538 beziehungsweise 536 Meter hoch erheben sich die Zwillingshügel des Kordigast über dem Maintal. Sie gehören teilweise zur Gemeinde Altenkunstadt, teilweise zur Stadt Weismain.
Der Kleine Kordigast, der höher ist, aber die geringere Fläche einnimmt, ist eher etwas für geübte Wanderer und besticht durch seine Ruhe. Der Große Kordigast ist leichter zu erreichen. Von seinem Gipfelplateau aus hat man einen wunderschönen und weitreichenden Ausblick. Dennoch sind hier Touristen im Vergleich zum Staffelberg relativ selten.
Das Landratsamt hat sich einiges einfallen lassen, um das zu ändern. Der Plan: Für die Erstinvestition - 400 000 Euro stehen Presseberichten zufolge im Raum - sollen umfangreiche Zuschüsse über das Leader-Programm beantragt werden. Die Europäische Union fördert damit innovative Aktionen in ländlichen Regionen. Den Restbetrag begleicht - so die Pläne - der Landkreis. Folgekosten für Unterhalt und Reparaturen hätten die drei beteiligten Kommunen Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain zu tragen.


Pläne kontrovers diskutiert

Allerdings gab es von Kommunalpolitikern wie Privatpersonen teilweise heftige Kritik. Derzeit werden die Vorschläge in einer Projektgruppe beraten. Ihr gehören neben Stadt- und Gemeinderäten auch die Kordigastgastwirte und die Rechtlervereinigung Pfaffendorf an, die große Waldflächen am Berg bewirtschaftet.
Wir haben die Bürgermeister Robert Hümmer (CSU/Altenkunstadt) und Udo Dauer (CSU/Weismain) mit einigen Plänen konfrontiert.
Felsplateau freilegen: Rund um den Gipfel des Großen Kordigast, der auf Altenkunstadter Gebiet liegt, sollen Bäume und Büsche entfernt werden, um den Ausblick zu verbessern. Robert Hümmer: "Wenn das naturnah geschieht, bin ich dafür."
Eingänge der historischen Bergwerke nachbilden: Am Kordigast wurden früher Bodenschätze abgebaut. Die Stollen sind zugewachsen und teilweise eingefallen. Eine Beschilderung sei denkbar, eine Wiederherstellung wohl aber schwer umzusetzen - so der Tenor der Bürgermeister.
Abenteuerspielplatz: Hier soll die Natur erlebbar werden. Neben Klettermöglichkeiten steht auch eine Palisadenwand zur Diskussion. Als Standort ist ein Gelände zwischen den beiden Gasthäusern an der Abzweigung zum Großen Kordigast angedacht. Robert Hümmer: "Nicht nur Kinder, sondern die ganze Familie soll dort spielen können." Für Udo Dauer ist die Vernetzung mit der Gastronomie wichtig: "Wer aktiv ist, hat hinterher Hunger und Durst."
E-Quad-Strecke: Hieran entzündete sich Kritik. Der Geschicklichkeitsparcours sollte oberhalb der Schürfstelle beim Gasthaus "Waldfrieden" entstehen. Geplant war ein 170 Meter lange Rundkurs aus Holzhackschnitzeln. "Ich persönlich wäre dafür gewesen", sagt Robert Hümmer. Und auch Udo Dauer ergänzt: "Ich habe so etwas mal in Österreich gesehen, das war sehr schön." Nach der Kritik sei das Projekt - so Hümmer - aber zurückgestellt.
Naturlehrpfad: Neben der Historie rund um die frühzeitlichen Keltensiedlung hat der Kordigast auch aus Naturgesichtspunkten viel zu bieten. So ist das Wachstum der Mehlbeerenart Sorbus cordigastensis nur dort nachgewiesen. Robert Hümmer: "Für Schulausflüge ein interessantes Thema."
Freizeit-Buslinie: Ein Shuttle-Verkehr soll Ausflügler vom Burgkunstadter Bahnhof zum Kordigast bringen. "Sicherlich sinnvoll", sagt Robert Hümmer. Udo Dauer sieht den Plan eingebettet in den Tourismus des gesamten Kreises. "Urlauber aus Bad Staffelstein sollten auch mal zum Kordigast und ins Kleinziegenfelder Tal kommen können."





Kordigastkenner fordern Veränderung mit Maß und Ziel


Nur wenige kennen ihn so gut wie sie. Lisa Göhring und Ludwig Winkler sind zwei Originale am Kordigast. Sie ist die Gastwirtin der "Steinernen Hochzeit", er war als Förster für die dortigen Wälder zuständig und weiß, wo die nur hier nachgewiesene Kordigast-Mehlbeere wächst.
"Wir wollen keinen Massentourismus. Der Kordigast soll Ruhezone bleiben", sagt Winkler, der seit 20 Jahren für die Freien Wähler im Altenkunstadter Gemeinderat sitzt. Eine generelle Aufwertung unterstützt er.

