"In jedem Oberbayern fließt ein Teil fränkisches Blut", sagt Thomas Petrak und lacht. Der Kreisgeschäftsführer des BRK Lichtenfels meint das natürlich nicht aus Sicht eines Ahnenforschers, er spricht ein anderes Thema an: Im Norden Bayerns wird viel Blut gespendet. Die Quote ist am höchsten in Unter- und Oberfranken mit 8,3 und 8,1 Prozent der geeigneten Spender. Oberbayern liegt bei nur 3,1 Prozent. Immerhin, die Bayern spenden im Schnitt immer noch mehr als die Bundesbürger insgesamt, 5,3 statt 3,5 Prozent. Bayerisches Blut dürfte also auch in den Adern von Nordlichtern vorhanden sein. Täglich werden in Bayern 2000 Blutspenden zur Versorgung von Kranken und Verletzten benötigt.

Der Landkreis Lichtenfels ist in Bayern vorne mit dabei: Hier liegt die Spendenquote bei 12,5 Prozent, knapp hinter dem Landkreis Haßberge mit 12,75 Prozent, dem Spitzenreiter, zeigt die Statistik des Blutspendedienstes des BRK.

Woran das liegt? Petrak führt zwei Punkte an: "Das Blutspenden hat bei uns in der Region Tradition, das gibt es schon seit den 60er Jahren." Dazu komme noch die Struktur des Landkreises. "Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle: In großen Städten wird viel weniger gespendet als auf dem Land. Wir haben hier keine großen Städte."

Es dauert rund 15 Minuten, bis der halbe Liter Blut im Spendenbeutel ist, das ganze Prozedere einschließlich Voruntersuchung und Nachbeobachten dauert rund eine Stunde. Männer dürfen bei einem Mindestabstand von 56 Tagen sechsmal in zwölf Monaten spenden, Frauen viermal.

Früher wurden Blutspenden vor allem nach Verkehrsunfällen benötigt. Doch das hat sich komplett gewandelt, heute steht dies auf Platz 4 der Einsatzgebiete. "Die Zahl der Unfallopfer und -verletzten ist drastisch gesunken, im vergangenen Jahr lag sie nur noch bei rund 3000 Toten", sagt Petrak. Zum Vergleich: 1970 waren es noch 21 332 Tote gewesen.

Heute sind es vor allem Organspenden von Herz, Leber und Lunge, die ohne genügend Blutspenden nicht denkbar wären. "Hier benötigt man viel Blut, ein Organ ist kein Ersatzteil, das man einfach so auswechselt. Blutspenden ist also auch eine Art von Organspende."

Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt: "Wer Blut spendet, tut auch etwas für die eigene Gesundheit", sagt Petrak. Vor jedem Spenden werde man von einem Arzt untersucht, von Zeit zu Zeit bekomme man Blutwerte. Da bleibe das Thema immer auf der Tagesordnung. Petrak ist natürlich selber Spender, und das regelmäßig. Er besitzt einen goldenen Spenderausweis, weil er die Marke von 100 Spenden überschritten hat.