu alte Sorten, wie der Trollinger ( in Südtirol auch Vernatsch genannt) und Lemberger (auch Blaufränkischer genannt). Von seinem Arbeitsplatz auf dem Weinberg hat Florian einen herrlichen Ausblick auf den Fernsehturm, das Wahrzeichen Stuttgarts.

Neue Geschäftsidee

Was lag da näher, als anderen Menschen die Freude an der Natur und an einem guten Tropfen näher zu bringen? Er begann in Zusammenarbeit mit seinem Arbeitgeber, dem Familienbetrieb Weingut Michael Maier, zu Verköstigungen und Führungen einzuladen. Dann kam Corona und die neue Geschäftsidee. Florian sprüht vor Begeisterung: "Die aromatische Vielfalt kennt keine Grenzen, die Regale sind voll mit Weinen aus allen Ecken der Welt. Wer eine gute Nase hat, kann sie alle unterscheiden."

Von der Nase überraschen lassen

Doch wie soll das gehen? "In Weinen der heutigen Zeit steckt viel mehr als nur vergorener Traubensaft. Tauche mit mir in die Welt der Weinaromen ein und lasse dich von deiner Nase überraschen!", macht er neugierig. Wer mehr wissen will, kann sich unter www.weinfrequenz.de informieren. Ob er wohl seine Heimat gar nicht vermisst? Die prompte Antwort: "Ich bin ja weg, weil ich daheim die Großstadt vermisst habe. Oberfranken ist ja auch nicht der Nabel der Welt. Aber es gibt etwas: Apfelstrudel und die Klöße von Oma Betty und Oma Christl." Und gelegentlich ein Bier. "Wenn ich Bier trink', dann meist nach Feierabend nach einem langen Lesetag, am besten von einer kleinen Brauerei."