Andreas Pratsch hat eine Marktlücke entdeckt. Der gelernte Metallblasinstrumentenmacher stellte fest, dass über 4500 Musiker aller möglichen Formationen in Westoberfranken, Ostunterfranken und Südthüringen aktiv sind. An diese Klientel wendet er sich mit der Instrumentenwerkstatt, die er Ende 2016 in Nedensdorf gründete.
Und das kam so: Schon immer hatte Andreas Pratsch ein Faible für die Musik. Bereits als Junge spielte er Bariton bei der Weisachtaler Blasmusik in Maroldsweisach, wo er aufgewachsen ist. Irgendwann ergab sich für ihn die Möglichkeit, einen Instrumentenbauerbetrieb zu besuchen. Von diesem Augenblick an war Andreas Pratsch sicher: "Genau das willst du machen."

Er begann eine dreijährige Lehre als Metallblasinstrumentenbauer in Waldkraiburg, besuchte die Geigenschule in Mittenwald und arbeitete als Instrumentenmacher in Waldkraiburg, Tütschengereuth und Kronach. Währenddessen bildete er sich weiter fort und widmete seine Freizeit der Blasmusik - unter anderem als Dirigent beim Musikverein Wallenfels. Nach der Hochzeit mit der Brauertochter Daniela Reblitz zog er nach Nedensdorf, wo er sich jetzt selbstständig machte. Potenzial in der Region sieht der 31-Jährige für diesen Dienstleistungsbetrieb allemal: "Ich möchte mit meinem Unternehmen den Musikern eine Möglichkeit bieten, ihre Blasinstrumente fachmännisch reparieren zu lassen." Blech- und Holzblasinstrumente wohlgemerkt - die Technik ist die gleiche.


"Ein Instrument hat eine Seele"

Den Instrumentenbau hat Andreas Pratsch von Grund auf gelernt. "Man fängt wirklich mit einer Blechtafel an", sagt er. Aus diesem Stück Messing schneidet der Instrumentenbauer die Teile aus und verlötet sie dann sorgfältig. "Wer reparieren will, muss wissen, wie ein Instrument aufgebaut ist", fährt er fort, doch grundsätzlich seien die Herstellung und die Reparatur zwei unterschiedliche Berufe. "Ein Instrument hat eine Seele" - das sagt einer, der all die vielen Arbeitsschritte kennt, die erforderlich sind, um aus einem Stück Messing eine Tuba zu erschaffen. Viele Dutzend Einzelteile gilt es zu formen, und es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, um aus Schallstück, Druckwerk und Ventilen ein Instrument zusammenzubauen.

Am liebsten repariert Andreas Pratsch jene Instrumente, bei denen nicht auf den ersten Blick klar ist, woran es hapert. Er liebt diese Herausforderung und tüftelt gern an gebrauchten Instrumenten, die eine gewisse Individualität besitzen. "Keine Reparatur ist wie die andere", beschreibt er den Reiz dabei.

Eine seiner beruflichen Aufgaben sieht er im Beraten der Musiker. Für ihn gehört es zur Dienstleistung dazu, dem Kunden zu sagen, ob sich eine Generalüberholung überhaupt lohnt. "Ist's einem das wert?", das sei die grundsätzliche Frage. "Bei einem guten Instrument kann man den Anschaffungspreis durchaus in eine Reparatur investieren", ergänzt er. Bei weniger hochwertigen Instrumenten aus fernöstlicher Produktion komme es von Fall zu Fall darauf an, ob eine Reparatur lohne oder ob eine Neuanschaffung besser wäre: "Minderwertiges Material macht auch Schwierigkeiten beim Reparieren."


Von der Hilfe bis zur Selbsthilfe

"Jeder, der auf sein Instrument achtet, kann es in gewissem Maß selbst pflegen - aber irgendwann sollte es mal in die Werkstatt", erklärt er. In seinem Angebots- und Servicekatalog hat er deshalb Kurse und Workshops rund ums Thema Selbsthilfe und Pflege aufgenommen. Eine Faustregel, wie oft ein Instrument in die Werkstatt gebracht werden sollte, gebe es nicht. Das sei davon abhängig wie oft - oder wie selten - es benutzt wird. Blech und Holz mit Spezialölen zu pflegen sei ratsam. Das Überholen der Ventile und Einfetten der Züge führe sicher zu größerer Freude am Musizieren.

Ob er schon einmal ein besonderes Instrument gebaut hat? Ja, antwortet Andreas Pratsch und lächelt: "Ich habe einmal ein Instrument umgebaut für jemanden, der einen Finger verloren hatte."