Eine von über 30 Jakobsweg-Teilstrecken in Deutschland führt durch den Landkreis Lichtenfels. Von Kronach oder Coburg kommend verläuft der Weg über Lichtenfels nach Vierzehnheiligen, den Staffelberg, Loffeld und Prächting weiter nach Bamberg. Mit dabei haben die meisten Pilger einen Pilgerpass. In diesem können Stempel entlang der Wegstrecke gesammelt werden, die unter anderem zur Nutzung von preisgünstigen Pilgerherbergen berechtigen.

Im Landkreis Lichtenfels stellen die Kirchen und Kapellen entlang des Weges solche Pilgerstempel bereit. So sind das unter anderem die Burgbergkapelle St. Jakobus in Lichtenfels, die Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg und Vierzehnheilligen. Die Betreuung der Stempelstellen sei Sache der Kirchen, erklärt Peter Tremel vom Rennsteigverein und im Kreis Lichtenfels zuständig für die Markierung der Wanderwege. Allerding machen die Kirchen aus Angst vor Diebstahl und Missbrauch die Pilgerstempel für den Jakobsweg zuweilen nicht öffentlich zugänglich. "Aber bei den meisten Kirchen mit Stempel ist ein Hinweis, dass der Stempel im Pfarrhaus oder bei Familien abgeholt werden kann", so Peter Tremel.

Schlechte Beschilderung?

Dass die Kirchen im Landkreis ihre Stempelstellen unterschiedlich handhaben, führt stellenweise zu Unmut. Eine Anwohnerin aus Loffeld berichtet von Pilgern, die sich über fehlende Beschilderungen und eine schlechte Erreichbarkeit der Stempelstellen bei ihr beschweren. "Die Leute, die den Jakobsweg machen, laufen in der Regel allein. Es sind auch sehr oft Frauen, und die nehmen die Sache wirklich sehr ernst. Für die haben die Bilderstempel einen sehr hohen ideellen Wert. Die Wanderer müssen sich mühsam durchfragen und die wenigsten wissen, dass und wo es diese Stempel überhaupt gibt", klagt die Anwohnerin. Als Beispiel hätte ihr eine Pilgerin die Burgbergkapelle St. Jakobus in Lichtenfels genannt. Von der Kirche aus müsse ein Umweg zum Pfarramt der Kreisstadt aufgenommen werden, um den Stempel zu erhalten.

Im Katholischen Stadtpfarramt Lichtenfels dagegen schätzt man die Lage anders ein. Ein Schild an der Burgbergkapelle St. Jakobus gebe Auskunft darüber, wo die Stempel zu bekommen sind. Ein Pilgerstempel ist im Pfarramt hinterlegt, ein zweiter ist im Besitz der Vorsitzenden des Kapellenvereins, Annemarie Böhm, die bei Bedarf telefonisch zu erreichen ist. Den Stempel direkt in der Kapelle zu hinterlegen, um so den Pilgern den zusätzlichen Weg und Aufwand zu ersparen, schließt man im Stadtpfarramt Lichtenfels aus. Die Gefahr, dass der Stempel entwendet oder beschädigt werde, sei zu groß, als dass man ihn frei zugänglich machen könne.

In der Basilika Vierzehnheiligen ist der Pilgerstempel ebenfalls nicht frei zugänglich. Dort ist dieser auf Nachfrage an der Klosterpforte oder an manchen Tagen auch unter Aufsicht in der Kirche erhältlich. In Vierzehnheiligen musste zu diesen Mitteln gegriffen werden, nachdem zuvor mit dem frei zugänglichen Stempel die umliegenden Wände beschmiert worden waren. Zudem hatten sich auch immer öfter Nicht-Pilger des Pilgerstempels bedient. Nichtsdestotrotz sucht man in Vierzehnheiligen vergeblich nach entsprechenden Hinweisschildern, wo der Stempel zu finden ist.

Anders gelöst ist die Situation in der Katholischen Hankirche Maria Immaculata in Prächting, die ebenfalls am fränkischen Jakobsweg liegt. Dort wird der Pilgerstempel in einer kleinen, unverschlossenen Box an der Rückseite der Kirche verwahrt. Im Vergleich zur innerstädtisch gelegenen Burgbergkapelle St. Jakobus oder der gut besuchten Basilika Vierzehnheiligen besteht für die Stempelbox an der Hankirche unweit des Klinikums Kutzenbergs natürlich ein geringeres Risiko, mutwillig beschädigt zu werden.

Bei Bedarf helfen

Peter Eich, Geschäftsführer der Jakobsweg-Zentrale GmbH, kennt das Problem einer unzureichenden Beschilderung der Stempelstellen. "Die Jakobswege, vor allem die originalen, sind über Jahrhunderte organisch entstanden. Das wurde nie von einer zentralen Stelle geplant", begründet Eich die unterschiedliche Handhabe und Beschilderung. Allerdings kümmere sich sein Unternehmen bereits um eine Lösung: "Wir arbeiten gerade an einer App, die alle Stempelstellen verzeichnen wird." Bis zur nächsten Saison werde es eine Lösung geben, verspricht Peter Eich, der neben der Webseite jakobsweg.de auch einen Online-Shop betreibt, wo unter anderem der offizielle Pilgerpass bestellt werden kann.

Auch wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, was die Beschilderung und Erreichbarkeit der Stempelstellen betrifft, so kann Pilgern geholfen werden. Auf der einen Seite ist es an den einzelnen Kirchen, nach Lösungen zu suchen, wie den Pilgern die Jakobsweg-Stempel leichter zugänglich gemacht werden können. Zum Beispiel könnte eine bessere und dichtere Beschilderung vor Ort helfen.

Auf der anderen Seite kann ortsfremden Pilgern ganz unkompliziert geholfen werden, wenn mehr Bewohner des Landkreises über die Stempelstellen entlang des Fränkischen Jakobswegs Bescheid wüssten und Auskunft geben könnten. Dann steht auch einer gelungenen Pilgerreise nichts mehr im Wege.