Für einen ersten Überblick erscheint das "IHK-Standortportal Bayern" ideal. Es bietet eine "komfortable Kartensuche" im Internet an. Wer Gewerbeimmobilien oder verfügbare Gewerbeflächen sucht, kann das Entsprechende anklicken und den gewünschten Standort eingeben. Mit einem Tastendruck bekommt er eine Liste mit Vorschlägen. Darauf gibt es Informationen zu den jeweiligen Flächen, sogar die Entfernung zum nächsten Flughafen sowie Autobahnanschluss wird genannt. Doch wie bei vielen Onlineportalen steht und fällt der Nutzwert mit der regelmäßigen Aktualisierung. Acht Treffer gibt die Suchmaschine für Gewerbeflächen im Landkreis Lichtenfels aus, bei den beiden in Ebensfeld steht "Stand 2012" dran. Wir fragen nach und erfahren, dass die Flächen - an die 25 Hektar insgesamt - noch verfügbar sind. Anders bei Bad Staffelstein: Hier bleibt die Online-Suche über dieselbe Plattform erfolglos, obwohl sehr wohl auch dort Flächen verfübar sind, wie wir von Bauamtsleiter Michael Hess erfahren. Er erklärt das so: Im Standortportal würden die Flächen nur auftauchen, wenn Eigentümer, die angeschrieben wurden, Rückmeldung gegeben und Verkaufsbereitschaft signalisiert haben.

Dabei gibt sich die Stadt Mühe, um einen aktuellen Überblick zu bekommen und vor allem Baulücken anbieten zu können. Denn im Freistaat wurde die Prämisse ausgegeben, dass Innenentwicklung Vorrang vor Neuausweisungen auf der grünen Wiese haben sollte. "Wir versuchen, die Leute zu sensibilisieren", sagt Hess. Nach einer Pause von zwei Jahren hat die Stadt erst im Juli/August erneut Baulücken ermittelt und rund 250 Grundstückseigentümer angeschrieben. Ein großer Aufwand, der einen Mitarbeiter bestimmt zwei Tage beschäftigt.

Rund 250 Briefe verschickt

Der Rücklauf sei eher spärlich ausgefallen, sagt Hess. Dabei sei man dankbar für jede Antwort, auch wenn sie - wie bei den meisten derzeit - laute, "momentan möchten wir nicht verkaufen". Gewerblich nutzbare Restflächen seien schon vorhanden, weiß der Bauamtsleiter, und zählt auf: etwa 7000 Quadratmeter bei der Bischof-von-Dinkel-Straße, etwa zwei Hektar beim Frankenring nahe der "Alka", alle in Privateigentum.

Auch Brachen sind gefragt

Auch Industriebrachen werden nachgefragt. Die sind allerdings von außen nicht so ohne Weiteres erkennbar. Der Vorteil einer kleinen Kommune besteht darin, hier eher etwas zu bemerken und weiterhelfen zu können, meint Hess: "Man kennt seine Stadt und die Örtlichkeiten", könne dann Vermittlungsgespräche führen.

Wohlgemerkt: vermitteln, aber nicht makeln, wie Andreas Eberlein von der Stadt Lichtenfels unterstreicht. "Wir leiten Anfragen weiter, unterstützen." Maklern mache man aber keine Konkurrenz. Etwa einmal die Woche gebe es Nachfragen nach Bauland - sowohl von privat als auch gewerblicher Art, schätzt der Leiter des Sachgebiets Städtische Liegenschaften, der auch zuständig ist für Fragen zu Gewerbeansiedlungen und Grundstücksangelegenheiten. In der Stadt Lichtenfels wurde in den vergangenen Jahren sehr viel ausgewiesen. Das größte Verfahren in letzter Zeit war das Gewerbegebiet "An der Zeil II" mit 33 Hektar. Etwa fünf davon sind noch verfügbar, auf der gegenüberliegenden Straßenseite ("An der Zeil I") noch etwa 1,7 Hektar. Verfügbar wären auch noch unter zwei Hektar große Flächen im Gewerbegebiet Seubelsdorf, das durch den Firmenneubau von Concept Laser/GE eine immense Entwicklung erfahren hat. Doch die Ausweisung des Geländes war nicht neu, nur die Nutzung durch das eine große Unternehmen. Entlang des Reundorfer Wegs baue gerade Microfol, zählt Eberlein weiter auf, und merkt an: "Wir haben noch Puffer."

Die Empfehlung aller Befragten lautet: Sich nicht auf irgendwelche Karten oder Immobilienportale verlassen, sondern den direkten Kontakt in die Rathäuser suchen.

Neuansiedlungen sind für Kommunen aus mehreren Gründen attraktiv, zuvorderst wegen der Arbeitsplätze und der Gewerbesteuer. Wenn es um einen bewussteren Umgang mit den Ressourcen geht, ist die Abhängigkeit der Städte, Märkte und Gemeinden von dieser wichtigen Einnahmequelle ein Nachteil. Denn: Jeder muss schauen, wo er bleibt, wie er wichtige und wünschenswerte Vorhaben finanzieren kann. Da ist man wenig geneigt, über den Tellerrand zu schauen, ob nicht vielleicht ein anderer Standort, in einer Nachbarkommune etwa, verträglicher für Umwelt und/oder Landschaftsbild wäre. Obwohl doch gerade eine solche Gesamtschau letztlich dem Gemeinwohl dienen würde.

Die Krux der Gewerbesteuer

Einen Ausgleich herstellen zwischen Kommunen, die im Speckgürtel von Industrie und Gewerbe sitzen, und solchen, die diesbezüglich von der Geografie oder den Möglichkeiten her benachteiligt sind - diese Forderung vertritt auch Bernhard Storath seit langem. Der Ebensfelder Bürgermeister ist Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags. "Aber das ist schwer durchzusetzen", weiß er. Denn die Großstädte haben durch die Gewerbesteuer Rieseneinahmen und dementsprechend auch eine Lobby. Da werde sich keine Landesregierung ranwagen.