Vor rund zwei Wochen gab es bei Concept Laser eine Mitarbeiterversammlung, auf der die aktuelle wirtschaftliche Lage ein Thema war. Dabei, so heißt es aus vertrauenswürdigen Quellen, sei es auch um das Thema Entlassungen gegangen.

Gestern gab es eine weitere "interne Information", bestätigte die Pressestelle des Unternehmens unserer Zeitung. Es soll Veränderungen geben, konkret könne man aber keine Zahlen nennen. "Angesichts der beispiellosen Auswirkungen von Covid-19 auf die Fertigungsindustrie, insbesondere auf die kommerzielle Luftfahrtindustrie, unternehmen wir Schritte, um unser Geschäft zu rationalisieren und die langfristige Stärke von GE Additive sicherzustellen. Wir schätzen das Engagement aller unserer Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit und bedauern, dass wir diese Maßnahmen ergreifen müssen", heißt es von dort. So ähnlich klangen Sätze von anderen Firmen, auch aus der Region, mit denen man Entlassungen ankündigte.

Kurzarbeit genutzt

Dass auch die wirtschaftlichen Probleme in Folge der Corona-Pandemie an dem Unternehmen nicht spurlos vorbei gehen würden, überrascht nicht. Schon in den vergangenen Monaten wurde Kurzarbeit genutzt, um den Auftragsrückgang aufzufangen.

Um das zu verstehen, muss man etwas ausholen. Auf dem neuen Firmengelände findet sich am Schild an der Zufahrt kein Hinweis mehr, dass es sich im Grunde genommen immer noch im Kern um Concept Laser handelt, wie der Betrieb umgangssprachlich von vielen Lichtenfelsern noch bezeichnet wird. Damit liegen sie auch nicht falsch.

"GE Additive" steht dort, ein Hinweis auf den amerikanischen Großkonzern General Electric. Dessen Wurzeln gehen auf Thomas Alva Edison zurück, dem Erfindet der Glühbirne, die er sich auch patentieren ließ. Um seine Geschäftsaktivitäten zu bündeln, gründete er 1890 in den USA die Edison General Electric Company, die die Keimzelle für General Electric wurde. Im Laufe der Jahrzehnte kamen viele Geschäftsbereiche hinzu. Heute beschäftigt GE über 200 000 Mitarbeiter weltweit und ist ein Mischkonzern, der in den Bereichen Energie, Gesundheit, Finanzierung und Transport tätig ist.

GE Additive ist eine Neugründung aus dem Jahr 2016, ein Unternehmen, in dem alle Tätigkeiten im Bereich additive Fertigung zusammengefasst werden. Im selben Jahr kaufte GE auch 75 Prozent von Concept Laser, 25 Prozent gehören weiterhin der Familie Herzog. Frank Herzog, Mitgründer des Unternehmens im Jahr 2000, blieb als Geschäftsführer zunächst an Bord. Die Familie hatte sich zu einem Verkauf entschlossen, weil das Unternehmen stark wuchs und man die Steuerung dieser Expansion nicht mehr allein bewältigen konnte, so die Eigentümer damals.

Für GE war dies der erste wichtige Schritt zum Aufbau der neuen Sparte, denn die eigene Expertise in diesem Feld war eher überschaubar. Doch man sah das als zukunftsträchtige Investition an, was sich auch im Kaufpreis widerspiegelte. 549 Millionen Euro legte man für den 75-Prozent-Anteil auf den Tisch. Zuvor hatte man sich erfolglos um den Einstieg bei SLM bemüht, einen 3D-Druck-Spezialisten aus Lübeck. Auch bei der Übernahme einer Mehrheit der schwedischen Firma Arcam wenig später im Jahr 2017 soll eine ähnliche Summe geflossen sein, rund 610 Millionen Euro. Der Einstieg wurde von General Electrics Luft- und Raumfahrt-Sparte "GE Aviation" gesteuert, was auch deutlich macht, welche Branchenabhängigkeit bei GE Additive vorliegt.

Herzogs hatten es vertraglich festschreiben lassen, dass GE in den Aufbau eines vergrößerten neuen Standorts in Lichtenfels rund 100 Millionen Euro investiert. Am bisherigen Platz in Lichtenfels Schney gab es keine passenden Erweiterungsflächen mehr.

Dieser Bau entstand im Gewerbegebiet in Lichtenfels-Seubelsdorf, direkt am Abzweig der B 173 von der A 73. September 2019 war die offizielle Einweihung, auch wenn der Bau noch nicht fertiggestellt war. Er soll bis zu 700 Mitarbeitern Platz bieten. Aktuell sind dort 500 Personen beschäftigt. Concept Laser zieht in Etappen um.

Frank Herzog hat sich praktisch zeitgleich zur Eröffnung des neuen Komplexes als Geschäftsführer aus dem Unternehmen zurückgezogen, ist als Miteigentümer aber grundsätzlich weiter über die Vorgänge dort informiert.

Optimistisch scheint man die Lage bei GE allgemein nicht mehr zu sehen. Im Fachmagazin mission-additive.de erschien vor kurzem ein Bericht, dass GE den Wert seiner neuen Sparte "Additive" korrigiert habe, zu der neben den Werken in Lichtenfels und Schweden auch Forschungszentren in München und Ohio (USA) sowie der Hersteller von Metallschmelzpulver AP&C (Kanada) gehören. Der so genannte "Goodwill", der immaterielle Wert eines Unternehmens, also vereinfacht gesagt die Summe aus Sachwerten und Lizenzen, wurde um Wertminderungskosten von 877 Millionen US-Dollar belastet, mehr als die Hälfte dessen, was GE allein für Concept Laser und Arcam einst gezahlt hatte, schreibt mission-additive.de und kommt zu dem Schluss, dass GE wohl der Meinung sei, für den Aufbau der neuen Sparte zu viel Geld ausgegeben zu haben.

Auslöser für die Wertminderung sei aber die Corona-Pandemie gewesen.