In der Gummistraße hängt der Haussegen schief. Der Grund: Die Straße soll - wie berichtet - doppelte Sackgasse werden. Mit dem Einziehungsverfahren will es der Stadtrat der Kulmbacher Brauerei ermöglichen, die Straße zu überbauen. Die Durchfahrt von der Reichelstraße zur E.-C.-Baumann-Straße wäre dann versperrt. Andere Firmen wurden von den Plänen kalt erwischt und sind sauer, dass sie "in der Sackgasse eingesperrt" werden sollen.

Am Goldenen Feld geht nichts mehr

Aber die Gummistraße ist nicht die einzige Problemstraße in Kulmbach: Auch in der Schützenstraße schwelt seit September ein Konflikt. Hier ist ebenfalls eine Teileinziehung geplant. Dabei geht es um eine Investition des Gewürzherstellers Raps, der das ehemalige Gelände der Stadtwerke mit dem Gasbehälter kaufen möchte. Durch Überbauung eines 70 Meter breiten Straßenstücks will Raps das bestehende und das neue Betriebsgelände miteinander verbinden. Folge für den Verkehr: Zu- und Abfahrt nur noch vom Kreuzstein, am Goldenen Feld geht nichts mehr.

Gegen das Vorhaben in der Schützenstraße ist beim Verwaltungsgericht Bayreuth bereits eine Klage anhängig. Der Metallbau-Unternehmer Bernd Dörnhöfer ("Tradition seit 1892") akzeptiert die Teileinziehung nicht. Er brauche die Schützenstraße als Zu- und Abfahrt für seine Lastwagen, sagt er.

Brauerei: Verbindung notwendig

In der Gummistraße will man ebenfalls vor Gericht ziehen, wenn die Planung der Kulmbacher Brauerei realisiert wird: Sie möchte auf dem Grundstück zwischen Arztpraxis Dentler/Lämmermann und Tanzschule Barbic eine neue Halle bauen und an die frühere Eku-Brauerei auf der anderen Straßenseite anbinden.

Die Investition sei notwendig, so die Brauerei, "um Arbeitsplätze zu sichern und den Fortbestand am Standort Kulmbach zu gewährleisten". Ursprünglich sei für die Erweiterung der Kapazitäten das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs vorgesehen gewesen. Damit dort der Uni-Campus gebaut werden kann, verzichte die Brauerei auf diese Flächen und sei bereit, das Gelände an den Freistaat zu verkaufen. "Entsprechend war und ist es erforderlich, die notwendige Erweiterung an alternativen Standorten zu realisieren", erklärt die Brauerei. Bereits 2020 sei in der Lichtenfelser Straße ein erster Hallenneubau errichtet worden.

Zusätzliche Abfülllinie geplant

Im nächsten Schritt stehe dort die Sudhauserweiterung an. In der Gummistraße sei eine zusätzliche Abfülllinie geplant. "Um die zukünftigen Arbeitsprozesse in diesem Betriebsbereich effizient abbilden zu können", müsse das bestehende Betriebsgelände mit der neuen Logistikhalle verbunden werden. Deshalb sei "die Entwidmung der Gummistraße im Bereich des Brauereigeländes notwendig".

"Wenn das so kommt, dann werden wir mit allen Mitteln dagegen vorgehen", erklärte Markus Baum, Vorstandsvorsitzender der Danhauser-Firmengruppe, zu der das BHG-Bauzentrum gehört. Er erwartet erhebliche Probleme mit dem Lkw-Verkehr in der Sackgasse und ist sich einig mit seinen Kollegen von Gienanth Zaigler MBA, Holz-Popp und Ludewig Karosseriebau.

Tanzschule "abgeschnitten"

"Auch wir wären komplett abgeschnitten", betont Tanja Barbic von der gleichnamigen Tanzschule. Sie hätten viele Teilnehmer bei den Schülerkursen, die vom Busbahnhof oder Bahnhof zur Tanzschule laufen. "Wenn da kein Durchgang mehr ist, müssen die Leute über die E.-C.-Baumann-Straße laufen - ein Riesenumweg." Sie sei von der Brauerei enttäuscht, "dass man nicht vorher miteinander gesprochen hat, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen".

Vorherige Gespräche, "um eine Lösung zu finden, mit der alle leben können", hätte sich auch Bernd Dörnhöfer in der Schützenstraße gewünscht. Der Geschäftsführer spricht von einer beengten Lage seiner beiden Unternehmen Stahlbau Dörnhöfer und Maschinenbautechnik Dörnhöfer: Lastwagen, Lieferverkehr und Parkplätze der Mitarbeiter - es sei nicht einfach. Das Grundstück an der Schützenstraße werde als Lkw-Zufahrt für die Maschinenbautechnik benötigt. Die Anfahrt erfolge vom Goldenen Feld, "sonst kommen die Lastwagen nicht rein".

Brücke als Kompromiss

Es habe zwar im Vorfeld Verhandlungen gegeben, die laut Dörnhöfer aber von Raps abgebrochen wurden. Er hätte sich als Kompromiss vorstellen können, dass Raps eine Brücke baut, damit Lkw durchfahren können, oder eine Umfahrung auf dem Stadtwerke-Grundstück. Für das Gelände habe er sich auch interessiert, aber ihm sei mit Hinweis auf die Erhaltung des Gasbehälters ("die heilige Kuh") kein Entgegenkommen signalisiert worden. Nun plötzlich werde "die Gaskugel" nicht mehr benötigt.

Der Grundstücksverkauf habe für ihn "einen faden Beigeschmack", so Dörnhöfer. Zumal von Raps-Seite im Beisein von Vertretern der Stadt geäußert worden sei, dass man aus Kulmbach wegziehen werde, wenn die Teileinziehung nicht kommt.

"Ein bisschen wie Erpressung"

"Das klingt ein bisschen wie Erpressung", meint Dörnhöfer und bezeichnet es als Hohn, wenn die Stadt mit dem Allgemeinwohl argumentiert. "Wir sind der größte Metallbau- und Ausbildungsbetrieb in Kulmbach mit 175 Mitarbeitern und zahlen auch Steuern. Sind wir weniger wert?" Mit Hinweis auf das laufende Verfahren gab es von Raps keine Stellungnahme zur Schützenstraße.

Wann sich die Parteien vor Gericht treffen werden, steht noch nicht fest. Aber es soll nicht ewig dauern. "Die zuständige Kammer bemüht sich um eine zeitnahe Entscheidung", erklärt der Sprecher des Verwaltungsgerichts, Philipp Hetzel.