Die Vorwürfe gegen einen jungen Mann sind schwer: Der 21-jährige Angeklagte soll eine Frau drei Minuten lang stark gewürgt haben. Sie erlitt dabei unter anderem eine Fraktur des Zungenbeins. Ein Bruch des zwei bis drei Zentimeter großen Knochens ist ein Anhaltspunkt für Gewaltausübung im Bereich des Halses. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung. Gestern sollte der Prozess vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Kulmbach stattfinden. Doch Corona funkte dazwischen.

Stress mit dem Meister

Die Tat liegt fast ein Jahr zurück. Der Angeklagte hatte einen stressigen Arbeitstag hinter sich. Er war damals noch Lehrling, und es gab Zoff mit dem Vorgesetzten. "Ein strenger Meister", so der 21-jährige Handwerker, der seine Lehre inzwischen beendet hat.

Gegen 17 Uhr traf er im Büro eine weitere Ausbilderin. Was dann passierte, bezeichnete Staatsanwalt Christoph Feulner als "lebensgefährlich" für die Frau. "Das wusste der Angeklagte." Er habe sie drei Minuten lang gewürgt.

Der Mann bestritt die Tat. Er gab an, dass ihn die Frau "geärgert" habe. Ohne einen besonderen Anlass. "Es ging a weng hin und her." An den genauen Wortlaut könne er sich nicht mehr erinnern, "aber es hat mir nicht so gefallen". Die Frau sei früher "auch immer ein bisschen schnippisch" gewesen.

Einen schlechten Tag erwischt

Er hatte einen schlechten Tag, und die Sprüche sind ihm auf die Nerven gegangen. Deshalb sei er zu der Frau hingegangen, die auf ihrem Bürostuhl saß. Er habe seinen Arm um ihren Hals gelegt und gesagt: "Lass halt die Sprüche sein." Aber er habe sie nicht gewürgt. "Ich habe keine drei Minuten zugedrückt, ich habe überhaupt nicht zugedrückt", erklärte der Angeklagte.

Auf die Frage von Richter Christoph Berner, warum er nicht einfach mit der Frau geredet habe, versicherte der Mann: "Ich hatte keine böse Absicht." Das Verhältnis zu ihr sei vorher immer "normal" gewesen.

Die Vernehmung des Angeklagten war noch nicht beendet, als das Telefon auf dem Richtertisch klingelte. Es war der Wachtmeister. Bei der Corona- und Einlasskontrolle gab es Probleme mit der wichtigsten Zeugin im Verfahren gegen den 21-Jährigen: mit der Frau, die gewürgt worden sein soll. Sie hatte offenbar angegeben, dass ein Coronatest bei ihr negativ verlaufen sei, dass sie aber an Geruchs- und Geschmacksstörungen leide. Typische Symptome für eine Covid-19-Infektion. Richter Berner ordnete an, dass die Zeugin draußen warten solle.

Neuer Termin

Daraufhin unterbrach er die Verhandlung und besprach sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit dem Verteidiger, Rechtsanwalt Ralph Pittroff, mit dem Vertreter der Nebenklägerin, Rechtsanwalt Wolfgang Schwemmer, und mit dem Staatsanwalt. Anschließend gab der Jugendrichter bekannt, dass auf die Einvernahme der Zeugin verzichtet wird.

"Wir möchten kein Risiko eingehen", sagte Berner. Es werde ein neuer Verhandlungstermin bestimmt. Bis dahin gab er dem Angeklagten mit auf den Weg, über die Sache und über sein Aussageverhalten ("Heute haben Sie kein Geständnis abgelegt") noch einmal intensiv nachzudenken.