Franz Josef Strauß ist für viele CSU-Politiker ein Vorbild. Insbesondere für die, die während dessen Zeit als Parteivorsitzender von 1961 bis 1988 wichtige politische Ämter inne hatten. So wie Georg Würstlein, ehemaliger Bürgermeister, Stadt- sowie Kreisrat und seit Dienstag Ehrenbürger von Bad Staffelstein.


Eintrag ins goldene Buch

"Ich war schon so etwas wie ein Fan von ihm. Er hat immer das gesagt, was er gedacht hat", erinnert sich der 89-Jährige Unterzettlitzer, der jetzt neben der Parteimitgliedschaft noch etwas mit "FJS" gemeinsam hat. Die Unterschriften von Georg Würstlein, dem im einzigen öffentlichen Tagesordnungspunkt der Stadtratssitzung das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde, und dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsident rahmen im aktuellen goldenen Buch der Stadt Bad Staffelstein die beschriebenen Seiten ein.

Aus dem Jahr 1980 stammt das Signum von Franz Josef Strauß direkt hinter dem Stadtwappen. 36 Jahre später unterzeichneten Ehrenbürger Georg Würstlein, Bürgermeister Jürgen Kohmann und die Stadträte während der Verleihungszeremonie im historischen Rathaussaal am anderen Ende des wertvollen Erinnerungsstücks.

Er hat für unsere Stadt besondere Verdienste erbracht, würdigte Kohmann das Lebenswerk von Georg Würstlein, der wie sein prominentes Vorbild Franz Josef Strauß Vollblutpolitiker war, sich in seinem Wesen von ihm aber deutlich unterscheidet. "Es war für mich immer eine große Freude zu sehen, dass etwas vorangeht", sagt der Geehrte, der sich seine Bekanntheit am Obermain nicht als Lautsprecher, sondern als besonnener Mann der Tat verdiente.

Vor allem in Unterzettlitz sind die Jahre, in denen er seinen Heimatort als Bürgermeister prägte, unvergessen. Er vertrat die Interessen des Ortes "aufgeschlossen und bürgernah" (Kohmann). Unter anderem fiel der Kanalbau in seine von 1960 bis 1977 dauernde Amtszeit, während der an seiner Tür das blaue Schild des Freistaates Bayerns mit der Aufschrift "Hier wohnt der Bürgermeister" hing.


Bis 1996 im Stadtrat

Nach der Unterzettlitzer Eingemeindung wurde Georg Würstlein 1978 zum Staffelsteiner Stadtrat und zum Dritten Bürgermeister gewählt. Beides blieb er bis 1996. "Eine Institution", sagte Jürgen Kohmann. Von 1966 bis 1972 war er Mitglied des Staffelsteiner und nach der Gebietsreform von 1972 bis 1996 des Lichtenfelser Kreistags. 1985 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1989 und 1996 die Ehrenmedaillen des Landkreises Lichtenfels und der Stadt Bad Staffelstein.


Unzählige Ehrenämter

Doch nicht nur kommunalpolitisch war Georg Würstlein aktiv. Auch gesellschaftlich war der neue Ehrenbürger, neben Alfred Meixner (Ex-Rektor der Adam-Riese-Schule und ehemaliger Leiter des Stadtmuseums), Monsignore Gerhard Hellgeth und dem ehemaligen Landrat Reinhard Leutner nun der vierte lebende Bad Staffelsteins, engagiert wie kaum ein Zweiter.

In Unterzettlitz ist Georg Würstlein Ehrenvorsitzender von Feuerwehr und Gartenbauverein und war Vorsitzender der Landjugend. Er stand dem Staffelsteiner Milchhof vor und ist Ehrenmitglied der Soldatenkameradschaft der Stadt.

Doch sein Horizont endete nicht an Kreisgrenzen. In Bamberg war er im Musterungsausschuss des Kreiswehrersatzamtes und Schöffe am Oberlandesgericht. Als Vorstandsmitglied der Berufsgenossenschaft für "Selbstständige ohne feste Arbeitskräfte" tagte er in Bayreuth. Im Bayerischen Bauernverband war er Kreisobmann und außerdem Schätzer im Flurbereinigungsverfahren.

"Es ist eine Besonderheit, so viele Ehrenämter auszuüben", sagte Bürgermeister Jürgen Kohmann. "Der Schorsch hatte für jeden ein offenes Ohr."
"Ohne die Unterstützung der Familie hätte ich vieles nicht geschafft", erinnerte der Geehrte im Bräustübl Loffeld, wohin die Stadt nach der Zeremonie geladen hatte, an die vielen Stunden Freizeit, die er aufwandte. Als er dann so ins Reden kam und von den vielen Geschichten seines Lebens erzählte, merkte der Zuhörer, dass ihm dieser Dienst am Bürger aber auch sehr viel Spaß gemacht hatte.