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Kloster Banz
Literatur

Die Bücher vom "Ochsensepp" stehen in Banz

Ein Teil der Bibliothek von Josef Müller befindet sich in Banz. Wir stöberten in den Regalen, um zu sehen, was der CSU-Gründer im Bücherschrank hatte.
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In der Franz Josef Strauß-Suite des Bilungszentrums Kloster Banz sind Teile der Bibliothek des "Ochsensepp" untergebracht, die seine Tochter Christa der Hanns-Seidel-Stiftung Ende der 1990er-Jahre vermacht hatte. Auf dem Tisch steht ein Porträt von Josef Müller. Foto: Matthias Einwag
In der Franz Josef Strauß-Suite des Bilungszentrums Kloster Banz sind Teile der Bibliothek des "Ochsensepp" untergebracht, die seine Tochter Christa der Hanns-Seidel-Stiftung Ende der 1990er-Jahre vermacht hatte. Auf dem Tisch steht ein Porträt von Josef Müller. Foto: Matthias Einwag
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Alte Bibliotheken haben oft etwas Geheimnisvolles, etwas Magisches. Der Besucher fühlt, dass auf Tausenden und Abertausenden von Seiten die geistigen Impulse von Generationen festgehalten sind. So ist das auch bei der Bibliothek von Josef Müller. - Josef wer? Kaum einer aus den nachwachsenden Generationen kennt diesen Mann noch, der den Älteren unter seinem Spitznamen "Ochsensepp" ein Begriff ist. Der Rechtsanwalt und NS-Widerstandskämpfer gehörte zu den Gründern der CSU, war 1946 bis 1949 deren erster Vorsitzender, gehörte dem Landtag an und war Justizminister.

Die Luft ist trocken in dem Eckzimmer der FJS-Suite im zweiten Stock des ehemaligen Klostergebäudes. Durch ein Fenster sind Lichtenfels und das Maintal zu sehen, durch ein anderes fällt der Blick auf den Bruderhof, einen hübschen Innenhof mit Biergartencharakter, den die Hanns-Seidel-Stiftung im Sommer für Empfänge nutzt.


Nachlass in München und Banz

"Der Aktennachlass Josef Müllers ist bei uns in München", sagt Andreas Bitterhof, stellvertretender Leiter des Archivs der Hanns-Seidel-Stiftung. Ende der 1990er-Jahre habe die Stiftung zudem viele Bücher aus dem Nachlass Josef Müllers von dessen Tochter Christa bekommen. Diese Bände wurden aus Platzgründen nach Banz abgegeben - und weil Müller ein gebürtiger Oberfranke aus Steinwiesen war.

"Wenn es überhaupt einen geeigneten Ort gibt, diese Bücher in Banz aufzustellen, dann in der FJS-Suite", sagt Michael Möslein, Verwaltungsleiter des Bildungszentrums der Seidel-Stiftung in Banz. Er habe passende Regale angeschafft, um die rund 500 Bücher des "Ochsensepps" angemessen unterzubringen.


Von Bonhoeffer bis Stauffenberg

Vor allem Literatur über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus findet sich in diesen Regalen. Biographien über Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Ludwig Beck, Claus Schenk Graf Stauffenberg und Carl Goerdeler. Erinnerungen von Carlo Mierendorff, Alfred Delp, Hans Bernd Gisevius, Fabian von Schlabrendorff und Eugen Gerstenmaier. Viele dieser Männer kannte er persönlich. Zu finden sind ferner 16 Bände "Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher" aus den Jahren 1947 bis 1949 - und zahlreiche Werke, die sich mit der Rolle der Kirche und vor allem der Bischöfe im Dritten Reich befassen. All das, was er real erlebt hatte, las Josef Müller in diesen Büchern nach. Ironie dabei: In manchem Buch kommt er selbst vor, wie den Namensregistern zu entnehmen ist.

Der Münchner Weihbischof Johannes Neuhäusler schenkte Josegf Müller sein Buch "Kreuz und Hakenkreuz" ("Imprimatur 11. März 1946"). In Sütterlin schrieb er dem "Herrn Staatsminister a. D." diese Widmung hinein: "In Dankbarkeit für furchtlose Hilfe im Kampf gegen den Nationalsozialismus".

Und woher kommt der Name "Ochsensepp"? Josef Müller wurde schon seit seiner Kindheit so genannt, weil er während der Ferien mit einem Ochsengespann Mist beförderte, um sich ein Taschengeld zu verdienen. Man sagt, dass ihn sogar US-General Lucius D. Clay so nannte - allerdings anglisiert: "Oxenjoe"





Josef Müller - Widerstandskämpfer und erster Vorsitzender der CSU


Eckdaten Josef Müller ist am 27. März 1898 in Steinwiesen bei Kronach geboren; er starb am 12. September 1979 in München. Müller war in der Weimarer Republik Abgeordneter der Bayerischen Volkspartei und nach 1945 der erste Vorsitzende der CSU. Bekannt wurde er unter seinem Spitznamen "Ochsensepp".

Widerstand In den Jahren nach der NS-Machtübernahme gehörte Josef Müller dem katholischen Widerstand an und verteidigte als Rechtsanwalt NS-Gegner vor Gericht. Als Widerstandskämpfer hatte er Kontakte zur Abwehr unter Canaris und Oster. Im Auftrag von Oster versuchte er 1939/40, über den Vatikan einen Verständigungsfrieden mit England herbeizuführen für den Fall, dass Hitler gestürzt wurde. Anfang April 1940 scheiterte der praktisch letzte Versuch, die Wehrmachtsführung doch noch zu einer Aktion gegen Hitler zu bringen. Anfang Mai 1940, kurz vor dem Beginn des deutschen Westfeldzugs, gab Müller Informationen über den bevorstehenden Angriff an seine Verbindungsleute in Rom weiter.

Vatikan Müller musste seine Tätigkeit weitgehend einstellen, nachdem Heydrichs SD begonnen hatte, Ermittlungen über den ihm bekanntgewordenen Verratsfall anzustellen. Nach einem Schreiben des deutschen Diplomaten Fritz Menshausen, Botschaftsrat an der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl, an Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione, wurde Prälat Ludwig Kaas als Drahtzieher einer möglichen Verschwörung identifiziert, die auch Müller und den Jesuitenpater und päpstlichen Vertrauten Robert Leiber einbezog. Diese überaus gefährlichen Geheimkontakte Josef Müllers liefen in Rom über Professor Leiber, der quasi die Rolle des Privatsekretärs von Papst Pius XII. ausübte. Von Pater Leiber aus führte der Kontakt direkt zum Papst und über diesen zu dem britischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Sir Francis d'Arcy Osborne.

Kriegsende 1943 wurde Müller von der Gestapo verhaftet. Aus dem Berliner Gestapo-Gefängnis kam er zunächst in das Konzentrationslager Buchenwald. Am 3. April 1945 wurde er in das KZ Flossenbürg und schließlich ins KZ Dachau verbracht. Im April 1945 gehörte Müller zu einer Gruppe von über 130 "Sonder- und Sippenhäftlingen" aus dem KZ Dachau, die nach Südtirol als Geiseln verbracht wurden und dort das Kriegsende erlebten. wikipedia/ME
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