In der Erklärung der Staatsanwaltschaft Bayreuth heißt es, ein Punkt im Antrag rechtfertige eine Wiederaufnahme, und zwar die Benennung einer Zeugin. Diese sei dem Landgericht Hof bei dessen Urteilsfindung gegen Kulac 2004 nicht bekannt gewesen.

Während Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel zu besagter Zeugin keine Einzelheiten nennen wollte, zeigte sich Anwalt Michael Euler "überrascht und enttäuscht zugleich", wie er dieser Zeitung auf Anfrage mitteilte. "Bei der genannten Zeugin kann es sich eigentlich nur um Peggys beste Freundin handeln, die damals ausgesagt hatte, Peggy habe sie am späteren Nachmittag des 7. Mai 2001 angerufen." An diesem Tag war das Mädchen in Lichtenberg spurlos verschwunden; laut Ermittlungsbehörden hatte Kulac die kleine Peggy abgepasst, sie in den Park des Lichtenberger Schlosses verfolgt und dort erwürgt. Als Tatzeit wird 13.15 Uhr angegeben.

Euler hingegen messe der Aussage der Freundin "gar nicht so große Bedeutung bei". Seine Begründung für Kulac' Unschuld fuße unter anderem auf der Aussage zweier Jungs. "Die beiden waren damals in Peggys Alter und gaben unabhängig voneinander und sehr detailliert an, wie Peggy an besagtem 7. Mai gegen 15 Uhr in ein rotes Auto, ein Coupé mit tschechischem Kennzeichen, gestiegen sei. In diesem Wagen saßen angeblich ein Mann und ein anderes junges Mädchen, das die zwei Buben nicht kannten." Peggy sei später am Tag mit diesem Auto auch wieder nach Lichtenberg zurückgebracht worden.

Die beiden Zeugen, die heute 18 und 19 Jahre alt sind, hält Euler für glaubwürdig. Die Polizei hatte die Jungs damals ebenfalls gehört. "Allerdings hat man ihre Aussagen später als Lüge gewertet. Man hat beide gegeneinander ausgespielt, hat dem jeweils anderen gesagt, sein Kumpel habe zugegeben, sich das mit dem Auto ausgedacht zu haben. Daraufhin zogen sie ihre Angaben zurück. Das Vorgehen passt ins Bild, was man über die Befragungsmethoden der damaligen Ermittler weiß."

Wie Euler sagt, hätten die jungen Zeugen in der kommenden Woche ihre Aussage vor der Polizei wiederholen sollen. "Der Termin ist kurzfristig abgesagt worden, einen Grund kenne ich nicht." Die Einlassungen der beiden sind auch in dem 2000 Seiten starken Wiederaufnahmeantrag aufgeführt. Darin kommt Euler zu dem Schluss: Sein Mandant habe mit Peggys Verschwinden nichts zu tun.