"Die Maus, die hat Geburtstag heut", "Kinder dieser Welt" oder "Krümel und Fussel: Immer dem Rüssel nach". Beim Besuch des Blogs www.kinderbuchstabensuppe.de geben die Buchtitel bereits einen klaren Hinweis auf die Zielgruppe: Iris Birger gibt auf ihrer Website und dem dazugehörigen Instagram-Auftritt Buchempfehlungen für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren – beziehungsweise für deren Eltern, denn die müssen das Geschriebene schließlich vortragen.

Aus Sicht der Buchbloggerin profitieren dann auch Jung und Alt vom Vorlesen: "Ein Kind taucht in die Fantasiewelt des Buchs ein und wird dabei langsam an das Lesen herangeführt. Aber auch uns Eltern können Kinderbücher gut tun: Sie haben oft eine Botschaft und man kann sich wieder erden oder mal das Negative ausblenden."

Ein wichtiges Ritual

Gerade in der aktuellen Zeit des Lockdowns könne das gemeinsame Ritual des Vorlesens helfen, dem Tag eine Struktur zu geben, erklärt Birger. Zudem entstehe, wenn die Vorleser ihre Hemmungen überwinden und sich "richtig ins Zeug legen, ein tolles Erlebnis". Das erleichtere den Kindern den Umgang mit der momentanen Situation. Also ist es Iris Birger wichtig, möglichst viele Familien mit ihrem Angebot zu erreichen. Hierzu arbeitet sie eng mit den Aktiven Bürgern zusammen. Die nehmen die Buchempfehlungen in ihren Newsletter (wir berichteten) auf, stellen sie auf ihre Internetseite (www.aktive-buerger-lichtenfels.de) und haben darüber hinaus auch für die Zeit nach dem Lockdown wieder Inspiration für ihre Lesepaten in den Kindergärten.

In den evangelischen Kindertagesstätten ,Vogelnest‘ und ,Körbla‘ in Lichtenfels entschloss sich die Leitung ebenfalls zu einer Zusammenarbeit mit Iris Birger: Ihre Buchempfehlungen nehmen im regelmäßig verschickten Elternbrief eine Seite ein. "Das Vorlesen liegt mir schon immer sehr am Herzen. Es ist gemeinsame Familienzeit, spendet Nähe und fördert Kinder in so vielerlei Hinsicht. Bücher und Vorlesen spielen daher in unseren Einrichtungen eine große Rolle", erklärt Christine Babucke den gemeinsamen Schritt. Wegen der Corona-Beschränkungen haben die Eltern aktuell nicht die Möglichkeit, im Eingangsbereich der Einrichtung die ausgestellten Kinderbücher anzusehen – Iris Birgers Buchempfehlungen kommen da genau zum richtigen Zeitpunkt.

"Ich versuche so auch ein wenig aus der Onlinewelt rauszukommen. Damit erreiche ich die Menschen auf direktem Weg. Mittlerweile kommen gelegentlich auch Eltern auf mich zu und fragen nach Buchtipps. Das ist schön, weil du so ein bisschen die Früchte deiner Arbeit sammeln kannst", sagt die Bloggerin und lächelt.

"Ich war nie eine Leseratte"

Dass sie sich einmal so intensiv mit (Kinder-) Literatur auseinandersetzen würde, hatte sie selbst nie geglaubt: "Ich war nie eine Leseratte." Weil das Vorlesen für das eigene Kind aber aktuell eine große Rolle spielt, setzt sich die Lichtenfelserin ohnehin sehr intensiv mit Kinderbüchern auseinander.

Zudem bereitet ihr das Schreiben schon immer Freude. Also verfasste sie einst eine Rezension zu einer Leseprobe und gewann prompt einen kleinen Preis dafür – die Begeisterung war entfacht, und die Idee eines Blogs für Buchempfehlungen war geboren. Die Website zu erstellen war für Iris Birger kein Problem, beruflich ist sie im E-Commerce zuhause. "Ein weiterer Grund, warum ich Lust auf die Sache hatte, ist wahrscheinlich meine kommunikative Ader", ergänzt sie und ein Schmunzeln huscht über ihr Gesicht.

Bewertungskriterien

Wie aber geht die Bloggerin an ihre Rezensionen heran? Sie befasst sich unter anderem mit der Illustration, dem Inhalt und der Haptik der Bücher. Anschließend müssen sich die Verlage dann schon auch mal kritische Fragen gefallen lassen. So hatte beispielsweise ein Kinderbuch zum Thema Nachhaltigkeit einen hohen Materialanteil aus Plastik. Das hinterließ bei der Lichtenfelserin Fragezeichen. Eine Anfrage beim Autoren brachte jedoch Klarheit: Die Erklärung, es handle sich hierbei um eine besondere Plastikform, die zu 100 Prozent recycelbar sei, erleichterte Iris Birger – sie fand das Buch gut und konnte es vorstellen, ohne auf den vermeintlichen Widerspruch hinweisen zu müssen. Denn: Objektivität ist der 40-Jährigen wichtig.

Wenn sie für sich allein mal schmökern will, greift sie meist zu humorvoller Lektüre. "Das ist ein schöner Ausgleich. Außerdem kann Humor auch der Schlüssel sein, um ernste Themen zu verstehen." Folgerichtig ist eines ihrer Lieblingsbücher der Roman "Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung" von Petra Hartlieb. Darin behandelt die Autorin mitunter ernstere Themen, wie beispielsweise Stress. Die humorvolle Darstellung lockert das beschriebene Geschehen rund um eine Buchhandlung aber oftmals auf. Apropos Buchhandlung: Iris Birger berücksichtigt beim Kauf ihrer Bücher den lokalen Einzelhandel: "Beim Buchladen um die Ecke gibt's viele der Bücher, die ich brauch' – oder man kann sie dorthin bestellen und meistens schon am nächsten Tag abholen."