Urkundenfälschung warf Staatsanwältin Michaela Heublein dem 23-jährigen Michelauer vor. Der wurde von seiner Mutter begleitet und die hätte er um ein Haar in größte Schwierigkeiten gebracht; denn er suchte die Frau der Urkundenfälschung zu bezichtigen. Eine Taktik, die wohl vor Prozessbeginn zwischen Mutter und Sohn abgesprochen worden war. Zum Tathergang: Am 25. Juli 2014 hätte der Mann sich bei einem möglichen künftigen Arbeitgeber vorstellen sollen. Adresse und Termin wurden ihm vom Jobcenter genannt. Aber offensichtlich hatte der Mann keine Lust darauf, holte sich ein ärztliches Krankenattest und trug ein Datum ein, das mit dem des Vorstellungstermins kollidierte. Diese Methode hätte mit sich gebracht, nicht das Risiko einer Streichung des Arbeitslosengeldes einzugehen.
Oder: "Hätte er die Maßnahme nicht angetreten, ohne krank zu sein, hätte er eine Strafe gezahlt", so eine in dem Fall ermittelnde Polizistin in ihrer Zeugenaussage. Diesen Vorwurf wies der Angeklagte von sich und erklärte, dass nicht er, sondern seine Mutter das Datum gefälscht habe. "Na, des war ja net ich, des war mei Mam", beharrte er.

Eingriffe ins Datum

"Warum soll die das machen?", erkundigte sich Richter Christoph Lehmann nach möglichen Beweggründen. Denn: Eben jene Polizistin konnte sich noch genau erinnern, wie der junge Mann seinerzeit beim Verhör eingestand, auf dem Attest selbst eine Zahl falsch nachgezogen zu haben, weil sie "schlecht gedruckt war". Vor Gericht aber blieb er dabei, dass seine "Mam" oder "Ma" noch auf dem Weg zum Jobcenter ihren Stift gezückt haben müsse, um Eingriffe ins Datum vorzunehmen. Auf die Frage des Angeklagten, warum er das nicht aussagen dürfe, entgegnete Michaela Heublein, dass er aussagen könne, was er wolle. Nur müsse er sich gewahr sein, dass ihm dann eine Anklage wegen falscher Verdächtigung ins Haus stünde. Zudem: "Wenn Ihre Mutter das aussagt (dass sie das Datum fälschte), werde ich ein Verfahren gegen Ihre Mutter einleiten." Zu eindeutig erschien Richter Lehmann die Beweislast gegen den 23-Jährigen, weshalb er ihn ermahnte. "Ich habe ja auch eine Aufklärungspflicht Ihnen gegenüber. Wenn ich bei derzeitiger Sachlage das Gefühl habe, Ihre Mama erzählt einen Schmarren, dann wird's für Ihre Mama schlimm." Er solle sich draußen im Gang besinnen, was er jetzt gleich noch einmal aussagen wolle, riet Lehmann dem Twen.

Eine Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro

Als dieser wieder in den Gerichtssaal schlurfte, gab er sofort zu, dass er selbst der Datumsfälscher war. Lust zum Arbeiten hätte er schon gehabt, "aber kein Geld, um (zum künftigen Arbeitgeber) hinzukommen". Der Urkundenfälschung überführt, wird er eine Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro zu zahlen haben. Regungslos nahm die Mutter des Verurteilten das Strafmaß zur Kenntnis.