Es bereitet richtig Freude, sich in alte Adress- und Telefonbücher zu vertiefen. Im Analogzeitalter, als Daten noch nicht geschützt waren, war es leicht, etwas über seine Mitmenschen zu erfahren. Etwa ob sie Hausgehilfin, Witwe, Straßenmeister, Oberlehrer oder Melkermeister waren. Wir haben uns diesen Spaß gemacht und das Lichtenfels-Staffelsteiner Telefonbuch von 1950 sowie die Staffelsteiner Adressbücher von 1957 und 1967 und das Lichtenfels-Staffelsteiner Adressbuch von 1971 durchgeblättert, die aus der Sammlung von Walter Mackert stammen.

Beginnen wir mit dem gelben Telefonbuch. Das kostete 1950 eine Mark. Ein stolzer Preis für das 32 Seiten dünne Heft. Der halbe Liter Bier in der Gaststätte kostete damals zwischen 50 und 60 Pfennig. Der Monatslohn eines Arbeiters lag zwischen 125 und 260 Mark.

Einstellige Telefonnummern

Es dauert nicht lang, bis wir die Top Ten der Telefonnummern der damaligen Kreisstadt aus den dreieinhalb Seiten der Staffelsteiner Einträge herausgefunden haben: Unter der Rufnummer 1 war die Brütting-Bräu, das Gasthaus Grüner Baum, zu erreichen. Die Nummer 2 hatte das Baugeschäft Konrad Pfeiffer in der Badumstraße und die Nummer 3 das Staffelsteiner Tagblatt Felgenauer & Schuster. Die folgenden Nummern waren so vergeben: Heinrich Nusser, Apotheker, Bamberger Straße 14 (Nr. 4), Gasthaus "Zur Post" (heutiges Restaurant "Athene") in der Bahnhofstraße (Nr. 5), Fränkische Buch-Kunsthandlung Wilhelm Bitter, Schloss Banz (Nr. 6), die Landpolizei, Bezirksinspektion und Hauptposten (Nr. 7), die herzogliche Forstverwaltung in Banz (Nr. 8) sowie die Mehl-, Getreide- und Futtermittelgroßhandlung von Erwin Förstner (Nr. 9). Eine Telefonnummer 10 war offenbar nicht vergeben, denn es geht erst mit der 11 weiter, unter der die Raiffeisen-Zentralkasse am Marktplatz vergeben war. Mit der Telefonnummer 21 ist das Kreiskrankenhaus gelistet und mit der 28 die Stadtverwaltung, die bereits mehrere Hauptanschlüsse hatte, wie vermerkt ist. Der Fränkische Tag rangierte 1950 übrigens in der Nummern-Nomenklatura relativ weit hinten: Rufnummer 138.

Telefonieren war umständlich

Zu dieser Zeit - die Älteren erinnern sich vielleicht - gab es beim Telefonieren sogenannte Vorgespräche: Man rief zum Beispiel vom öffentlichen Fernsprecher eines Dorfes bei der Vermittlung an und meldete die Verbindung an, die man haben wollte. Das Frollein vom Amt errechnete, was das Gespräch kosten wird, denn man musste es ja vor Ort, beim Inhaber des öffentlichen Anschlusses, gleich bar bezahlen. Dann erst kam durch Rückruf die gewünschte (Fern-) Verbindung zustande.

Doch wie funktionierte eigentlich das Wählverfahren? Ganz am Anfang musste jedes Telefonat außerhalb der Ortsverbindungen von Hand vermittelt werden. Die Wählsysteme arbeiteten später mechanisch: Von der Zentralvermittlungsstelle Nürnberg etwa über die Hauptvermittlungsstelle Bamberg und die Knotenvermittlungsstelle Lichtenfels zur Endvermittlungsstelle Staffelstein, erklärt Postrat a. D. Jürgen Rinklef. Später wurde dann ein ein mechanisiertes System eingeführt, mit dem jeder Anrufer selbst Orte im nahen Umland anwählen konnte.

Erklärungen der Straßennamen

Das Adressbuch von 1957 enthält erheiternde Einträge: Im Einwohnerverzeichnis sind all jene Personen mit Berufsbezeichnungen zu finden, die in einem Haus wohnen - und zudem Beschreibungen des jeweiligen Straßennamens. Das liest sich so: "Am oberen Lauterdamm - die Lauter ist der durch Staffelstein fließende Bach"; "Angerstraße - der Anger war das gemeindeeigene Weideland"; "Bärengasse - Herkunft des Namens unbekannt"; "Bauersgasse - ein Weg, der in die Felder führt"; "Marktplatz - Platz vor dem Rathause, auf welchem die Stand- und Ferkelmärkte abgehalten werden"; "Gartenstraße - vor größerem Gartengelände"; "Hirtengasse - der Weg, der vom Hirtenanwesen (gemeindliche Bullenhaltung) zur alten Linde führt"; "Heimstättensiedlung - erste Siedlung in Staffelstein"; "Heiterstraße - Heiter, ein gebürtiger Staffelsteiner, erwies sich als Wohltäter der Stadt".

Interessant wird es, wenn wir einen Blick aufs Gaststättenverzeichnis werfen. Das Adressbuch von 1957 weist für die Kernstadt Staffelstein 13 Gasthäuser aus. Viele davon sind längst verschwunden, einige haben sich als lokale Legenden etabliert - wie etwa der "Borscht", die Gastwirtschaft Johann Meixner in der Lichtenfelser Straße. Erst in jüngster Zeit verschwunden ist die Gaststätte "Insel" an der Bamberger Straße/Ecke Schwedenleite; das Gebäude wurde im vergangenen Jahr abgerissen, um auf diesem Areal eine Mehrfamilien-Wohnanlage zu schaffen.