Der finanzielle Spielraum ist nicht groß, hat die Haushalts-Konsolidierung in der klammen Marktgemeinde Thurnau doch nach wie vor oberste Priorität. Das machte Kämmerer Michael Ganzleben deutlich, der den Gemeinderäten am Montag den Etat für 2016 präsentierte. Eines wurde an dem Abend deutlich: Auch wenn Maßnahmen, für die Kreditaufnahmen notwendig sind, zurückgestellt werden sollen, so tut sich in der Töpfergemeinde doch Einiges - auch dank staatlicher Fördergelder, die fließen. So wird nicht nur für den Ausbau des Schlosses, sondern auch für die Dorferneuerung in Alladorf und die Sanierung des alten Rathauses, in das die Sparkasse einziehen will, ein stattlicher Zuschuss erwartet.


"Standortvorteile ausbauen"

Es gehe darum, "unser weniges Geld in eine zukunftsweisende Gemeindeentwicklung zu investieren", sagte Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU). Ziel müsse es sein, die Infrastruktur zu stärken, den Einzelhandel im Ortskern zu halten, Gewerbe- und Wohnbauflächen zu schaffen. "Intakte Finanzen sind nach wie vor unser Ziel. Um dahin zu kommen, muss aber auch gezielt investiert werden, um noch attraktiver zu werden und Standortvorteile auszubauen."

Wie in der Sitzung deutlich wurde, könnte sich auch auf dem brach liegenden Bahnhofsareal bald etwas tun. Um die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, hat der Gemeinderat die Änderung des Bebauungsplanes Friedmannskoppel/Bahnhofsgelände angestoßen. Offenbar will dort, wo vor Jahren ein Dienstleistungszentrum geplant war, der Edeka-Markt in einen Neubau einziehen. Um beim Bahnhofsareal auf Nummer sicher zu gehen, habe man die Verkaufserlöse im Etat 2016 als Einnahme und gleichzeitig als Ausnahme verbucht, sagte Bernreuther.


"Ein Sicherheitspuffer"

Er machte mit Blick auf das Zahlenwerk deutlich, dass der Haushalt 2016 genehmigungsfähig ist. Aus den Eckdaten des Verwaltungshaushaltes werde ersichtlich, dass man trotz einer positiven Wirtschaftslage einen sehr konservativen Ansatz auf der Einnahmenseite gewählt habe. "Wir haben uns bewusst einen Sicherheitspuffer eingebaut." Ähnlich sei man 2015 vorgegangen. Da habe man die Schulden um 825 000 oder 20 Prozent verringern können. Ende 2015 lag der Schuldenstand bei 3,1 Millionen Euro.


Stabilisierungshilfe notwendig

Der Markt kommt 2016 ohne eine Netto-Neuverschuldung aus, wie Kämmerer Michael Ganzleben feststellte. Man werde wieder eine Stabilisierungshilfe beantragen müssen. "Zur Sicherstellung der dauernden Leistungsfähigkeit muss das Stabilisierungskonzept weiter verfolgt werden", betonte er.
Sorgenkind bleibt der Eigenbetrieb Marktwerke. Hier kommt man nicht um eine Netto-Neukreditaufnahme in Höhe von 430 000 Euro umhin, machte der Kämmerer deutlich. Im Bereich Kanal- und Wassernetz sei ein großer Sanierungsstau vorhanden, wie Martin Bernreuther herausstellte. Um die Marktwerke, die 3,4 Millionen Euro Schulden drücken, langfristig wieder besser aufzustellen, setze man auf die eingehende Beratung durch den Kommunalen Prüfungsverband.


Das sagt der Franke...

"Der Franke würde sagen: Es passt scho", sagte Hans-Friedrich Hacker, der zum Haushalt 2016 für die CSU feststellte: "Wer sich hartnäckig um Zuschüsse kümmert, kann trotz niedriger Finanzspanne etwas bewegen. Thurnau ist wieder auf einem guten Weg. "


"Nicht durch rosarote Brille"

Dass seine Fraktion den Etat mit trägt, jedoch nicht alles "durch die rosarote Brille" sieht, machte Dietmar Hofmann (SPD) deutlich. "Uns fehlen nach wie vor die klaren Konzepte, die zeigen, ob Projekte, die wir angehen, nachhaltig sind." Hofmann beklagte, dass oft "der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wird". So würden weitreichende Planungen auf dem Bahnhofsgelände betrieben, ohne zu wissen, welche Folgen die Hochwasserfreilegung des Badersbaches haben werde.
Dass sich der Schuldenstand der Marktgemeinde in den letzten Jahren deutlich reduziert habe und sich auch weiter verringern werde, hob Erwin Schneider für die ÜWG/FW hervor. "Das ist der richtige Weg, an dem wir festhalten müssen." Schneider sprach allerdings von einer bedenklichen Situation bei den Marktwerken. "Hier besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf."


Kein Geld für Prestigeobjekte

Eine "einigermaßen zufriedenstellende Finanzsituation" hat der Zweite Bürgermeister Veit Pöhlmann (FDP) ausgemacht. "Es ist ein durchaus weichenstellender Haushalt, der zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Pöhlmann, nach dessen Worten aufgrund der angespannten Finanzlage in Thurnau weiterhin kein Geld für Prestige objekte vorhanden ist.