"Mit Ausnahme der E-Quadbahn finde ich alle Vorschläge gut. Aber mit Maß und Ziel." Vor allem bezüglich der Parkplatzsituation sieht er Handlungsbedarf. Bei der "Steinernen Hochzeit", wo derzeit Kinder unbeschwert auf der Straße spielen, dürfe kein Durchgangsverkehr herrschen. Deshalb schlägt er einen weiteren Parkplatz vor - von Weismain kommend vor der Gaststätte.

Auch der geschotterte Weg, der von Altenkunstadter Seite zum Wanderparkplatz nahe dem Gasthaus "Waldfrieden" führe, sei marode. Zwar plädiert Winkler dafür, diesen nicht zu asphaltieren aber es müsse etwas gemacht werden.

Das ist eine Ansicht, die Lisa Göhring unterstützt. "Wir kommen die Straßen kaum hoch, Teer brauchen wir aber nicht", sagt die 47-Jährige, die auf dem Kordigast aufgewachsen. Momentan betreibt sie die "Steinerne Hochzeit"nebenbei, die von ihrer Familie seit 61 Jahren und mittlerweile in dritter Generation geführt wird.

Das soll aber nicht so bleiben, sie will die Gaststätte weiterentwickeln. Ihr Traum: "Ich möchte davon leben können." Die Organisation von Kindergeburtstagen und Übernachtungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter bietet sie schon an.

Zusätzlich denkt Lisa Göhring an Wochenenden für Firmen, die mit Wettkampfspielen den Teamgeist fördern möchten.





"Komunen sind am Zug"

Das Landratsamt hat mit Aufwertungsideen die Diskussion um den Kordigast angekurbelt. Mit Pressesprecher Andreas Grosch sprachen wir über das weitere Vorgehen der Behörde.

Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Kordigast?
Andreas Grosch: Die Aufwertung ist weiterhin unser erklärtes Ziel. Jetzt braucht es aber konkrete Ideen.

Die Kommunen beraten nun in einer Projektgruppe. Wie bewertet das Landratsamt das und bis wann sind Ergebnisse gewünscht?
Wir bewerten das sehr positiv. Konsensentscheidungen der drei beteiligten Kommunen führen zur breiten Zustimmung des Projektes in der Bevölkerung. Das ist nicht nur im Leader-Prozess erwünscht und sinnvoll. Es wird davon ausgegangen, dass nach den Sommerferien ein tragfähiges Grobkonzept vorliegt.

Einige geplante Projekte stießen auf Kritik, andere werden für sinnvoll erachtet. Was sagt der Landkreis dazu?
Eine größere Investition macht Sinn, wenn die "Reichweite" des späteren touristischen Angebotes größer ist, das heißt die Strahlkraft der Projekte sollte über den Kreis hinaus wirken. In der ersten Projektgruppensitzung hat sich die Mehrheit von der Idee einer E-Quad-Bahn distanziert, die Idee eines Abenteuerspielplatzes wurde weiter verfolgt. Aktuell sind die drei Kommunen Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain am Zug, ihre Vorstellungen einfließen zu lassen.

Gab es Fehler bei der Informationspolitik?
Hier gebe ich eine Aussage des Landrats wieder, wonach es besser gewesen wäre, nur eine Großveranstaltung vor Ort zu machen. Künftig werden wir versuchen, die Bürger eher einzubinden. Es soll über das Projekt geredet werden, nicht über die Informationspolitik.

Das Gespräch führte Andreas Schmitt





KOMMENTAR


Es ist an der Zeit, Werbung zu machen

Wikipedia-Artikel, Wanderführer, private Blogs. Wer "Kordigast" googelt, findet allerhand über den Hausberg der Altenkunstadter und Weismainer.

Eines aber nur sehr spärlich: offizielle Informationen von Kommunen und Kreis. Kaum ein praktischer Hinweis, wie man die Gipfel am besten erreicht. Wenig zur Geschichte.

Hier wurde in den letzten Jahren Zeit verschenkt. Diesen Schuh müssen sich Landratsamt und Kommunen anziehen.

Doch Schwamm drüber! Jetzt ist die historische Chance, die Stärken des Kordigast zu betonen statt zu verheimlichen.

Die Zwillingshügel sind nicht nur idyllisch, sondern aufgrund ihrer verhältnismäßig kurzen Wege auch für Familien und Rentner erreichbar.

Es gilt nun, Dinge auszuprobieren, die den Kordigastcharakter nicht verändern, aber für Auswärtige attraktiv sind. Wanderführer könnten Touristen zu Minen und Schürfstellen führen, mit ihnen Naturpfade abschreiten. Danach geht's ins fränkische Bergwirtshaus.

Angebote wie diese muss man offensiv bewerben. Off- und online. Potenzielle Gäste sollen schließlich mitkriegen, dass sich ein Ausflug auf den Kordigast lohnt.

Andreas Schmitt