Sieben Jahre ohne Bahnhofsklo: Eine Zeit, die mit Verdruss, Vertröstungen und manchem Verkneifen einherging, geht ihrem Ende entgegen. Am Dienstag schwebte der Toilettencontainer vom Kranwagen auf den vorgesehenen Platz neben dem Bahnhofsgebäude, wo das Fundament mit den erforderlichen Anschlüssen bereits erstellt war.

Noch leuchten rote Lämpchen, eigentlich das Signal dafür, dass die jeweilige Kabine besetzt ist, über den drei Türen. Ab nächster Woche aber soll die Toilettenanlage dann funktionieren. Für Freitag, 20. November, hat die Stadt Lichtenfels die offizielle Inbetriebnahme angekündigt (wie auch immer man sich das vorstellen darf...).


Ein Politikum

Das WC am Bahnhof war immer wieder vorgebrachte Forderung wie auch Politikum. Es wurde im Stadtrat diskutiert, in Radio und Zeitung berichtet und im Fasching gespottet. Ein kreativer Kopf zählte auf seiner Webseite gar die Tage seit Schließung der damals dringend sanierungsbedürftigen Bahnhofstoilette. Die Bahn ließ ihre Kunden im Regen stehen, verwies auf die Zugtoiletten, für deren stete Benutzbarkeit es, wie man weiß, ja auch keine Garantie gibt.

Die Stadt übernahm schließlich das, was eigentlich Aufgabe der Bahn gewesen wäre, und entsprach damit auch der Erwartung vieler Besucher an eine Kreisstadt, die am Bahnhof ihren Busbahnhof hat. Eine finanzielle Unterstützung in einer Größenordnung von 37.000 Euro gibt es aus Mitteln für den Öffentlichen Personennahverkehr vom Freistaat.

Für die Stadt bedeutete die viel diskutierte Entscheidung zunächst eine Ausgabe von rund 200.000 Euro. In Fundament und Anschlüsse wurden um die 15.000 Euro investiert. Einen Beitrag etwa in dieser Höhe hat die Bahn zugesagt, die ferner Wasser, Strom und den Standplatz stellt.

Der Container mit Damen-, Herren- und Behindertentoilette kostet 185.000 Euro. Automatische Sitzbrillenreinigung inklusive, denn man soll die Toilette ja auch benutzen mögen, wenn man schon muss. Umsonst wird das allerdings nicht möglich sein, 50 Cent kostet das Geschäft. Erst wenn die entsprechenden Münzen eingeworfen wurden, lässt sich die Tür öffnen.

Wer sich zu einer längeren Sitzung zurückziehen will, sollte allerdings wissen, dass sich die Kabinentüren nach 20 Minuten Verschlusszeit automatisch wieder öffnen - um missbräuchlicher Nutzung vorzubeugen. Derzeit werden, wie Stadtkämmerer Johann Pantel auf Nachfrage mitteilte, Serviceverträge geschlossen. Mit der regelmäßigen Reinigung der Toilettenanlage will die Stadt eine örtliche Firma beauftragen. Auch diese Kosten bleiben künftig an der Stadt hängen.

Und während man draußen den Toiletten-Container beheizt, stehen im Bahnhofsgebäude weitere Räume leer. Das ist und bleibt ein unbefriedigender Zustand, zumal im Frühjahr bereits von massiven Feuchtigkeitsschäden zu berichten war. Der Lichtenfelser Bahnhof ist nämlich keine bloße Haltestation, sondern eine Visitenkarte, ein stadtbildprägendes Gebäude, das obendrein unter Denkmalschutz steht.