Der Größenvergleich mit der Gießkanne macht es deutlich: Das Wespennest, das Hans Helbig aus Buch in seinem Holzschuppen unter dem Dach vorfand, hat einen Durchmesser von fast einem Meter. Nach Auskunft des Wespenexperten Michael Neumann handelt es sich um das Nest der Deutschen Wespe (Vespa germanica). Ein Bau dieser Größe beherbergt im Sommer rund 5000 Wespen und mehr.

Ein Germanica-Volk kann zwischen 500 und mehreren tausend Insekten zählen. Eine Größe von bis zu 10.000 Insekten ist keine Seltenheit. Die Germanica kommt überwiegend in Dachbereichen vor. Die Nestfarbe ist, je nach Baustoff (Holz) überwiegend grau. Ihren Höhepunkt erreicht die Art von Juni bis Herbst.

Nur noch wenige lebende Wespen sind im Nest

Das Nest bei Hans Helbig beherbergt jetzt nur noch ganz wenige lebende Wespen. Auch die Königin ist längst nicht mehr am Leben. Die Jungköniginnen sind ausgeflogen und überwintern an einem frostsicheren Ort, ehe sie im kommenden Jahr einen neuen Wespenstaat gründen.Diese Wespenart hat eine hohe Verteidigungsbereitschaft in Bezug auf Störungen. Das Vorkommen beschränkt sich überwiegend auf ländliche Regionen, selten ist sie in Stadtgebieten anzutreffen.

Hornissennest gleich nebenan

Umso mehr spricht es für den Naturfreund, dass er die Hautflügler gewähren ließ, zumal sich unweit des Wespennestes auch noch ein Hornissennest befand. Hornissen stehen auf der Roten Liste und genießen wie die einheimischen Wespenarten einen besonderen Schutz. Es ist verboten Hornissen- und Wespennester zu zerstören. Wer in besonderen Fällen ein Wespennest beseitigen will, sollte sich vorher über erlaubte Maßnahmen und die Kosten erkundigen. Nester können von einem Fachmann auch erfolgreich umgesiedelt werden.

Wespennester: Nur in seltenen Fällen ist eine Vernichtung durch den Fachmann nötig

Eine sachkundige Vernichtung des Insektenvolkes ist nur in den seltensten Fällen nötig. Die Umsiedlung sollte stets vor einer Vernichtung stehen. Umweltschutzorganisationen und Imker bieten die tierfreundliche und oft auch kostengünstigere Alternative an.

Besonders geschützt sind in Deutschland Hornissennester. Wer eines zerstört dem blühen bis zu 50.000 Euro Strafe. Eine Zahl die bei vielen Wespenhassern nur heftige Proteste hervorruft. Doch Wespen und Hornissen sind für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar und der Gesetzgeber wusste schon was er tat.

Nicht das erste Riesen-Nest in Oberfranken

Erst vor wenigen Wochen sorgten ähnlich große Wespen- und Hornissennester auf einem Dachboden im Landkreis Kulmbach für Schlagzeilen. Rentner Otmar Bähr hatte die riesigen Nester unter dem Dach seiner Scheune in Schwand entdeckt.