Rosalinde Herold ist eine Zeitzeugin im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mainrotherin, die seit 40 Jahren der Maschinenfabrik Fischer die Treue hält, hat den Einzug des Computers in die Bürowelt hautnah miterlebt. "Anfang der 80er Jahre wurden die Daten auf großen Magnetplatten abgespeichert, die mich an eine Tortenplatte mit Haube erinnerten. Sie nahmen aufgrund ihrer Größe viel Platz weg und wurden daher in einem Safe deponiert", schweifen die Gedanken der Jubilarin beim Ehrungsabend im Altenkunstadter Hotel "Gondel" in längst vergangenen Zeiten.


Cordschneideanlagen

Insgesamt 22 Frauen und Männer des Unternehmens, das Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt, feiern in diesem Jahr ein rundes oder halbrundes Jubiläum. Als Herold 1977 ihre Lehre zur Industriekauffrau begonnen hatte, erfüllte noch das Klacken der Schreibmaschinen die Büros. "Es wurde mit Buchungsautomaten und Fernschreiber, die über Lochstreifen verfügten, gearbeitet. Das können sich junge Leute heute gar nicht mehr vorstellen", sagt Herold, die derzeit als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung arbeitet. Wenn sich beim Maschinenschreiben ein Fehler eingeschlichen hatte, dann griff man nicht nur zu weißer Korrekturflüssigkeit. "Wir waren erfinderisch und benutzten sogar Rasierklingen zur Beseitigung des Malheurs."
Wie würde sie den damaligen Büroalltag mit dem heutigen vergleichen? Mit dem Einzug des Computers, so Herold, sei die Arbeit zwar einfacher, aber auch stressiger geworden. "Ende der 70er Jahre ging alles viel entspannter zu. In unserer heutigen vernetzten und digitalisierten Welt mit ihren E-Mails und großen Telefonanlagen ist man jederzeit erreichbar."
Auch Siegfried Stettner aus Schwürbitz, der einst bei der Firma Fischer den Beruf des Maschinenschlosses erlernt hatte, hatte ursprünglich mit dem PC nichts am Hut. Als er sich dann vor zehn Jahren entschloss, als Sachbearbeiter in die Arbeitsvorbereitung zu wechseln, änderte sich das schlagartig. "Vorher hatte ich einen Computer nur zum Privatgebrauch. Ich habe mich in die Bildschirmarbeit reingearbeitet. Es war quasi learning by doing, wie es neudeutsch so schön heißt", erzählt er. Unter Arbeitsvorbereitung kann man sich viel vorstellen. Wie sieht es konkret bei Siegfried Stettner aus? "Ich bestelle Teile für die Komponenten einer Cordschneideanlage, wie Schere oder Aufwickler. Ich vereinbare aber auch Liefertermine, treffe Preisabsprachen und führe Qualitätskontrollen durch", klärt der Fachmann auf. Zuvor hatte er im In- und Ausland als Monteur gearbeitet. Dadurch kenne er die Anlagen von Grund auf. "Das ist bei meiner täglichen Arbeit in der Arbeitsvorbereitung sehr von Vorteil", betont er.
Sowohl Herold als auch Stettner sind Fimamesen, wie man die Mitarbeiter der Burgkunstadter Firma von Weltrang liebevoll nennt. Beide schätzen das gute Miteinander in dem Unternehmen. "Hier fühle ich mich wohl", spricht Herold ihrem Kollegen aus der Seele, der zustimmend nickt.
Geschäftsführerin Simone Thies gibt das Lob an die Mitarbeiter zurück, die sie mit einem Messer vergleicht. "In unseren Cordschneideanlagen ist die Komponente der Schere mit den darin enthaltenen Messern eine Schlüsselkomponente. Ebenso wie die Messer in unseren Anlagen seid Ihr, meine lieben Jubilare, die Schlüsselkomponente der Maschinenfabrik Fischer. Eure unermüdliche Schaffenskraft und Eure Treue bilden das Rückgrat unserer Firma, die ihr mit Eurem Fleiß auf die Erfolgsspur gebracht habt." Passend zu ihrer Rede hatte sie eine Kiste mit Messern mitgebracht, auf denen die Namen der Jubilare eingraviert waren. Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt: Die Geehrten öffneten die Kiste mit Schraubenziehern und durchtrennten die Kabelbinder, mit denen das Werkzeug befestigt war, mit einem Seitenschneider. Thies überreichte Urkunden, die Vorgesetzten sprachen Worte des Dankes und Betriebsratsvorsitzender Dietmar Geßlein erinnerte an das Zeitgeschehen vor zehn, 25 und 40 Jahren.
Zehn Jahre: Matthias Bähr (Schneckenlohe/Konstruktionsmechaniker), André Bergmann (Burgkunstadt/Zerspanungsmechaniker), Christian Braun (Altenkunstadt/Konstruktionsmechaniker), Mario Dembowski (Kirchlein/Industriemechaniker), Marco Fiedler (Marktzeuln/Zerspanungsmechaniker), Christian Hempfling (Mitwitz/Softwareentwickler), Johannes Hofmann (Michelau/Zerspanungsmechaniker), Markus Höppel (Theisau/Elektroniker), Udo Krauß (Konstrukteur/Lichtenfels), Robert Mahr (Isling/Zerspanungsmechniker), Steffen Mühling (Ebensfeld/Konstrukteur), Marco Panian (Nordhalben/Softwareentwickler), Frank Populoh (Burgkunstadt/Softwareentwickler), André Renner (Hochstadt/Sachbearbeiter Personalabteilung), Hermann Reuther (Hochstadt/Hilfskraft in der Mechanischen Abteilung), Tobias Rupprecht (Hainweiher/Vorarbeiter Stahlbau) und Matthias Schrepper (Weismain/Konstrukteur).

25 Jahre:Matthias Schmitt (Niederfüllbach/Maschinenbauingenieur in der Technischen Leitung) und Andreas Zeis (Weismain/Abteilungsleiter Mechanische Abteilung).

40 Jahre Ralf Angermann (Burgkunstadt/Konstrukteur), Rosalinde Herold (Mainroth/Sachbearbeiterin Buchhaltung) und Siegfried Stettner (Schwürbitz/Sachbearbeiter Arbeitsvorbereitung).