Bergmannsee, Wörthsee, der Main und im Norden des Ortes Flutmulden und Weiher. Rund um Wiesen gibt es jede Menge Wasser. Die Einwohner schätzen das. Der main und die Seen tragen zur Idylle des rund 300 Einwohner großen Dorfes bei und laden zu einer Erfrischung ein.

Eine fünfte Wasserstelle aber ist vielen ein Dorn im Auge. Etwa 100 Bewohner haben bereits vor rund einem Jahr eine Resolution unterzeichnet und fordern die Wiederauffüllung des 15 Hektar großen Baggersees, der südlich des Ortes als Folge des Kiesabbaus entstanden ist.


Wertvolles Ackerland verloren

"Wir wollen, dass der Baggersee so weit wie möglich wieder verfüllt wird.
Es geht um wertvolles Ackerland, das auf Dauer verloren geht", sagt Hans Bramann (Freie Wähler). Der Stadt- und Kreisrat ist gleichzeitig Ortssprecher von Wiesen und hat in dieser Funktion die Unterschriften an den Zweiten Bürgermeister von Bad Staffelstein, Hans Josef Stich (CSU), übergeben.

Hans Bramann betont, dass sich die Resolution nicht gegen den Baggersee und die Kiesgewinnung generell richte. Ziel sei es aber, jene Ackerflächen, die von Eigentümern aus Wiesen und von der Stadt Bad Staffelstein für die Kiesgewinnung verkauft, beziehungsweise verpachtet wurden, in möglichst naher Zukunft wieder landwirtschaftlich nutzbar zu machen - im besten Fall für die ursprünglichen Besitzer.

Ein Anliegen, das durchaus auf Verständnis trifft. Man sei diesbezüglich im Gespräch mit Stadt sowie Landrats- und Wasserwirtschaftsamt, sagt Johann Förtsch, Geschäftsführer der Kiesgewinnung Schramm aus Trieb. Das Unternehmen fördert bei Wiesen seit 2014 Kies. Fünf Meter tief wird gebaggert, 350 000 Kubikmeter wurden schon aus dem Boden geholt. Bis etwa 2025 sollen es eine Million Kubikmeter sein. Förtsch: "Wir haben Interesse daran, zu verfüllen und die Flächen an Bauern und Angelvereine zu verkaufen."


Stadt unterstützt Vorhaben

Und auch die Stadt Bad Staffelstein unterstützt die Wiesener. Bauamtsleiter Michael Hess: "Der Stadtrat hat im November 2014 einen entsprechenden Beschluss gefasst." Der bestehende Rekultivierungsplan solle zugunsten größerer Ackerflächen geändert werden.

"Wir haben bereits 100 000 Kubikmeter wieder aufgefüllt", berichtet Johann Förtsch von der Firma Schramm. Deutlich ist eine aufgeschüttete Landzunge zu sehen, die den See weitgehend in zwei Hälften teilt. Das gesamte Wasser wurde in eine Hälfte gepumpt, die andere besteht aus schlammigem Untergrund und Pfützen. "Dadurch können wir einerseits besser überprüfen, wo noch Kies förderbar ist, und andererseits lässt sich Schlammboden besser verfüllen als Wasserfläche."

Einen Haken hat die Sache allerdings: "Die gesetzlichen Vorgaben für Auffüllmaterial sind sehr streng", sagt Förtsch. Nur sogenannte Z0-Materialien, die als unbelastet gelten, dürften verwendet werden. Diese erhalte man zum Beispiel beim Neubau eines Wohnhauses; sie seien aber meist nicht im benötigten Umfang verfügbar. "In der Regel haben wir Material für ein Drittel der Fläche."


Paradebeispiel Rudufersee

Als Beispiel dafür, wie eine Kiesförderstelle im Nachhinein aussehen kann, nennt Johann Förtsch den Rudufersee zwischen Michelau und Schwürbitz, der nun ein beliebter Badeort ist.

"Drei Jahre nach Abbauende ist die Renaturierung meistens durch", sagt der Geschäftsführer. Die Fläche bei Wiesen solle dann aber - so die aktuellen Gedankenspiele - nicht zum Schwimmen, sondern umfangreich landwirtschaftlich genutzt werden. Johann Förtsch spricht von "70 Meter Fläche von der Straße aus". Nebenan soll - etwa dort, wo er jetzt auch ist - ein See bestehen bleiben, für den man einen Angelverein finden möchte. Die Fläche zwischen See und Main soll ein vom Wasserwirtschaftsamt betreutes Biotop mit Flachwasserzonen werden.
In Stein gemeißelt ist das alles noch nicht, das weitere Vorgehen werde - so Bauamtsleiter Hess - in Abstimmung mit allen Beteiligten inklusive den Wiesenern erfolgen. Eine Aussage, die bei Hans Bramann "berechtigte positive Hoffnung für die Zukunft" wachsen lässt.