Wenn Matthias Stern trainiert, tut er das meist mit angezogener Bremse. Sein vorgespannter Hund ist kräftig. Er schleppt das angehängte Mountainbike mühelos über Stock und Stein. Geschwindigkeiten bis zu 42 km/h sind möglich - wenn Matthias Stern nicht bremsen würde.
Anders im Wettkampf. Da lässt der 38-Jährige seinem Hund freien Lauf. Schließlich geht es um Schnelligkeit bei den fünf bis sieben Kilometer langen Rundstrecken der Sprintrennen. In diesem Jahr erzielte Matthias Stern mit seinen beiden Hunden mehrere Erfolge - er wurde zweifacher bayerischer Meister und schnitt bei der deutschen Meisterschaft ebenfalls gut ab. Sein nächstes Ziel ist die Europameisterschaft 2016.


Sportlich ausgelastete Hunde

Vor etwa drei Jahren seien er und seine Frau Anke zu diesem Sport gekommen, erzählt Matthias Stern.
Sie hatten sich große Hunde angeschafft, die Auslauf brauchten. Sportlich ausgelastet sind die Tiere aber nur, wenn sie sich ins Zeug legen dürfen - also wenn sie Anke und Matthias Stern auf dem Mountainbike oder dem Dog-Scooter über Wald- und Flurwege schleppen.


Tier und Mensch bilden ein Team

"Die Hunde haben Spaß daran, das merkt man ihnen an", sagt Anke Stern. Die Hunde - das sind der Deutsch-Kurzhaar "Vendel" und der Louisiana-Catahoula Leopard-Dog "Matoskah", die eine Schulterhöhe von 65 bzw. 68 Zentimetern haben. "Das sind bei uns Familienhunde, wir machen den Sport aus Spaß an der Freude", fährt sie fort. Auch beim Training ist die 37-Jährige meist zusammen mit ihrem Mann unterwegs. Das Bike-Jöring, wie der Zughundesport auch heißt, ist ein Teamsport. Mensch und Tier müssen aufeinander abgestimmt sein, und beim Wettbewerb übernimmt Anke Stern die Aufwärmphase des Hundes, während ihr Mann sich umkleidet und den Scooter oder das Bike klar macht. In diesem Sport nützt die beste Fitness nichts, wenn das Bike mangelhaft ist - die Techniker der Unterneuseser Firma Zweirad-Hofmann gehören also mit zum erweiterten Team, das die sportlichen Erfolge erst ermöglicht.


Hunde hören auf Kommandos

5000 bis 6000 Kilometer absolviert Matthias Stern pro Jahr im Durchschnitt - ohne die Hunde. Sind die intelligenten Tiere dabei, kennen sie die Strecken ganz genau, so dass Matthias Stern die Kommandos, die er auf unbekannten Wettkampf-Parcours braucht, nicht rufen muss. In schneller Fahrt, in schnellem Lauf, ist es wichtig, die Tiere zu steuern. Die Hunde befolgen Befehle wie "rechts", "links", "stop", "go", "easy" (langsam) und "vorbei".
Wer starke Hunde hat, der braucht kein E-Bike. Und sollte im deutschen Winter tatsächlich Schnee liegen, eignen sich die Tiere gut als Schlittenhunde. Natürlich nicht als Rentier-Ersatz vor dem Nikolausschlitten, sondern als Zugtiere für Kick-Sparks, zweikufige Sportschlitten mit stehendem Fahrer. Auf dem Jura gibt es dafür wunderbare Trainingsstrecken, schwärmen Anke und Matthias Stern.



Sportart und Titel

Die Sportart Bike-Jöring ist eine Form des Zughundesports, bei dem der Hund mittels einer Leine mit integriertem Ruckdämpfer an einem Fahrrad befestigt ist und dieses zieht. Entstanden ist die Sportart möglicherweise aus dem Schlittenhunderennen, wobei die Hunde in der schneelosen Zeit am Fahrrad trainiert wurden sowie aus dem Cani-Cross, also dem Joggen mit ziehendem Hund.

Titelgewinne Matthias Stern wurde heuer Sieger bei den bayerischen Meisterschaften im Bike-Jöring und Sieger mit dem Dog-Scooter. Zudem erreichte er in der nationalen Wertung der deutschen Meisterschaft den fünften Platz im Bike-Jöring und den zweiten Platz mit dem Dog-Scooter.